Freitag, 16. November 2018

Sinn und Form 6/2018

Das neue Heft von SINN UND FORM, 6/2018, November/Dezember 2018, ist erschienen und liegt in unserer Bibliothek Gleichgewicht auf.


EU akzeptiert wieder Blasphemieverbot

Blasphemie gehört nicht ins Strafregister

Sind religiöse Gefühle heute wichtiger als Meinungsfreiheit? Ein Entscheid des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, der eine wegen Herabwürdigung des Propheten Mohammed verhängte Busse bestätigte, sollte zu denken geben – umso mehr, als islamistische Kreise es im Internet feiern.
 
Kacem El Ghazzali, NZZ 15.11.2018

Mittwoch, 14. November 2018

Israel’s Mockery of Security: 

101 Actions Israel Could Take

In debating an Israeli friend from Jerusalem, I challenged him that Israel consciously plans and uses its military might to damage the Palestinian’s national project to build a state and free itself from Israeli control. Avner, my Israeli friend, argued otherwise, buying into the Israeli state narrative that Israel is “forced” to take measures which negatively affect Palestinians because Israeli security requires it. My knee-jerk reaction as someone living and working under Israeli military occupation for over two decades, was that this was hogwash and, short of ending its illegal (note: legal occupations are temporary by definition) occupation of Palestinians, I claimed that Israel—the occupying power—could immediately take 101 measures to reduce tensions on the ground, without jeopardizing any true and rational security needs. He shrugged and said, “tell me”?
...
So, here it is. A quick compilation, with the generous assistance of several friends here in Palestine, and with a few items selected from the umpteen reports being published about the rapidly deteriorating state of affairs. This list is not intended to be comprehensive by any means, but rather a look beyond the daily headlines to give readers, especially those who have bought into the Israeli propaganda—hook, line and sinker—that this military occupation is all about “security”.
 

Dienstag, 13. November 2018

Die Jungen, die singen wie die Alten, falsch und verstimmt

Aber wie wollen Sie Ihr intellektuelles Vorgartenbeet überhaupt für andere öffnen?
"Hilfreich wäre es zum Beispiel, einen intellektuellen Pakt mit jungen, selbstbewussten, liberalen Muslimen zu schliessen. Ob man es nun will oder nicht, aber sie bestimmen immer mehr unsere Gesellschaft. Man darf nicht vor lauter Angst, dass es Probleme geben könnte, das Gespräch verweigern. Wenn man den muslimischen Hintergrund ernst nimmt, findet man ein reges Interesse an Transzendenz, Anbindung an die Vergangenheit und der Vorstellung, dass das Gegenwärtige nicht alles ist. Über Fragen des kulturellen Gedächtnisses kann ich vielleicht mit einem Muslim besser sprechen als mit einem rechten Identitären oder einem linken Aktivisten, der allein auf Identitätspolitik setzt."
Der junge Konservative Simon Strauss im Interview:

«Man muss das Konservative von den älteren Herren mit Mundgeruch wegbekommen»

Der junge Buchautor und Journalist Simon Strauss wehrt sich leidenschaftlich gegen die kalte Ironie der Gegenwart. Stattdessen plädiert er für einen flamboyanten Konservativismus und würde den intellektuellen Pakt mit jungen Muslimen begrüssen.
 

 
Was soll man sagen, wenn die Jungen reden und schreiben wie die frühen Alten? Die doppelbödige Standpunktlosigkeit, die falsche Toleranz und neu-altes Nationalitätsdenken, die Sehnsucht nach dem Gespräch mit JEDEM, erinnert an die Versuche der Reaktionäre und Konservativen, auch mit den Nazis oder, auf der anderen Seite, den Stalinisten ins Gespräch zu kommen, es ja nicht zu verweigern. Der konservative Realist setzt auf Realien, auf Fakten, auf die Masse derer, die bestimmen. Kollaborationsdenken.

Man tausche nur zwei Worte aus und überlege, wie sich die Botschaft wandelt:
Hilfreich wäre es zum Beispiel, einen intellektuellen Pakt mit jungen, selbstbewussten, liberalen Faschisten zu schliessen. Ob man es nun will oder nicht, aber sie bestimmen immer mehr unsere Gesellschaft. Man darf nicht vor lauter Angst, dass es Probleme geben könnte, das Gespräch verweigern. Wenn man den faschistischen Hintergrund ernst nimmt, findet man ein reges Interesse an Transzendenz, Anbindung an die Vergangenheit und der Vorstellung, dass das Gegenwärtige nicht alles ist. Über Fragen des kulturellen Gedächtnisses kann ich vielleicht mit einem Muslim besser sprechen als mit einem rechten Identitären oder einem linken Aktivisten, der allein auf Identitätspolitik setzt.
Ja, man realisiert, dass es  "ein reges Interesse an Transzendenz, Anbindung an die Vergangenheit und der Vorstellung, dass das Gegenwärtige nicht alles ist." Genau: Zurück in die Vergangenheit, aber diesmal ohne Mundgeruch alter Herren, aber mit dem Fluidum einer chicken Alice Weidel. Lernt man erst, dass "das Gegenwärtige nicht alles ist", wird man offensichtlich besonders empfänglich fürs Zukünftige, das sich am Vergangenen orientiert. Es geht um Gesprächsverbesserung, basierend auf dem intensivierten kulturellen Gedächtnis. Na, das ist doch etwas Neues – oder doch nicht? Nein, es ist ein Wiederaufwärmen des Anpassens und Kollaborierens.



Das Phänomen Österreichische Literatur

Österreichische Literatur:  

Wahrhaft, ein Phänomen

Warum es eine eigenständige österreichische Literatur gibt und warum das nie zweifelhaft war 
 

150. Todestag von Gioachino Rossini

Gioachino Antonio Rossini (auch Gioacchino) (* 29. Februar 1792 in Pesaro, Kirchenstaat, heute Marken; † 13. November 1868 in Passy, Paris) war ein italienischer Komponist. Er gilt als einer der bedeutendsten Opernkomponisten des Belcanto; seine Opern Il barbiere di Siviglia („Der Barbier von Sevilla“), L'italiana in Algeri („Die Italienerin in Algier“) und La Cenerentola („Aschenputtel“) gehören weltweit zum Standardrepertoire der Opernhäuser.

Wikipedia
Abbildung aus Wikipedia




Montag, 12. November 2018

12. November, Karl Kraus und die nationale Ehre

Die nationale Ehre

ist das Feld, auf dem die deutschösterreichische Sozialdemokratie zu leben entschlossen ist, denn seitdem sie ihre verdienstvolle Arbeit zur Überwindung des Krieges beendet hat, scheint sie das geistige Inventar, mit dem einst die Lüge der Notwehr verteidigt wurde, an sich gebracht zu haben. Den ranzigen Begriff eines Patriotismus also, dessen bloße Vorstellung – mit all seiner Nichtvorstellung des Kontrastes zwischen Fahnen und Flammenwerfern schon den Hochverrat zugunsten der Menschheit diktiert, ja jedes Landes, dessen Menschenart in anderer Gefühlszone geboren ist –; dieses Relikt aus der Sündflut, das nur der Belebung durch Phantasiearmut harrt, um sich mit dem technischen Fortschritt zum Ruin sämtlicher Vaterländer zu verbünden. Daß es den Höhlenbewohnern, denen die kriegerische Niederlage nicht mit jenen Sinnbildern vor Augen geführt wurde, die sie für den Sinn des Kriegs gehalten haben und halten – daß es dieser nicht sinnfällig besiegten und darum wieder ermutigten Sorte geistig zugehört, ist seit 1918 ein natürliches Erlebnis, und erschütternd nur das Schauspiel des Gegenwahns: wie das freieste Volk der Erde vor einem im Stahlhelm starrenden Gespenst in den doch verabscheuten Militarismus flüchtet. Aber kein größeres Greuel vor dem Herrn, den sie leugnen und den die andern wenigstens als Segnet der Waffen anerkennen, könnte es geben als Sozialisten, die am Spiel mit Fahnen und Flaggen Freude haben, zum Rot noch Schwarz und Gold brauchen, sich, weit über alle wirtschaftliche Berechnung hinaus, gefühlsmäßig an der nationalen Zusammengehörigkeit erlaben und am liebsten die trennenden Sudeten wegräumen möchten, die das nationale Bürgertum doch ganz legitim vor der Stirn hat und ohne die es geistig unbeschäftigt wäre. Grippe und Nationalismus: das ist nebst dem Bankrott der Bodensatz verwichener Giftschwaden; derzeit grassiert die nationale Ehre. Es ist diesem armseligen Wrack von einem Staat, das nun einmal die Nation beherbergt, die sich die Hauptkriegsverbrecher als Führer gefallen ließ, keineswegs zu verdenken, daß es, über die angestammte Sehnsucht nach den Fremden hinaus, das »Vertrauen des Auslands« wenigstens in dem Maße zu erringen trachtet, als es sich dieses durch politische Handlungen oder Duldungen gleichsam verscherzt. Aber In solchem Milieu, wo Selbstbestimmung nur die Wahl zwischen Korruption und Gewalttätigkeit bedeutet und wo jede Partei den Schmutz vor eigenen Tür kehrt, den die andere abgelagert hat, wird lauter als irgendwo in der Welt die »nationale Ehre« reklamiert, sooft an einer der Interessentengruppen die Reihe ist, die andere des Hochverrats zu beschuldigen, und der vollste Brustton, der sich dann dem nationalen Pathos entringt, ist der Protest gegen die Zumutung, eine »Kolonie« zu werden. Nun muß einmal ganz kalt und klar gesagt werden, daß der Sinn des Menschenlebens eigentlich in ganz anderen Entscheidungen beruht als in der, von welcher Konsumgenossenschaft man sein Futter zugewiesen bekommt, welche Schließgesellschaft für die Sicherheit und welches Unternehmen für die Reinhaltung der Straßen zu sorgen hat. Pathos ist da weit weniger am Platz als bei Shakespeare. Uns interessieren diese Probleme nicht mehr, geistig gehn sie uns einfach nichts an. Trifft's England, soll's England machen, trifft's Frankreich, so Frankreich, und ich ließe mich zur Not auch von den Persern verwalten. Kein Zweifel, daß in rein organisatorischen Belangen Deutschland den Vorzug hätte, aber da wäre vielleicht die Gefahr jener Verbindung des Nutzlebens mit dem Geistigen vorhanden, die den Krebs der zentraleuropäischen Kultur bildet. Menschendank verdient jeder, der dient; doch die Heiligung der Gesamtdienerschaft als Autorität, die Vorstellung einer Staatsbürgerlichkeit, die den Beamten als Vorgesetzten des Menschen annimmt, gehört jenem Bereich fossilen Denkens zu, dem die kriegerische Romantik entspringt wie jener Mangel an Phantasie, der die Antithese der Technik nicht gewahr wird. Vaterland ist die Summe von Landschaft und Menschentum, von der wir durch Geburt oder Gewöhnung umgeben sind; Staat ist Einmischung in dieses Verhältnis und sein Anspruch auf Beteiligung am Sentiment werde mit jener Kälte abgewiesen, die das Stigma unpatriotischer Gesinnung als geistige Ehre annimmt. Wenn wilde Völkerschaften eine nichtbodenständige Verwaltung ertragen müssen, so ist auch der Gedanke nicht abzuweisen, daß Völkerschaften, die wild geworden sind, die in dem Unvermögen, sich selbst zu verwalten, gegen den Zimmerschmuck ihrer Kultur wüten, einer Vormundschaft teilhaft werden. Die Befürwortung dieses Gedankens entspräche nicht nur jenem bestverstandenen Patriotismus, der dem mitgefühlten Jammer einer ursprünglich gutmütigen Landsmannschaft kein Ende durch die Führung unfähiger oder habgieriger Politiker absieht, sondern auch jenem wahren Nationalismus, der das heilige Erbgut einer von ihren Sprechern besudelten Sprache nur in der Befreiung aus dem Verkehrsgebrauch geborgen sähe und ihre Ehrenrettung dem Volapük vorbehält. Mit einem nur von solchem Interesse, aber von keinem Phrasenschwindel zu bewegenden Herzen, das sich durch kein Volkstum einer Amtlichkeit angemutet oder abgestoßen fühlt, der ich die Steuer zu entrichten habe, spreche ich diese Meinung aus, für deren Recht ich Verständnis und Duldung von einer Partei der Freiheit erwarte, nicht minder als für das Recht, eben sie über alle Maßen unerträglich zu finden, wenn sie sich nationalistisch gebärdet und den großdeutschen Interessen nun geradezu als Hinternationale Gefolgschaft leistet. Es ist noch ein Glück, daß was immer hier verlustbringend wirkt nicht die Macht hat, den Humor abhanden kommen zu lassen, der wie jedem Mißverhältnis zwischen Wollen und Gelingen auch diesem innewohnt, und daß der tägliche Wirrwarr der Gedanken und Taten unserer Politik sich ins Groteske auflöst. Die Christlichsozialen lassen sich von Bekessy aus Budapest die Wahrheit zutragen, daß Deutschland durch die Oktroyierung Schobers Einfluß auf unser Inneres genommen hat, und die Sozialdemokraten – die gegen Bekessys Lügen weniger einzuwenden hatten – erzeugen in Versammlungsreden »Bewegung« durch den Hinweis auf den Versuch, »uns in eine Lage zu bringen, ähnlich der afrikanischer Negerstämme, über die die französische Kolonialmacht herrscht«. Wenn Herr Otto Bauer warm wird, geht mich ein Frösteln an. Von dem Klischee »Ihr Herren« abgesehen, bleibt er sonst frei von Pathos, zu klug, um sich an die Weisung zu halten: »Schaff Augen dir von Glas, und wie Politiker des Pöbels tu, als sähst du Dinge, die du doch nicht siehst«. Ein so beherrschter Führer durch Wellenberge und Wellentäler einer unabänderlich vorgezeichneten Entwicklung, Tiktaktiker der Parteiuhr, darf sich durch nichts überrascht und nie bewegt, niemals bewegend zeigen. Der Intelligenz, die mit den Gegebenheiten operiert, steht die Benützung der von Herrschaften abgelegten Fetische am wenigsten an. Er schien längere Zeit der einzige sozialdemokratische Führer, der sich gegenüber Herrn Schober wenigstens die freie Hand vorbehalten hatte, sie ihm nicht zu reichen. Aber ans seiner Rede geht jener, der bei den Sozialisten schon als Vertreter der »einfachen bürgerlichen Ehrbarkeit« beglaubigt ist, als der wahre Träger nationaler Würde hervor. Darum sei dem Redner in Erinnerung gebracht, daß es nur eine Gelegenheit gab, ihm Gefühlstöne zu glauben: als er, Tatzeuge der Ringstraßentaten, im Parlament zur Anklage ausholte. Gewiß, er hat selbst kürzlich an dem Grabe der Juliopfer, vor dem die längste Zeit Pietät nur markiert wurde, sich erinnert; und fast so, daß man auf Verletzung der Disziplin oder auf den Plan schließen könnte, Felonie an Schober zu üben. Macht die freie Hand von ihrer Freiheit Gebrauch? Sind wir auf einem Wellenberg angelangt? Jedenfalls ist es die Betätigung einer andern, des sozialistischen Gewissens würdigern Sorge als der um die Nation. Was diese betrifft, so weiß man, daß man doch keineswegs die, Macht anderer Entscheidung hätte, wenn Österreich die Wahl bliebe, französische Kolonie zu werden oder Domäne des Bekessy. Und auch, daß wir zunächst und mit aller nationalen Ehre nichts sind als Bekessys Verlassenschaft.


(Aus: Karl Kraus: Vor der Walpurgisnacht. Aufsätze 1925-1936)

 

Sonntag, 11. November 2018

Karl Kraus & die 3. Walpurgisnacht

DIE DRITTE WALPURGISNACHT

Auszüge

... Goebbels ist ein Kenner aller einschlägigen Terminologie, deren Verwendung dem Asphaltschrifttum nicht mehr möglich ist. Er hat die Einstellung wie die Einfühlung, er kennt den Antrieb wie den Auftrieb, die Auswertung wie die Auswirkung, die szenische Aufmachung, den filmischen Aufriß wie die Auflockerung und was sonst zum Aufbruch gehört, er hat das Erlebnis und den Aspekt, und zwar sowohl für die Realität wie für die Vision, er hat Lebensgefühl und Weltanschauung, er will das Ethos, das Pathos, jedoch auch den Mythos, er besorgt die Einordnung wie die Gliederung in den Lebensraum und den Arbeitsraum der Nation, er umfaßt den Gefühlskreis der Gemeinschaft und die Vitalität der Persönlichkeit, er bejaht das Volksmäßige wie das Übernationale und bevorzugt die Synthese, er verleiht Impulse und gibt Andeutungen im Peripherischen, ehe er zur zentralen Erfassung gelangt, um das Latente zu verankern und das Problematische im Zerebralen herauszustellen, er weiß Bescheid um Epigonisches und um Werdendes, wertet das Wollen, erkennt das Gewollte, wie daß Kunst ein Gekonntes ist, würdigt das Gelöste, das Aufgeschlossene, das Geformte, und kann zwischen einem Gestuften und einem Geballten unterscheiden, ja ich vermute, daß er sogar im Kosmischen orientiert ist; jedenfalls sieht er Entwicklungsmöglichkeiten und bestimmt gefühlsmäßig den Typ, der sich zwangsläufig, aber letzten Endes doch in der Geschmacksbildung auswirkt, er weiß, daß, wenn die Willensbildung zur Willenseinheit und von hier zur Tateinheit und Kultureinheit vordringt, Sturm und Rhythmus prominente Faktoren bilden und daß es dann zwar aufs Ganze geht, aber zunächst aufs Stählern-Romantische – kurzum, ihm wird man nichts vormachen, was man ehedem in der Kulturkonfektion von B. T. oder B. Z. gefunden hat und was, ob neudeutsch oder neujüdisch, auf die Gegend wies, wo kein Gras wuchs außer jenem, das sie hörten ...

... Diese Fixigkeit in dem, was sie »Aufziehn der Chose« (oder auch der »Kiste«) nannten, setzt die gerissensten Kulturfaiseure in Staunen, die det Kind ja immer schon geschaukelt haben, beschämt alle Wunder einer entthronten Theaterregie, läßt aber auch die Vertreter einer bessern Sache bedauern, daß ihr solch eine Kraft als Minister für Greuelpropaganda verloren ging. Und doch hat sich eben im Tonfall der deutschen Welt nichts verändert. Mit den gleichen geistigen Mitteln erfolgt die Verankerung dessen, was heute zu verankern ist, Vision ist Phrase, Rhythmus das alte Überbleibsel der Syntax, das der Expressionismus für kollektives Erlebnis festgelegt hat, und selbst verdrängte Komplexe, die doch zweifellos verdächtiger Herkunft sind, finden Unterkunft. Hat doch sogar der Führer, dessen Ausdrucksvermögen keineswegs von Gundolf geschult wurde und dessen Weltbild nicht so sehr durch Freud als durch Karl May geformt scheint, bereits den Minderwertigkeitskomplex beklagt, an dem die Nation leide ...

... Denn unbezähmbar ist der Drang nach Erneuerung der Gebote, gegen den die alten nichts mehr auszurichten vermöchten, und fata-morganahaft lockt der Heiligenschein, der im Blutdunst ersteht. Daß sich die Gleichschaltung von Nibelungen und Hunnen unter der Sonne vollziehen kann, verhindert sie nicht, trotz allem, was sie sieht, zu lachen. Denn der Versuch, noch Tag und Nacht gleichzuschalten, kommt ihr untunlich vor, wie etwas, dem zum Hirn-Gespinst etwas fehlt. Doch die Erdenwelt tut unrecht, wenn sie dem, was sich in ihrer Mitte abspielt, mit Skepsis begegnet. Geschieht es nicht zum erstenmal, daß das dunkle Wort »fröhliche Urständ feiern« anschaulich wird? Bedarf's noch einer Ursache für das, was Ursache selbst ist? Die Weit verwundert sich des Volkes: kein Wunder, daß sich das Volk der Welt verwundert. Stellt sie die Täter vor die Tat, so machen sie große Kinderaugen, wie der Wolf, dem man das Märchen vom Wolf erzählte. Denn sie haben, was sie Böses taten, doch so gut gemeint und können nicht fassen, daß man sie so arg verkennt. Auf die Gefahr hin, ihrem Bekenntnis untreu zu scheinen, dessen Parole »Juda verrecke!« mindestens als Wunsch aufgefaßt wurde, beteuern sie, nichts dergleichen sei geschehen. Es war eine Lüge, jetzt sprechen sie wahr. Gewiß, es muß ein Mißverständnis sein, und vielleicht wäre es durch die Erkenntnis zu beseitigen, daß sich hier eben mit schrankenloser Offenheit ein Wesen kundgibt, das von Natur nicht schlecht ist, nur mit spezifischen Sinneswerkzeugen sein Tun verrichtet und verantwortet. Daß der Volksgenosse die Dinge nicht glaubt, von denen er vielleicht einmal hört, mag noch durch die Absperrung zu erklären sein, die sich im Umschwung der Lebensverhältnisse als notwendig herausgestellt hat. Daß er aber auch die Dinge nicht glaubt, die er sieht, ja nicht einmal die, die er tut; daß er nicht weiß, was er tut, und sich darum gleich selbst vergibt, das zeugt von einem Gemüt ohne Falsch, dem die Andersgearteten wohl ausweichen, aber nicht mißtrauen sollten. Da ihm die Gabe ward, nicht lügen zu können, und weil es doch auch unmöglich wäre, so viel zu lügen wie der Tatbestand erfordern würde, so kann nur ein mediales Vermögen im Spiele sein, das solchem Wesen die Dinge, die aus Illusion erschaffen sind, wieder durch Illusion entrücken hilft. Schon die konsequente und auf den ersten Blick etwas stupide Vergeltung politischer Ansichten, deren Zurücknahme keinen Pardon gewährt, und gar von Tatsachen der Geburt, die durch nichts gutzumachen sind, und wenn einer auch noch so sehr bereute, Jude zu sein – schon solche Unversöhnlichkeit beweist doch, daß kein Plan am Werke ist, sondern etwas wie ein vages Sehnen, irgendwo hinaus zu wollen, vermutlich um einen Platz an der Sonne zu gewinnen, den man dem andern nimmt.
Diese Unvergleichlichen
Wollen immer weiter,
Sehnsuchtsvolle Hungerleider
Nach dem Unerreichlichen.
Und dann wieder diese rührende Inkonsequenz, nicht nur in den Richtlinien, sondern auch in der Befolgung: wenn zum Beispiel ein Jude auf der Spandauer Brücke geprügelt wird, weil er die Fahne nicht gegrüßt hat, und ein anderer Jude in der Neuen Friedrichstraße geprügelt wird, weil er durch seinen Gruß das Deutschtum beleidigt hat. Konsequent nur das Staunen, daß, wie man's macht, es nicht recht sei. Ein SA-Mann prügelt auch im Ausland:

Der Täter wurde sofort ergriffen und ins Gefängnis gesteckt. Als ihn die Polizei festnahm, war er außerordentlich verwundert, da er doch nicht anders gehandelt habe, als das in Deutschland üblich sei.

Daheim werden Diplomaten geprügelt und gefragt, »was sie denn als Ausländer in Deutschland zu tun hätten«. Triebhaft ist es, nicht geplant. Das wäre ja eine primitive Psychologie, welche dem Traumleben, das die Maße verschiebt, Berechnung unterstellte. Durch die ganze Reihe der Gesichte, die so vom Reichstagsbrand bis zu den erfolgreichen Missionen Rosenbergs und Habichts vor uns anrückten, den Versuchen, England zu gewinnen und Österreich zu erobern, hat doch jeder Tag den Eindruck von etwas noch mehr Sonderbarem als Schrecklichem hinterlassen, zu dessen Erklärung nichts übrig bleibt als: Ehrlichkeit. Wenn die Umwelt, die sich der Armeniergreuel erinnert (gegen welche sie eingreifen konnte), an Torturen Anstoß nimmt, deren Ersinnung weit mehr Phantasie gebraucht hat als zu ihrer Erfindung nötig wäre, so bekommt sie zu hören:

Glauben Sie uns, es tut uns allen weh, auf welches Unverständnis manchmal unsere Maßnahmen stoßen.

Sie meinen's nicht so; sondern immer nur anders. Sie fühlen die Vergewaltigung, wenn man ihnen Handlungen zutraut, die sie begehen. Solche Handlungen pflegen sie dann als »angeblich« zu bezeichnen, eine kurze, aber gute Formel des Entschlusses, sich auf so etwas gar nicht einzulassen, bezogen von der Unanfechtbarkeit einer Staatsmoral, die sich auf die Angeberei dessen gründet, was nicht geschehen ist. Um für den Unbefähigten eine Funktion freizubekommen, beschuldigen Taschendiebe den Funktionär der Gewinnsucht, und indem man einer gerichtlichen Überführung die ins Konzentrationslager vorzieht, wird der Verdacht erhärtet, daß er wie zum Amt zu allem fähig war. So wird das Angebliche wirklich und das Wirkliche angeblich; und das eben bedeutet den großen Durchbruch zum »neuen Zivilisationstyp«, dessen Begriff die Literaten beistellen: daß der Mörder, wenn er dazu noch lügt, nicht gemordet hat und daß die Feigheit des Mords ihm ein Heroenmaß leiht. Es ist die prinzipielle Tarnung, die sich durch das Wörtchen »angeblich« vollzieht, welches wir im Kommentar der Begebenheiten immer wieder auftauchen sehen. Daß es Greuel gibt, deren Geruch zum Himmel dringt, weiß die Welt natürlich längst und erträgt solches Wissen. Aber sie genießt offenbar auch das Schauspiel einer moralischen Ausdauer, die ihr noch heute »angebliche Greuel« offeriert, ohne die Antwort zu empfangen: Schluß! Weg! Hinaus aus dem Planeten! ...

... Man sollte aber glauben, daß auch einer deutschen Mehrheit, die aus Geschöpfen Gottes besteht, diese Lautsprecher von Natur, denen sie sich ausgeliefert hat, Mißbehagen verursachen; man sollte hoffen, daß ihr die Erweiterung der akustischen Möglichkeiten des Rundfunks und der optischen einer illustrierten Presse das Bewußtsein der Absurdität beibringt, die ihrem kulturellen Dasein nunmehr aufgezwungen ist. Fällt es den Deutschen nicht auf – denn den andern fällt es auf –, daß keine Nation nicht nur so häufig sich darauf beruft, daß sie eine sei, sondern daß im Sprachgebrauch der ganzen Welt durch ein Jahr nicht so oft das Wort »Blut« vorkommt wie an einem Tag dieser deutschen Sender und Journale? Blut und Erde, als gäbe es so etwas nur hier. Und immer neue Begriffsbestimmungen für den Deutschen, für die Deutsche und für das Deutsche, als wäre das alles eben erst von einer deutschen Expedition entdeckt worden. Mammutknochen aus der Scholle geholt. »Der deutsche Mensch«, »der deutsche Arbeitsmensch«, das Staatsvolk, der Reichsbürger, der dem Reichsvolk zugehört, und dergleichen mehr, womit sich der Armut keine Stulle belegt.
Sind's Menschenstimmen, die mein Ohr vernimmt?
Wie es mir gleich im tiefsten Herzen grimmt!
Gebilde, strebsam, Götter zu erreichen,
Und doch verdammt, sich immer selbst zu gleichen.
– – – – – – – – – – – – – – – – – –
Die Ungestalten seh ich an
Als irden-schlechte Töpfe,
Nun stoßen sich die Weisen dran
Und brechen harte Köpfe.
 Sollten denn nicht wenigstens diese Stimmen und diese Gesichter dem von einer Mutter Geborenen Aufschluß gewähren, indem er doch nichts hört als das Gebell des immer gleichen Inhalts und als hochpolitische Faktoren Monstren gewahr wird, wie sie Präuschers Panoptikum zeigt, weil sie einst auf Dienstboten mit Sparkassenbuch magnetisch gewirkt haben, und vor allem das schlichte Antlitz, dem man schon in einem alpenländischen Gasthofe begegnet sein muß, dessen Dependance einer »Teppetanz« nannte. Was sich da in allen Varianten einer als Zielsetzung keineswegs erwünschten Volksmäßigkeit darbietet, in allen Typen der Erdgebundenheit zwischen Waterkant und Mühlviertel; wie da unermüdliche Illustration dem Versuch gerecht wird, eine »art- und blutmäßig bedingte politische Führerauslese aufzubauen« – daß solches ermutigend und nicht eher deprimierend wirkt, das ist das Phänomenale. Man weiß schon, es sind Heroen, die den Befehl gaben, Gefangene anzuspucken; aber warum immer wieder die Visagen vorführen? Wenn der neue Ernährungsminister empfahl, »Kampfuntüchtige in Sümpfen zu ersticken«, was bisher nur erfolgreich mit Russen unternommen wurde, so erhält man durch diesen Anschauungsunterricht wahrlich einen so niederschmetternden Begriff von Eugenik wie der biedere Kent, als er vor der Runde ausbrach:
Herr! Grad heraus und offen ist mein Brauch:
Ich sah mitunter bessere Gesichter
Als hier auf irgend einer Schulter jetzt
Vor meinen Augen stehn.
 Also das sind die, die die andern sterilisieren wollen? Wie, und der Betrachter verspürt nicht Sodbrennen, wenn immer wieder vor Gruppen Einer leutselig und insbesondere kinderlieb erscheint?
Sein Herz gehört der Jugend.
Die Schuljugend von Oberstaufen mit ihren Hakenkreuzfahnen hat's dem hohen Herrn besonders angetan.
Dieses kleine Mädchen rief dem Führer aus der harrenden Menge zu: »Ich habe heute Geburtstag«, worauf es von Adolf Hitler zu Kaffee und Kuchen eingeladen und mit Bild und Namenszug beschenkt wurde. Links Reichsjugendführer Baldur von Schirach.
 Und überhaupt: dieses gigantische Pfauenrad einer Popularität, vor der das Dasein Bismarcks zum Inkognito wird; dieses unersättliche Byzanz aller Arten von Lächeln und Händedruck mit Hoch und Nieder, Auwi und Unterwelt; diese unerschöpfliche Monotonie der Gesichter, hinter deren gleichgeschalteter Sehnsucht riesengroß die allbegnadende Form durchscheint; dieser tausendfache Zerrspiegel aller Positionen zu Land und Lufthansa, mit allem, was da kreucht und fleucht, und noch mit den Amateurinnen in dem Moment der Ekstase, wo es knipst – wem, der hineinschaut, würde nicht für Volk und Menschheit bangen? Einem nicht:
Er liest keine Bücher. Ihn interessieren nur die tatsächlichen Probleme des Lebens ... Seine Lektüre besteht aus illustrierten Zeitungen. [Die Zahl der Nichtleser hat dramatisch zugenommen in der Gegenwart, die damals Zukunft war.]
Und sie zeigen ihn noch, wie er sie liest, allein oder kordial mit Göring, der, als Hias verkleidet, sich mit ihm freut. Und es ist die Lektüre der Millionen, denen alles vor Augen tritt und nichts auf fällt ...

... Vor Augen, müde des Mords, vor Ohren, müde des Betrugs, vor allen Sinnen, die nicht mehr wollen und denen die Mixtur aus Blut und Lüge widersteht, taumeln und gellen noch diese täglichen Kommandos vorüber einer Pestgewalt, die alles Erdenkliche gegen sich selbst vorkehrt: Vermögenseinziehung, Aberkennung der Staatsbürgerschaft, Verhinderung der Neubildung politischer Parteien, Zulassung von Spielbanken, Ausschaltung von Wirtschaftskommissaren, Zulassung von nur einem Drittel als Hospitanten, Zwangsbeitritt zur Arbeitsfront, Eingliederung der Studenten in den freiwilligen Arbeitsdienst, Zusammenschließung der Musiker in die Fachschaft, Anmeldepflicht für mit Erbkrankheit Behaftete, Verhaftung von Verwandten Entflohener, Anordnung zur Erhebung des rechten Armes, Erschießung auf der Flucht. Wie lange noch? Die Handlung rückt an den Punkt, wo, wollt' er nun im Waten stille stehn, Rückkehr so schwierig wär', als durchzugehn. Seltsames glüht im Kopf, es will zur Hand, und muß getan sein, eh' noch recht erkannt. Doch ist's gewiß, er kann den wild empörten Zustand nicht mehr schnallen in den Gurt der Ordnung. Jetzt empfindet er geheimen Mord an seinen Händen klebend; jetzt straft Empörung stündlich seinen Treubruch; die er befehligt, handeln auf Befehl, aus Liebe nicht. Jetzt fühlt er seine Würde zu weit und lose, wie des Riesen Rock hängt um den dieb'schen Zwerg. Mir war, als rief es: »Schlaft nicht mehr. Macbeth mordet den Schlaf!« Und drum wird Macbeth nicht mehr schlafen. »Denn so zu sein, ist nichts: doch sicher so zu sein!« Beispiele gibt es, wie solcher Aufstieg, der Konsorten hat, verläuft, wenn jeglicher Mitwisser, mehr als sein Teil begehrend, nach der ergriffnen Macht greift. Nach außen alles einig: sie wird Jahrhunderte überdauern; wir sind keine Partei, wir sind eine Weltanschauung. Wer wagt es, den Mythos durch Hunger zu stören?
Wir denken in Jahrhunderten ... Es fangen manche an zu meckern.. In Deutschland hat keiner zu meckern ...
Heilloses Wort, das aus der Walhalla in die Hölle reißt, wo sie asphaltiert ist! Verbürgt es jene Dauer? Überall Zeichen des Kleinmuts. Goebbels stellt fest, die nationale Presse
hat auf dem Gebiet des Feuilletons und damit auf dem Gebiet der Kultur überhaupt fast hundertprozentig versagt.
Es gilt, den neuen Menschen zu schaffen, es fehlt aber an einem hauptamtlichen Buchbesprecher. Brückner sagt, die Revolution ist nicht beendigt, sondern geht weiter. Doch man soll sich nicht festlegen. Der Reichsführer der SS, Himmler heißt er, hat die Burg Schwabenberg zwecks Einrichtung der Reichsrassenschule bloß auf 99 Jahre gepachtet. Dann kann man weiter sehn. Er, der im praktischen Leben steht und auch für die Sicherheit Münchens zu sorgen hat, kann doch schon heute, nicht ohne Einschränkung, schätzen:
ein neuer Geschichtsraum hat begonnen, der sich – es mag vielleicht lächerlich klingen – über 20 000 bis 30 000 Jahre ausdehnen wird.
Die SS wird »auf der Erkenntnis vom Wert des Blutes« (ganz besondrer Saft) aufgebaut werden; dürfte, wenn die ersten Äonen vorbei und die Stabilisierung begonnen hat, in den Rang himmlischer Heerscharen aufsteigen. Und die SA – mißvergnügt und der Erdennot überlassen? Geistliche Tröster erstehen, welche sagen, die deutschen Christen seien die SA Jesu Christi im Kampf zur Vernichtung der leiblichen, sozialen und geistigen Not. Wer aber hilft der SA? Im Bürgerbräu kündet einer, der Führer habe ihm anvertraut, daß er in der Entwicklung – sie ging von dort aus – ein Wunder sehe
und sich als ein von Gott berufenes Werkzeug empfinde.
Doch die SA – wie will sie nun vollbringen? Anders als begonnen? Nichts anders: ganz wie begonnen! Was immer sie vollbrachte, es waren ja Kommunisten. Brandlegend, grundlegend – Kommunisten waren es. Raub und Mord an Kommunisten: Kommunisten befleckten die unblutigste aller Revolutionen. Sie legten die Uniformen jener an, immer mehr, immer mehr – und nun stecken in allen nur noch Kommunisten. Furchtbare Enthüllung letzten Endes: alles war getarnt! Der Birnamwald rückt heran. »Das Gesicht der Bewegung steht nun eindeutig da.« Immer schon; denn es ward aus zwei Gestalten, die Tag für Tag sich zum Unikum verbanden, zur deutschen Doppelsage. Von jenem Schweppermann, dem Braven, der statt eines Ei's deren zwei bekam, und jenem Haarmann, den nach mehr Menschen noch gelüstet. Wie hat uns das Monstrum gerührt und gewürgt! Erstand es aus den Gasschwaden des Kriegs, um neue, allerstickende heraufzubringen? Der Giftgeist, dem die Gehirne erlagen, droht der Apokalypse zu widerstehn. Soll frommer Sinn in zivilisiertem Mißbrauch der Gottesgaben die Zuchtrute am Himmel erkennen? Ist, worunter die Erde gelangt ist, ein Komet, dem Kreuze gleichend, von dem die Bücher sagen, rechtsgeflügelt bedeute es Niedergang, Vergehen, Tod? Ein armes Volk hebt beschwörend die Rechte empor zu dem Gesicht, zu der Stirn, zu der Pechsträhne: Wie lange noch! – Nicht so lange, als das Gedenken aller währen wird, die das Unbeschreibliche, das hier getan war, gelitten haben; jedes zertretenen Herzens, jedes zerbrochenen Willens, jeder geschändeten Ehre, aller Minuten geraubten Glücks der Schöpfung und jedes gekrümmten Haares auf dem Haupte aller, die nichts verschuldet hatten, als geboren zu sein! Und nur so lange, bis die guten Geister einer Menschenwelt aufleben zur Tat der Vergeltung:
Sei das Gespenst, das gegen uns erstanden,
Sich Kaiser nennt und Herr von unsern Landen,
Des Heeres Herzog, Lehnsherr unsrer Großen,
Mit eigner Faust ins Totenreich gestoßen!
 (Aus: Karl Kraus: Vor der Walpurgisnacht. Aufsätze 1925-1936)