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Donnerstag, 7. Februar 2019

Saul Friedländer im Interview

Saul Friedländer: «Früher hatte ich Panikattacken, wenn ich nach Deutschland kam»

Saul Friedländer überlebte den Holocaust und wurde einer seiner bedeutendsten Historiker. Vor einer Woche redete er vor dem Deutschen Bundestag. Demütigungen wie früher erlebe er in Deutschland nicht mehr, aber noch heute erhalte er Briefe von Nazis, die fragten: «Glauben Sie nicht auch, Herr Friedländer, dass die Juden schuld sind am Antisemitismus?»
 
Benedict Neff, Berlin, NZZ 7.2.2019


Der Holocaust-Überlebende Saul Friedländer sieht das heutige Deutschland als Bollwerk gegen die Gefahren des Extremismus

Im Deutschen Bundestag hat am Donnerstagmorgen eine Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus stattgefunden. Die diesjährige Ehrenrede hielt der Holocaust-Historiker und Überlebende Saul Friedländer.
 
Benedict Neff, Berlin, NZZ 31.1.2019

Mittwoch, 30. Januar 2019

Holocaustritual

Rituelles Holocaust-Gedenken kann zur Falle werden

75 Jahre sind seit der Shoah vergangen, bald wird es keine direkten Zeugen mehr geben. Was bedeutet das für die Erinnerung an diesen epochalen Zivilisationsbruch? Wird das bereits heute ritualisierte Gedenken noch mehr versteinern? Um sich des Antisemitismus zu erwehren, reicht das historische Wissen vollauf.
 
 
 

Montag, 28. Januar 2019

«Sinn und Form»: Das literarische Aushängeschild der DDR wurde den Machthabern schon bald suspekt

Vor siebzig Jahren wurde in der DDR die Zeitschrift «Sinn und Form» gegründet. Sie hat allen historischen Umbrüchen getrotzt.
 
Michael Braun, NZZ 28.1.2019

Die Zeitschrift «Sinn und Form» ist heute der letzte Ankerpunkt einer einst überaus lebendigen Kultur der Literaturjournale, das letzte klassische Organ der literarischen Öffentlichkeit, das den Imperativen der Digitalisierung noch widersteht. Dass sie nach siebzig Jahren noch immer als bedeutendste deutsche Kulturzeitschrift gelten kann, ist vor allem das Werk ihres ersten Chefredaktors, des Dichters Peter Huchel.

Montag, 31. Dezember 2018

Zynismus nach Sloterdijk

35 Jahre nach der «Kritik der zynischen Vernunft»: Peter Sloterdijk seziert das zynische Bewusstsein zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Internet, Terror, politische Korrektheit, Migration: Alle vier Entwicklungen bringen tiefgreifende Wandlungen im Verhältnis von Herrschen und Lügen mit sich. Dabei trifft sich der Zynismus von oben immer öfter mit dem Zynismus von unten. Was bedeutet das für die Zukunft des Westens?

Peter Sloterdijk, NZZ 29.12.2018

Freitag, 16. November 2018

EU akzeptiert wieder Blasphemieverbot

Blasphemie gehört nicht ins Strafregister

Sind religiöse Gefühle heute wichtiger als Meinungsfreiheit? Ein Entscheid des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, der eine wegen Herabwürdigung des Propheten Mohammed verhängte Busse bestätigte, sollte zu denken geben – umso mehr, als islamistische Kreise es im Internet feiern.
 
Kacem El Ghazzali, NZZ 15.11.2018

Dienstag, 13. November 2018

Die Jungen, die singen wie die Alten, falsch und verstimmt

Aber wie wollen Sie Ihr intellektuelles Vorgartenbeet überhaupt für andere öffnen?
"Hilfreich wäre es zum Beispiel, einen intellektuellen Pakt mit jungen, selbstbewussten, liberalen Muslimen zu schliessen. Ob man es nun will oder nicht, aber sie bestimmen immer mehr unsere Gesellschaft. Man darf nicht vor lauter Angst, dass es Probleme geben könnte, das Gespräch verweigern. Wenn man den muslimischen Hintergrund ernst nimmt, findet man ein reges Interesse an Transzendenz, Anbindung an die Vergangenheit und der Vorstellung, dass das Gegenwärtige nicht alles ist. Über Fragen des kulturellen Gedächtnisses kann ich vielleicht mit einem Muslim besser sprechen als mit einem rechten Identitären oder einem linken Aktivisten, der allein auf Identitätspolitik setzt."
Der junge Konservative Simon Strauss im Interview:

«Man muss das Konservative von den älteren Herren mit Mundgeruch wegbekommen»

Der junge Buchautor und Journalist Simon Strauss wehrt sich leidenschaftlich gegen die kalte Ironie der Gegenwart. Stattdessen plädiert er für einen flamboyanten Konservativismus und würde den intellektuellen Pakt mit jungen Muslimen begrüssen.
 

 
Was soll man sagen, wenn die Jungen reden und schreiben wie die frühen Alten? Die doppelbödige Standpunktlosigkeit, die falsche Toleranz und neu-altes Nationalitätsdenken, die Sehnsucht nach dem Gespräch mit JEDEM, erinnert an die Versuche der Reaktionäre und Konservativen, auch mit den Nazis oder, auf der anderen Seite, den Stalinisten ins Gespräch zu kommen, es ja nicht zu verweigern. Der konservative Realist setzt auf Realien, auf Fakten, auf die Masse derer, die bestimmen. Kollaborationsdenken.

Man tausche nur zwei Worte aus und überlege, wie sich die Botschaft wandelt:
Hilfreich wäre es zum Beispiel, einen intellektuellen Pakt mit jungen, selbstbewussten, liberalen Faschisten zu schliessen. Ob man es nun will oder nicht, aber sie bestimmen immer mehr unsere Gesellschaft. Man darf nicht vor lauter Angst, dass es Probleme geben könnte, das Gespräch verweigern. Wenn man den faschistischen Hintergrund ernst nimmt, findet man ein reges Interesse an Transzendenz, Anbindung an die Vergangenheit und der Vorstellung, dass das Gegenwärtige nicht alles ist. Über Fragen des kulturellen Gedächtnisses kann ich vielleicht mit einem Muslim besser sprechen als mit einem rechten Identitären oder einem linken Aktivisten, der allein auf Identitätspolitik setzt.
Ja, man realisiert, dass es  "ein reges Interesse an Transzendenz, Anbindung an die Vergangenheit und der Vorstellung, dass das Gegenwärtige nicht alles ist." Genau: Zurück in die Vergangenheit, aber diesmal ohne Mundgeruch alter Herren, aber mit dem Fluidum einer chicken Alice Weidel. Lernt man erst, dass "das Gegenwärtige nicht alles ist", wird man offensichtlich besonders empfänglich fürs Zukünftige, das sich am Vergangenen orientiert. Es geht um Gesprächsverbesserung, basierend auf dem intensivierten kulturellen Gedächtnis. Na, das ist doch etwas Neues – oder doch nicht? Nein, es ist ein Wiederaufwärmen des Anpassens und Kollaborierens.



Donnerstag, 11. Oktober 2018

Digitale Reduktion

Mit jedem Klick stirbt ein bisschen Freiheit

Menschen werden zu Datenwolken, die jederzeit auf der ganzen Welt abrufbar sind. Gesellschaften zerfallen in Horden, denen elementarste demokratische Prinzipien fremd sind: Das neue Buch des amerikanischen Journalisten Franklin Foer ist ein Pamphlet, das aufräumt mit den Versprechungen der digitalen Gesellschaft.
 
Oliver Pfohlmann, NZZ 10.10.2018

Mittwoch, 29. August 2018

Offenheit – Zur Erinnerung ...

Zur Erinnerung, zwei Artikel von Volker Reinhardt aus der NZZ von heuer und letztem Jahr:

Die Freiheit des Denkens muss grenzenlos sein

Die Inquisition verfolgte alles, was nicht ins herrschende Weltbild passte. Viel haben wir seither nicht dazugelernt.
Volker Reinhardt 27.4.2018, NZZ

Die Vergangenheit kehrt zurück

Wir sind aufgeklärt und digitalisiert. Wir sind abergläubisch, irrational und praktizieren vormoderne öffentliche Strafrituale. Ganz so wie im 16. Jahrhundert.
Volker Reinhardt 4.12.2017, NZZ

Und als Schlusssatz:

Kein Hirt und eine Herde! Jeder will das Gleiche, jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig ins Irrenhaus.
Nietzsche: Also sprach Zarathustra. Abschn. 5

Sonntag, 19. August 2018

Wort & Tat = Moral


Man fühlt sich an die Worte des namengebenden Heinrich Böll erinnert, der seinerzeit angesichts des Boulevardjournalismus und dessen Umgangs mit dem RAF-Terrorismus feststellte, dass die «Gewalt von Worten» schlimmer sei als jene von Ohrfeigen und Pistolen.

Zitat aus dem Artikel „Online-Pranger abgestellt: Die verlorene Ehre der Böll-Stiftung“ von Claudia Schwartz, NZZ 15.8.2018

Der Katholik Böll hatte noch klare Vorstellungen: Er nahm den Opferstatus der Bürgerinnen und die Schwere der Beleidigung durch die Journalisten, Schriftsteller oder insgesamt Kopfarbeiter vorweg und wertete die konkrete Tat, die Ohrfeige [die sich nicht nur in der katholischen Pädagogik in Deutschland so lange hielt], oder den Waffengebrauch [außer von Ordnungshütern!] als weniger schlimm. Ist nur eine nicht mit Worten beleidigende Tat, während das verletzende Wort am schlimmsten verletzt. Er war ja selbst verletzt worden, er wusste, wovon er sprach und relativierte also das Konkrete gegen das Abstrakte, die Tat gegen das Ephemere oder die Schrift: Geist, Sprache, verletzen schlimmer. Die Täter atmeten auf. Jetzt hatten sie eines anerkannten Moralisten Urteil auf ihrer Seite.

Das erinnert an Jean-Paul Sartre, der in seinem politischen Engagement für die Verdammten dieser Erde, die Ausgebeuteten, insbesondere in den früheren Kolonien, Partei ergriff und erklärte, : «Einen Europäer erschlagen heißt zwei Fliegen auf einmal treffen, nämlich gleichzeitig einen Unterdrücker und einen Unterdrückten aus der Welt schaffen.»

("Car, en le premier temps de la révolte, il faut tuer : abattre un Européen c'est faire d'une pierre deux coups, supprimer en même temps un oppresseur et un opprimé : restent un homme mort et un homme libre" - Préface à „Les damnés de la terre“ (1961) par Frantz Fanon)

Das Gift der Worte
Die Liste mit den Unworten des Jahres wird in diesen Tagen länger und länger. Ein Appell wider die Verrohung der Sprache in der Flüchtlingspolitik.
Heinrich Böll Stiftung, 18. Juli 2018, Kirsten Maas-Albert

Freitag, 13. Juli 2018

Bibliotheken dem Namen nach

Wozu eigentlich noch Bibliotheken heutzutage?

Bibliotheken waren einst heilige Hallen des Lesens und Wissens. Heute sind sie multifunktionale Alleskönner – zum Glück für uns.
 
NZZ, Roman Bucheli 13.7.2018

Mittwoch, 27. Juni 2018

Lähmende Dekadenz

Warum nur berauscht sich halb Europa an Michel Houellebecqs «Unterwerfung»?

Der Kontinent hat der Dekadenz nichts mehr entgegenzusetzen. Zu diesem Schluss muss kommen, wer sieht, mit welcher Begeisterung das Publikum auf die verschiedenen Houellebecq-Adaptionen reagiert. Gedanken zur europäischen Selbstdemontage auf offener Bühne.
Jürgen Wertheimer 26.6.2018, Neue Zürcher Zeitung

Ein bedenkenswerter Artikel des emeritierten Professors der Universität Tübingen, der sich auch nicht scheut Nietzsche zu zitieren, obwohl er annehmen muss, dass fast niemand dessen Werk kennt, was die Freude über die Kontextherstellung, die der Literaturprofessor damit leistet, erhöht.

Hier der ganze Brief Nietzsches, aus dem Wertheimer zitierte:


Genug! Genug! Man wird, fürchte ich, zu deutlich nur unter meinen heitern Strichen die sinistre Wirklichkeit wiedererkannt haben — das Bild eines Verfalls der Kunst, eines Verfalls auch der Künstler. Der letztere, ein Charakter-Verfall, käme vielleicht mit dieser Formel zu einem vorläufigen Ausdruck: der Musiker wird jetzt zum Schauspieler, seine Kunst entwickelt sich immer mehr als ein Talent zu lügen. Ich werde eine Gelegenheit haben (in einem Capitel meines Hauptwerks, das den Titel führt „Zur Physiologie der Kunst“), des Näheren zu zeigen, wie diese Gesammtverwandlung der Kunst in’s Schauspielerische eben so bestimmt ein Ausdruck physiologischer Degenerescenz (genauer, eine Form des Hysterismus) ist, wie jede einzelne Verderbniss und Gebrechlichkeit der durch Wagner inaugurirten Kunst: zum Beispiel die Unruhe ihrer Optik, die dazu nöthigt, in jedem Augenblick die Stellung vor ihr zu wechseln. Man versteht Nichts von Wagner, so lange man in ihm nur ein Naturspiel, eine Willkür und Laune, eine Zufälligkeit sieht. Er war kein „lückenhaftes“, kein „verunglücktes“, kein „contradiktorisches“ Genie, wie man wohl gesagt hat. Wagner war etwas Vollkommnes, ein typischer décadent, bei dem jeder „freie Wille“ fehlt, jeder Zug Nothwendigkeit hat. Wenn irgend Etwas interessant ist an Wagner, so ist es die Logik, mit der ein physiologischer Missstand als Praktik und Prozedur, als Neuerung in den Principien, als Krisis des Geschmacks Schluss für Schluss, Schritt für Schritt macht.

Ich halte mich dies Mal nur bei der Frage des Stils auf. — Womit kennzeichnet sich jede litterarische décadence? Damit, dass das Leben nicht mehr im Ganzen wohnt. Das Wort wird souverain und springt aus dem Satz hinaus, der Satz greift über und verdunkelt den Sinn der Seite, die Seite gewinnt Leben auf Unkosten des Ganzen — das Ganze ist kein Ganzes mehr. Aber das ist das Gleichniss für jeden Stil der décadence: jedes Mal Anarchie der Atome, Disgregation des Willens, „Freiheit des Individuums“, moralisch geredet, — zu einer politischen Theorie erweitert „gleiche Rechte für Alle“. Das Leben, die gleiche Lebendigkeit, die Vibration und Exuberanz des Lebens in die kleinsten Gebilde zurückgedrängt, der Rest arm an Leben. Überall Lähmung, Mühsal, Erstarrung oder Feindschaft und Chaos: beides immer mehr in die Augen springend, in je höhere Formen der Organisation man aufsteigt. Das Ganze lebt überhaupt nicht mehr: es ist zusammengesetzt, gerechnet, künstlich, ein Artefakt. —

Bei Wagner steht im Anfang die Hallucination: nicht von Tönen, sondern von Gebärden. Zu ihnen sucht er erst die Ton-Semiotik. Will man ihn bewundern, so sehe man ihn hier an der Arbeit: wie er hier trennt, wie er kleine Einheiten gewinnt, wie er diese belebt, heraustreibt, sichtbar macht. Aber daran erschöpft sich seine Kraft: der Rest taugt Nichts. Wie armselig, wie verlegen, wie laienhaft ist seine Art zu „entwickeln“, sein Versuch, Das, was nicht auseinander gewachsen ist, wenigstens durcheinander zu stecken! Seine Manieren dabei erinnern an die auch sonst für Wagner’s Stil heranziehbaren frères de Goncourt: man hat eine Art Erbarmen mit soviel Nothstand. Dass Wagner seine Unfähigkeit zum organischen Gestalten in ein Princip verkleidet hat, dass er einen „dramatischen Stil“ statuirt, wo wir bloss sein Unvermögen zum Stil überhaupt statuiren, entspricht einer kühnen Gewohnheit, die Wagnern durch’s ganze Leben begleitet hat: er setzt ein Princip an, wo ihm ein Vermögen fehlt (— sehr verschieden hierin, anbei gesagt, vom alten Kant, der eine andre Kühnheit liebte: nämlich überall, wo ihm ein Princip fehlte, ein „Vermögen“ dafür im Menschen anzusetzen…). Nochmals gesagt: bewunderungswürdig, liebenswürdig ist Wagner nur in der Erfindung des Kleinsten, in der Ausdichtung des Détails, — man hat alles Recht auf seiner Seite, ihn hier als einen Meister ersten Ranges zu proklamiren, als unsern grössten Miniaturisten der Musik, der in den kleinsten Raum eine Unendlichkeit von Sinn und Süsse drängt. Sein Reichthum an Farben, an Halbschatten, an Heimlichkeiten absterbenden Lichts verwöhnt dergestalt, dass Einem hinterdrein fast alle andern Musiker zu robust vorkommen. — Will man mir glauben, so hat man den höchsten Begriff Wagner nicht aus dem zu entnehmen, was heute von ihm gefällt. Das ist zur Überredung von Massen erfunden, davor springt Unsereins wie vor einem allzufrechen Affresco zurück. Was geht uns die agaçante Brutalität der Tannhäuser-Ouvertüre an? Oder der Circus Walküre? Alles, was von Wagner’s Musik auch abseits vom Theater populär geworden ist, ist zweifelhaften Geschmacks und verdirbt den Geschmack. Der Tannhäuser-Marsch scheint mir der Biedermännerei verdächtig; die Ouvertüre zum fliegenden Holländer ist ein Lärm um Nichts; das Lohengrin-Vorspiel gab das erste, nur zu verfängliche, nur zu gut gerathene Beispiel dafür, wie man auch mit Musik hypnotisirt (— ich mag alle Musik nicht, deren Ehrgeiz nicht weiter geht als die Nerven zu überreden). Aber vom Magnétiseur und Affresco-Maler Wagner abgesehn giebt es noch einen Wagner, der kleine Kostbarkeiten bei Seite legt: unsern grössten Melancholiker der Musik, voll von Blicken, Zärtlichkeiten und Trostworten, die ihm Keiner vorweggenommen hat, den Meister in Tönen eines schwermüthigen und schläfrigen Glücks… Ein Lexikon der intimsten Worte Wagner’s, lauter kurze Sachen von fünf bis fünfzehn Takten, lauter Musik, die Niemand kennt… Wagner hatte die Tugend der décadents, das Mitleiden — — —



(eKGWB/WA-7 — Der Fall Wagner: Turiner Brief vom Mai 1888, § 7. Erste Veröff. 22/09/1888. - 
Übrigens, wer in Nietzsche Source [nietzschesource.org] nach "literarischer Dekadenz" sucht, wird nichts finden, weil die Texte der alten Schreibweise folgen. Beachtet man die, wird man fündig, falls man die Stelle nicht schon kennt.)


 


Montag, 23. April 2018

Weltbuchtag

Wieder der Weltbuchtag, als ob man ihn brauchte für ein sehr vergessliches Publikum das man erinnern muss über seine Glücksbringer. Frau Heidenreich beweist ja, dass Lesevergnügen sich nicht unbedingt paart mit annehmbarer Persönlichkeit: ihre ungehobelte Grobheit dominiert, belesen hin oder her, aus ihr trieft der Geifer. Was macht so eine Person, stellvertretend für all die Tanten und Griesgrame unserer Unkulturlandschaft, also glücklich durch Lesen?
Literatur

Nervige Slogans Verschont mich endlich mit der Behauptung „Lesen macht glücklich“!

Von Rainer Moritz | |

Elke Heidenreich und Co. flüstern uns ständig ein: „Lesen macht glücklich“. Als ob das Leben nur mit vielen Büchern sinnvoll wäre. Dabei machen Bücher uns weder reich noch anständig. Eine Polemik.  


Den Büchern kommen die Leser abhanden

Verlage und Buchhändler stehen vor schwierigen Zeiten. Sie müssen mit immer weniger Buchkäufern rechnen. Aber die Zeiten waren fürs Buchgeschäft schon immer schwierig. Und Verleger sind von Natur aus unverbesserliche Optimisten.
NZZ, Paul Jandl 23.4.2018 

Warum der Welttag des Lesens unendlich nervt

| Lesedauer: 4 Minuten
Redakteur im Feuilleton

Samstag, 23. September 2017

Sprachveränderung : Abflachung als Modernisierung

Richtiges Deutsch: Heute falsch, morgen richtig

Ist ein «Bericht zur Lage der deutschen Sprache» überhaupt noch möglich oder zeitgemäss? Dass er kaum schlüssige Resultate ausweisen kann, wundert nicht – eher schon die verblüffend simple Bilanz.
Benedict Neff, NZZ  22.9.2017

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Wird die gleiche Haltung hinsichtlich gesellschaftlicher, ethischer Werte gepflegt, wird morgen das heutige Unrecht, z.B. Mord, Recht, also richtig sein. Handelt es sich dann auch um eine korrekte, anzuerkennende Entwicklung, wie wir sie in der allgemeinen Abstumfpung schon ablesen können, in welcher staatliche Kontrolle, Verfolgung und Terror "gutgeheißen" werden, in der Krieg wieder als vernünftige ultima ratio erscheint?


Mittwoch, 31. August 2016

Polnische Repressionen im rechtsautoritären Staat

Am Beispiel des offiziellen polnischen Vorgehens gegen den Publizisten Martin Pollack kann man den Rückfall in den autoritären, faschistoiden Staat, der bald ein faschistischer sein wird, reflektieren. Im Europa der EU bilden die Visegrád-Staaten ein gefährliches Rechtsaußenfeld, das die Demokratie nicht nur unterminiert, sondern zielstrebig liquidiert. Die EU sieht (derweil noch) zu.

Lesen Sie bemerkenswerte Artikel aus der Neuen Zürcher Zeitung:

Polen und die Demokratie
«Was dort geschieht, betrifft uns alle»
Wegen eines kritischen Artikels beendete das Polnische Institut in Wien auf Weisung aus Warschau die Zusammenarbeit mit dem Publizisten Martin Pollack. Es ist das Symptom zunehmender Repression.
Interview von Gerhard Zellinger, NZZ, 31.8.2016


Martin Pollacks osteuropäische Recherchen
Gezieltes Stolpern im Katastrophengebiet
Der Österreicher Martin Pollack ist ein eminenter Kenner Ostmitteleuropas. In seinem Schreiben ficht er einen beharrlichen Kampf gegen das Vergessen der Opfer des mörderischen 20. Jahrhunderts.
Georg Renöckl, NZZ 3.7.2014


Martin Pollacks grosse europäische Reportagen
Indizien von Zeit und Ort
Dass die Geschichte des 20. Jahrhunderts auch eine Geschichte der Vater-Sohn-Verhältnisse ist, wird Martin Pollack nicht leugnen.
Paul Jandl, NZZ 11.3.2008