Donnerstag, 31. August 2017

150. Todestag von Charles Baudelaire

Charles Baudelaire  (* 9. April 1821 in Paris; † 31. August 1867 ebenda) war ein französischer Schriftsteller. Er gilt heute als einer der bedeutendsten französischen Lyriker und als wichtiger Wegbereiter der literarischen Moderne in Europa.


Charles Baudelaire
Blumen des Bösen/Les Fleurs du Mal


Die Übersetzung ist von Terese Robinson, erschienen 1925 im Georg Müller Verlag, München
Online im Projekt Gutenberg.

Charles Baudelaire - Les fleurs du mal
Récitation 

Rezitationen von Lutz Görner:
Charles Baudelaire 1. Teil
Charles Baudelaire 2. Teil

Charles Baudelaire 3 Teil

Charles Baudelaire 4 Teil

L'or et la boue: Charles Baudelaire (document RTBF) 

Charles Baudelaire - La muse malade 
Vidéo de Fee Lides
Musique : Solitude de Nox Arcana (Album : Winter's Knight)
Voix : Michel Piccoli

Nachtrag:
Die unerhörten Verse des Charles Baudelaire

Im 150. Todesjahr des Dichters hat Simon Werle die «Fleurs du Mal» neu ins Deutsche übersetzt. Das klingt manchmal sperrig und beweist gerade darin die eigene Poesie.
Karl-Heinz Ott, NZZ 23.9.2017

Sonntag, 27. August 2017

Begriffe, abstrakte Erkenntnis und Wortkram

Etliche Gedanken von Schopenhauer im nachfolgenden Kapitel sind so erfrischend und belebend im Anreiz zum eigenen Nachdenken, dass einige davon hervorgehoben werden (Unterstreichungen oder Fettdruck) bzw. kommentiert werden [in eckigen Klammern]. Reizvoll wäre ein ausführlicher Vergleich mit Überlegungen von Sprachphilosophen wie Ludwig Wittgenstein oder Ontologen wie Martin Heidegger, aber das wüchse aus in eine lange Arbeit. Hie und da also nur ein kurzer Hinweis.

Arthur Schopenhauer
Die Welt als Wille und Vorstellung. II. Teil

Kapitel 6.
Zur Lehre von der abstrakten, oder Vernunft-Erkenntniß.

 

Der äußere Eindruck auf die Sinne, sammt der Stimmung, die er allein und für sich in uns hervorruft, verschwindet mit der Gegenwart der Dinge. Jene Beiden können daher nicht selbst die eigentliche Erfahrung ausmachen, deren Belehrung für die Zukunft unser Handeln leiten soll. Das Bild jenes Eindrucks, welches die Phantasie aufbewahrt, ist schon sogleich schwächer als er selbst, schwächt sich täglich mehr ab und verlischt mit der Zeit ganz. Weder jenem augenblicklichen Verschwinden des Eindrucks, noch dem allmäligen seines Bildes unterworfen, mithin frei von der Gewalt der Zeit, ist nur Eines: der Begriff. In ihm also muß die belehrende Erfahrung niedergelegt seyn, und er allein eignet sich zum sichern Lenker unserer Schritte im Leben. Daher sagt Seneka mit Recht: Si vis tibi omnia subjicere, te subjice rationi (ep. 37). Und ich füge hinzu, daß, um im wirklichen Leben den Andern überlegen zu seyn, überlegt seyn, d. h. nach Begriffen verfahren, die unerläßliche Bedingung ist. Ein so wichtiges Werkzeug der Intelligenz, wie der Begriff ist, kann offenbar nicht identisch seyn mit dem Wort, diesem bloßen Klang, der als Sinneseindruck mit der Gegenwart, oder als Gehörphantasma mit der Zeit verklänge. Dennoch ist der Begriff eine Vorstellung, deren deutliches Bewußtseyn und deren Aufbewahrung an das Wort gebunden ist: daher benannten die Griechen Wort, Begriff, Verhältniß, Gedanken und Vernunft mit dem Namen des Ersteren: ὁ λογος. Dennoch ist der Begriff sowohl von dem Worte, an welches er geknüpft ist, als auch von den Anschauungen, aus denen er entstanden, völlig verschieden. Er ist ganz anderer Natur, als diese Sinneseindrücke. Jedoch vermag er alle Resultate der Anschauung in sich aufzunehmen, um sie, auch nach dem längsten Zeitraum, unverändert und unvermindert wieder zurückzugeben: erst hiedurch entsteht die Erfahrung. Aber nicht das Angeschaute, noch das dabei Empfundene, bewahrt der Begriff auf, sondern dessen Wesentliches, Essentielles, in ganz veränderter Gestalt, und doch als genügenden Stellvertreter Jener. So lassen sich die Blumen nicht aufbewahren, aber ihr ätherisches Oel, ihre Essenz, mit gleichem Geruch und gleichen Kräften. Das Handeln, welches richtige Begriffe zur Richtschnur gehabt hat, wird, im Resultat, mit der beabsichtigten Wirklichkeit zusammentreffen. – Den unschätzbaren Werth der Begriffe und folglich der Vernunft kann man ermessen, wenn man auf die unendliche Menge und Verschiedenheit von Dingen und Zuständen, die nach und neben einander dasind, den Blick wirft und nun bedenkt, daß Sprache und Schrift (die Zeichen der Begriffe) dennoch jedes Ding und jedes Verhältniß wann und wo es auch gewesen seyn mag, zu unserer genauen Kunde zu bringen vermögen; weil eben verhältnißmäßig wenige Begriffe eine Unendlichkeit von Dingen und Zuständen befassen und vertreten. – Beim eigenen Nachdenken ist die Abstraktion ein Abwerfen unnützen Gepäckes, zum Behuf leichterer Handhabung der zu vergleichenden und darum hin und her zu werfenden Erkenntnisse. Man läßt nämlich dabei das viele Unwesentliche, daher nur Verwirrende, der realen Dinge weg, und operirt mit wenigen, aber wesentlichen, in abstracto gedachten Bestimmungen. Aber eben weil die Allgemeinbegriffe nur durch Wegdenken und Auslassen vorhandener Bestimmungen entstehen und daher je allgemeiner, desto leerer sind, beschränkt der Nutzen jenes Verfahrens sich auf die Verarbeitung unserer bereits erworbenen Erkenntnisse, zu der auch das Schließen aus den in ihnen enthaltenen Prämissen gehört. Neue Grundeinsichten hingegen sind nur aus der anschaulichen, als der allein vollen und reichen Erkenntniß zu schöpfen, mit Hülfe der Urtheilskraft. – Weil ferner Inhalt und Umfang der Begriffe in entgegengesetztem Verhältnisse stehen, also je mehr unter einem Begriff, desto weniger in ihm gedacht wird; so bilden die Begriffe eine Stufenfolge, eine Hierarchie, vom speciellsten bis zum allgemeinsten, an deren unterm Ende der scholastische Realismus, am obern der Nominalismus beinahe Recht behält. Denn der speciellste Begriff ist schon beinahe das Individuum, also beinahe real: und der allgemeinste Begriff, z. B. das Seyn (d. i. der Infinitiv der Kopula), beinahe nichts als ein Wort. [Heidegger hat dies gewusst und das Wort aufgeladen. Er beließ es nicht beim Zeichen, dem Wort. Wie war das möglich? Was folgte daraus?]Daher auch sind philosophische Systeme, die sich innerhalb solcher sehr allgemeinen Begriffe halten, ohne auf das Reale herabzukommen, beinahe bloßer Wortkram. [Das klingt ja wie eine Vorauskritik an Heidegger!] Denn da alle Abstraktion im bloßen Wegdenken besteht: so behält man, je weiter man sie fortsetzt, desto weniger übrig. Wenn ich daher solche moderne Philosopheme lese, die sich in lauter sehr weiten Abstraktis fortbewegen; so kann ich bald, trotz aller Aufmerksamkeit, fast nichts mehr dabei denken; weil ich eben keinen Stoff zum Denken erhalte, sondern mit lauter leeren Hülsen [leere Hülsen = Definitionsmerkmal für Klischee]operiren soll, welches eine Empfindung giebt, der ähnlich, die beim Versuch sehr leichte Körper zu werfen entsteht: die Kraft nämlich und auch die Anstrengung ist da; aber es fehlt am Objekt, sie aufzunehmen, um das andere Moment der Bewegung herzustellen. Wer dies erfahren will, lese die Schriften der Schellingianer und, noch besser, der Hegelianer. – Einfache Begriffe müßten eigentlich solche seyn, die unauflösbar wären; demnach sie nie das Subjekt eines analytischen Urtheils seyn könnten: dies halte ich für unmöglich; da, wenn man einen Begriff denkt, man auch seinen Inhalt muß angeben können. Was man als Beispiele von einfachen Begriffen anzuführen pflegt, sind gar nicht mehr Begriffe, sondern theils bloße Sinnesempfindungen, wie etwan die einer bestimmten Farbe, theils die a priori uns bewußten Formen der Anschauung; also eigentlich die letzten Elemente der anschauenden Erkenntniß. Diese selbst aber ist für das System aller unserer Gedanken Das, was in der Geognosie der Granit ist, der letzte feste Boden, der Alles trägt und über den man nicht hinaus kann. Zur Deutlichkeit eines Begriffes nämlich ist erfordert, nicht nur, daß man ihn in seine Merkmale zerlegen, sondern auch daß man diese, falls auch sie Abstrakta sind, abermals analysiren könne, und so immerfort, bis man zur anschauenden Erkenntniß herabgelangt, mithin auf konkrete Dinge hinweist, durch deren klare Anschauung man die letzten Abstrakta belegt und dadurch diesen, wie auch allen auf ihnen beruhenden höhern Abstraktionen, Realität zusichert. Daher ist die gewöhnliche Erklärung, der Begriff sei deutlich, sobald man seine Merkmale angeben kann, nicht ausreichend: denn die Zerlegung dieser Merkmale führt vielleicht immerfort nur auf Begriffe, ohne daß zuletzt Anschauungen zum Grunde lägen, welche allen jenen Begriffen Realität ertheilten. Man nehme z. B. den Begriff »Geist« und analysire ihn in seine Merkmale, »ein denkendes, wollendes, immaterielles, einfaches, keinen Raum füllendes, unzerstörbares Wesen«; so ist dabei doch nichts Deutliches gedacht; weil die Elemente dieser Begriffe sich nicht durch Anschauungen belegen lassen: denn ein denkendes Wesen ohne Gehirn ist wie ein verdauendes Wesen ohne Magen. Klar sind eigentlich nur Anschauungen, nicht Begriffe: diese können höchstens deutlich seyn. Darum auch hat man, so absurd es war, »klar und verworren« zu einander gestellt und als synonym gebraucht, als man die anschauende Erkenntniß für eine nur verworrene abstrakte erklärte, weil nämlich diese letztere die allein deutliche wäre. Dies hat zuerst Duns Skotus gethan, aber auch noch Leibnitz hat im Grunde diese Ansicht, als auf welcher seine Identitas indiscernibilium beruht: man sehe Kants Widerlegung derselben, S. 275 der ersten Ausgabe der »Kritik der reinen Vernunft«.

[Eine Abstraktion, die nicht mehr rückführbar ist zum Konkreten bzw. zur Anschaulichkeit, kann nur "übersetzt" abstrakt-theoretisch gedacht und gewusst werden. Der Umgang damit entfernt sich vom Humanen, weshalb die Warnung Nietzsches, dass die Wissenschaft schlussendlich die Erkenntnis töte, korrekt ist. Je abstrakter, desto entfremdeter und verdinglichter... Wir erinnern uns an Vergangenes nie nur abstrakt. Immer bindet sich ein Erinnerungsteil an Erfahrenes, Erlebtes, Gefühltes bzw. anschaulich Vorgestelltes, an etwas, das sich im Hirn UND im Körper eingravieret hat. Etwaige Abstrakta kommen erst im Konstrukt der Bewertung der Erinnerung bzw. im analytischen Umgang damit hinzu. Keine Lustempfindung ist abstrakt! --> Nietzsche:
O Mensch! Gib Acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
»Ich schlief, ich schlief –,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht: –
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh –,
Lust – tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit –,
– will tiefe, tiefe Ewigkeit!« ]
Die oben berührte enge Verbindung des Begriffs mit dem Wort, also der Sprache mit der Vernunft, beruht im letzten Grunde auf Folgendem. Unser ganzes Bewußtseyn, mit seiner innern und äußern Wahrnehmung, hat durchweg die Zeit zur Form. Die Begriffe hingegen, als durch Abstraktion entstandene, völlig allgemeine und von allen einzelnen Dingen verschiedene Vorstellungen, haben, in dieser Eigenschaft, ein zwar gewissermaaßen objektives Daseyn, welches jedoch keiner Zeitreihe angehört. Daher müssen sie, um in die unmittelbare Gegenwart eines individuellen Bewußtseyns treten, mithin in eine Zeitreihe eingeschoben werden zu können, gewissermaaßen wieder zur Natur der einzelnen Dinge herabgezogen, individualisirt und daher an eine sinnliche Vorstellung geknüpft werden: diese ist das Wort. [Ein anschaulicher Gedanke von Schopenhauer. Er korrespondiert zum Leseakt. Lesen ist ja nicht nur dekodieren und entziffern, sondern das Auftauen der "gefrorenen Sprache" in Form der Schrift durch das Lesen, das immer interpretiert und nie interpretationslos, sozusagen "blos" Zeichen, perzipiert. Auch das Abstrakteste wird diesem Deutungsvorgang unterzogen oder unterworfen. Nur Behinderte oder solche, die nocht nicht sprachlich ausreichend sozialisiert sind, nehmen gewisse Zeichen deutungslos an. [[Siehe dagegen Friedrich Hölderlin und die ersten drei Verse seines befremdlichen Gedichts:
Ein Zeichen sind wir, deutungslos,
Schmerzlos sind wir und haben fast
Die Sprache in der Fremde verloren.
Ein Zeichen steht für etwas Anderes, nämlich das Bezeichnete. Wenn das Zeichen deutungslos wäre, könnte es sein, dass es so fremd, unlesbar scheint, aber immer noch als Zeichen wahrgenommen wird. Ähnlich, wie Zeichenensembles als Worte gelesen werden, obwohl völlig unverständlich und fremd. Ein Zeichen, das so fremd ist, dass es auch als Zeichen nicht wahrgenommen werden kann, ist kein Zeichen mehr. Das Zeichen bedingt für sein Sein als Zeichen den Zeichendeuter, ähnlich wie die Sprache die Sprachgemeinschaft bedingt, weil ohne sie, wenn es keine Menschen mehr gäbe, auch keine Sprache existierte, sondern nur noch Zeichen, die von niemandem mehr gelesen und gedeutet werden. "Deutungslos" müsste in seinen Dimensionen noch bedacht werden, ähnlich wie Wittgenstein den Sinn oder das Sinnvolle bzw. Sinnlose bedachte. Etwas, das sich der Deutung entzieht oder verweigert, kann also nicht interpretiert werden. Damit kann es aber nicht kommuniziert und gewusst werden; entweder findet man einen Ersatz als Deutung, schreibt zu, oder nimmt es nicht wahr. Hat man aber dieses Etwas einmal wahrgenommen, wird es gedeutet, ganz gleich, wie sinnig oder unsinnig das erfolgt. Hölderlin ist sich fremd geworden, der Welt, der Sprache, die er fast in der Fremde verloren hat. Kurzt darauf hat er sie in seiner Umnachtung noch weiter verloren. Er wurde fast mundtot, lange bevor er starb.
Martin Heidegger geht in seinem Aufsatz "Was heißt Denken?" (1952) auf diese drei Verse dieses Entwurfs einer Hymne von Hölderlin  kurz ein. Er stellt seine hohe Gabe der Umkehrung unter Beweis, dreht die Worte und den Sinn, fast wie ein smarter Dialektiker, und findet seine Antwort als eine, aber die maßgebende, die seiende:
"Als die so Geprägten weisen wir selber auf das Sichentziehende. Wir sind überhaupt nur wir und sind nur die, die wir sind,indem wir in das Sichentziehende weisen. Dieses Weisen ist unser Wesen. Wir sind, indem wir das Sichentziehende zeigen. Und zwar ist der Mensch nicht zunächst Mensch. und dann noch außerdem und vielleicht gelegentlich ein Zeigender, sondern: gezogen in das Sichentziehende, auf dem Zug in dieses und somit zeigend in den Entzug ist der Mensch allererst Mensch. Sein Wesen beruht darin, ein solcher Zeigender zu sein. Was in sich, seiner eigensten Verfassung nach, etwas Zeigendes ist, nennen wir ein Zeichen. Auf dem Zug in das Sichentziehende gezogen, ist der Mensch ein Zeichen." [Semiotisch ist das etwas verschwommen und vernebelt argumentiert, auch etwas tautologisch, aber das mag ein Resultat des Sogs des Sichentziehenden gewesen sein, dem Heidegger als Mensch sich hingezogen oder ausgezogen fand. Jedenfalls hält auch er fest, das das Zeichen zeigt, ein Zeigendes ist. Das entspräche z.B. dem Konzept des Indexes. Ein Index ist ein Hinweiszeichen. Auf die anderen Zeichen geht Heidegger ja nicht ein (Ikon, Symbol bzw. den Aufteilungen, wie sie z.B. der Pragmatiker Charles S. Peirce getroffen hat). Jetzt kommt's aber; Heidegger zieht weiter: "Weil jedoch dieses Zeichen in solches zeigt, das sich entzieht, kann das Zeigen das, was sich da entzieht, nicht unmittelbar deuten. Das Zeichen bleibt so ohne Deutung." Dann zitiert er die vorher angeführten 3 Verse. Eigentümlich scheint, dass Heidegger von "unmittelbarer Deutung spricht", da doch jede zeichenvermittelte Kommunikation eben vermittelt ist. Vielleicht will er "unmitttelbar" anders verstanden wissen, als "sofort", "reflexartig oder "spontan"? Die weiteren Ausführungen sind hoch interessant und sind einer aufmerksamen Lektüre empfohlen!]

Es ist demnach das sinnliche Zeichen des Begriffs und als solches das nothwendige Mittel ihn zu fixiren, d. h. ihn dem an die Zeitform gebundenen Bewußtseyn zu vergegenwärtigen und so eine Verbindung herzustellen zwischen der Vernunft, deren Objekte bloß allgemeine, weder Ort noch Zeitpunkt kennende Universalia sind, und dem an die Zeit gebundenen, sinnlichen und insofern bloß thierischen Bewußtseyn. Nur vermöge dieses Mittels ist uns die willkürliche Reproduktion, also die Erinnerung und Aufbewahrung der Begriffe, möglich und disponibel, und erst mittelst dieser die mit denselben vorzunehmenden Operationen, also urtheilen, schließen, vergleichen, beschränken u. s. w. Zwar geschieht es bisweilen, daß Begriffe auch ohne ihre Zeichen das Bewußtseyn beschäftigen, indem wir mitunter eine Schlußkette so schnell durchlaufen, daß wir in solcher Zeit nicht hätten die Worte denken können. Allein dergleichen sind Ausnahmen, die eben eine große Uebung der Vernunft voraussetzen, welche sie nur mittelst der Sprache hat erlangen können. Wie sehr der Gebrauch der Vernunft an die Sprache gebunden ist, sehen wir an den Taubstummen, welche, wenn sie keine Art von Sprache erlernt haben, kaum mehr Intelligenz zeigen, als die Orangutane und Elephanten: denn sie haben fast nur potentiâ nicht actu Vernunft.
Wort und Sprache sind also das unentbehrliche Mittel zum deutlichen Denken. Wie aber jedes Mittel, jede Maschine, zugleich beschwert und hindert; so auch die Sprache: weil sie den unendlich nüancirten, beweglichen und modifikabeln Gedanken in gewisse feste, stehende Formen zwängt und indem sie ihn fixirt, ihn zugleich fesselt. [Siehe Nietzsche: "Gefahr der Sprache: Jedes Wort ein Vorurteil.] Dieses Hinderniß wird durch die Erlernung mehrerer Sprachen zum Theil beseitigt. Denn indem, bei dieser, der Gedanke aus einer Form in die andere gegossen wird, er aber in jeder seiner Gestalt etwas verändert, löst er sich mehr und mehr von jeglicher Form und Hülle ab; wodurch sein selbst-eigenes Wesen deutlicher ins Bewußtseyn tritt und er auch seine ursprüngliche Modifikabilität wieder erhält. Die alten Sprachen aber leisten diesen Dienst sehr viel besser, als die neuen; weil, vermöge ihrer großen Verschiedenheit von diesen, der selbe Gedanke jetzt auf ganz andere Weise ausgedrückt werden, also eine höchst verschiedene Form annehmen muß; wozu noch kommt, daß die vollkommenere Grammatik der alten Sprachen eine künstlichere und vollkommenere Konstruktion der Gedanken und ihres Zusammenhanges möglich macht. Daher konnte ein Grieche, oder Römer, allenfalls sich an seiner Sprache genügen lassen. Aber wer nichts weiter, als so einen einzigen modernen Patois versteht, wird, im Schreiben und Reden, diese Dürftigkeit bald verrathen, indem sein Denken, an so armsälige, stereotypische Formen fest geknüpft, ungelenk und monoton ausfallen muß. [Siehe Basic English, Dummdeutsch, Neudeutsch und dergleichen.] Genie freilich ersetzt, wie Alles, so auch dieses, z. B. im Shakespeare.
Von dem, was ich §. 9 des ersten Bandes dargelegt habe, daß nämlich die Worte einer Rede vollkommen verstanden werden, ohne anschauliche Vorstellungen, Bilder in unserm Kopfe zu veranlassen, hat schon eine ganz richtige und sehr ausführliche Auseinandersetzung Burke gegeben, in seiner Inquiry into the Sublime and Beautiful, P. 5, Sect. 4 et 5; allein er zieht daraus den ganz falschen Schluß, daß wir die Worte hören, vernehmen und gebrauchen, ohne irgend eine Vorstellung ( idea) damit zu verbinden; während er hätte schließen sollen, daß nicht alle Vorstellungen ( ideas) anschauliche Bilder ( images) sind, sondern daß gerade die, welche durch Worte bezeichnet werden müssen, bloße Begriffe ( abstract notions) und diese, ihrer Natur zufolge, nicht anschaulich sind. – Eben weil Worte bloße Allgemeinbegriffe, welche von den anschaulichen Vorstellungen durchaus verschieden sind, mittheilen, werden z. B. bei der Erzählung einer Begebenheit, zwar alle Zuhörer die selben Begriffe erhalten; allein wenn sie nachher sich den Vorgang veranschaulichen wollen, wird jeder ein anderes Bild davon in seiner Phantasie entwerfen, welches von dem richtigen, das allein der Augenzeuge hat, bedeutend abweicht. [Ein Phänomen, das gut erforscht worden ist die letzten 150 Jahre. Es zeigt sich auch in der Visualisierung von Sprache, in den Verfilmungen von Literatur. Der Vorstellungsgrad von Geschriebenem als Abstraktem gegenüber dem Bildlichen als Anschaulichen gewährt höchste und weiteste Freiheit, während der Film oder die Bildfolge das Anschauliche nicht mehr dem Rezipienten überlässt, sondern ihm es vorsetzt.] Hierin liegt der nächste Grund (zu welchem sich aber noch andere gesellen) warum jede Thatsache durch Weitererzählen nothwendig entstellt wird: nämlich der zweite Erzähler theilt Begriffe mit, die er aus seinem Phantasiebilde abstrahirt hat und aus denen der Dritte sich wieder ein anderes noch abweichenderes Bild entwirft, welches er nun wieder in Begriffe umsetzt, und so geht es immer weiter. Wer trocken genug ist, bei den ihm mitgetheilten Begriffen stehen zu bleiben und diese weiter zu geben, wird der treueste Berichterstatter seyn.
Die beste und vernünftigste Auseinandersetzung über Wesen und Natur der Begriffe, die ich irgendwo habe finden können, steht in Thom. Reid's Essays on the power of human mind, Vol. 2, essay 5, ch. 6. – Dieselbe ist seitdem gemißbilligt worden von Dugald Stewart, in dessen Philosophy of the human mind: über diesen will ich, um kein Papier an ihm zu verschwenden, nur in der Kürze sagen, daß er zu den Vielen gehört hat, die durch Gunst und Freunde einen unverdienten Ruf erlangten; daher ich nur rathen kann, mit den Schreibereien dieses Flachkopfes keine Stunde zu verlieren.
Daß übrigens die Vernunft das Vermögen der abstrakten, der Verstand aber das der anschaulichen Vorstellungen sei, hat bereits der fürstliche Scholastiker Picus de Mirandula eingesehen, indem er in seinem Buche De imaginatione, c. 11, Verstand und Vernunft sorgfältig unterscheidet und diese für das diskursive, dem Menschen eigentümliche Vermögen, jenen aber für das intuitive, der Erkenntnißweise der Engel, ja, Gottes verwandte erklärt. – Auch Spinoza charakterisirt ganz richtig die Vernunft als das Vermögen allgemeine Begriffe zu bilden: Eth. II, prop. 40, schol. 2. – Dergleichen brauchte nicht erwähnt zu werden, wäre es nicht wegen der Possen, welche in den letzten fünfzig Jahren sämmtliche Philosophaster in Deutschland mit dem Begriffe der Vernunft getrieben haben, indem sie, mit unverschämter Dreistigkeit, unter diesem Namen ein völlig erlogenes Vermögen unmittelbarer, metaphysischer, sogenannter übersinnlicher Erkenntnisse einschwärzen wollten, die wirkliche Vernunft hingegen Verstand benannten, den eigentlichen Verstand aber, als ihnen sehr fremd, ganz übersahen und seine intuitiven Funktionen der Sinnlichkeit zuschrieben.
Wie bei allen Dingen dieser Welt jedem Auskunftsmittel, jedem Vortheil, jedem Vorzug sich sofort auch neue Nachtheile anhängen; so führt auch die Vernunft, welche dem Menschen so große Vorzüge vor den Thieren giebt, ihre besondern Nachtheile mit sich und eröffnet ihm Abwege, auf welche das Thier nie gerathen kann. Durch sie erlangt eine ganz neue Art von Motiven, der das Thier unzugänglich ist, Macht über seinen Willen; nämlich die abstrakten Motive, die bloßen Gedanken, welche keineswegs stets aus der eigenen Erfahrung abgezogen sind, sondern oft nur durch Rede und Beispiel Anderer, durch Tradition und Schrift, an ihn kommen. [Hier handelt es sich um das verrufene sogenanne angelesene Wissen im Vergleich zum Wissen als Resultat eines Verstehenvorganges. Heute dient die Digest-Culture und das Häppchenlesen, vor allem übers Internet und in den social media, der schnellen, oberflächlichen Informiertheit, die kein Bildungsgut im früheren oder eigentlichen Sinn mehr darstellt.] Dem Gedanken zugänglich geworden steht er sofort auch dem Irrthum offen. Allein jeder Irrthum muß, früher oder später, Schaden stiften, und desto größern, je größer er war. Den individuellen Irrthum muß, wer ihn hegt, ein Mal büßen und oft theuer bezahlen: das Selbe wird im Großen von gemeinsamen Irrthümern ganzer Völker gelten. Daher kann nicht zu oft wiederholt werden, daß jeder Irrthum, wo man ihn auch antreffe, als ein Feind der Menschheit zu verfolgen und auszurotten ist, und daß es keine privilegirte, oder gar sanktionirte Irrthümer geben kann. Der Denker soll sie angreifen; wenn auch die Menschheit, gleich einem Kranken, dessen Geschwür der Arzt berührt, laut dabei aufschrie. – Das Thier kann nie weit vom Wege der Natur abirren: denn seine Motive liegen allein in der anschaulichen Welt, wo nur das Mögliche, ja, nur das Wirkliche Raum findet: hingegen in die abstrakten Begriffe, in die Gedanken und Worte, geht alles nur Ersinnliche, mithin auch das Falsche, das Unmögliche, das Absurde, das Unsinnige. Da nun Vernunft Allen, Urtheilskraft Wenigen zu Theil geworden; so ist die Folge, daß der Mensch dem Wahne offen steht, indem er allen nur erdenklichen Chimären Preis gegeben ist, die man ihm einredet, und die, als Motive seines Wollens wirkend, ihn zu Verkehrtheiten und Thorheiten jeder Art, zu den unerhörtesten Extravaganzen, wie auch zu den seiner thierischen Natur widerstrebendesten Handlungen bewegen können.  [Klingt ähnlich der ratlosen Frage, wie sich Junge, schlecht sozialisierte oder wenig gebildete Menschen derart zu "radikalisieren" vermögen, wie sie heute vor allem Moslems repräsentieren oder weshalb so viele Menschen kein Bedürfnis nach Bildung zeigen.] Eigentliche Bildung, bei welcher Erkenntniß und Urtheil Hand in Hand gehen, kann nur Wenigen zugewandt werden, und noch Wenigere sind fähig sie aufzunehmen. Für den großen Haufen tritt überall an ihre Stelle eine Art Abrichtung: sie wird bewerkstelligt durch Beispiel, Gewohnheit und sehr frühzeitiges, festes Einprägen gewisser Begriffe, ehe irgend Erfahrung, Verstand und Urtheilskraft dawären, das Werk zu stören. So werden Gedanken eingeimpft, die nachher so fest und durch keine Belehrung zu erschüttern haften, als wären sie angeboren, wofür sie auch oft, selbst von Philosophen, angesehen worden sind. [Der Antisemitismus ist so eine Art Krankheit, Deformation, aber auch alls Hasshaltungen oder religiösen Intoleranzen bzw. Pochen auf Supremacie etc.] Auf diesem Wege kann man, mit gleicher Mühe, den Menschen das Richtige und Vernünftige, oder auch das Absurdeste einprägen, z. B. sie gewöhnen, sich diesem oder jenem Götzen nur von heiligem Schauer durchdrungen zu nähern und beim Nennen seines Namens nicht nur mit dem Leibe, sondern auch mit dem ganzen Gemüthe sich in den Staub zu werfen; an Worte, an Namen, an die Vertheidigung der abentheuerlichsten Grillen, willig ihr Eigenthum und Leben zu setzen; die größte Ehre und die tiefste Schande beliebig an Dieses oder an Jenes zu knüpfen und danach Jeden mit inniger Ueberzeugung hoch zu schätzen, oder zu verachten; aller animalischen Nahrung zu entsagen, wie in Hindustan, oder die dem lebenden Thiere herausgeschnittenen, noch warmen und zuckenden Stücke zu verzehren, wie in Abyssinien; Menschen zu fressen, wie in Neuseeland, oder ihre Kinder dem Moloch zu opfern; sich selbst zu kastriren, sich willig in den Scheiterhaufen des Verstorbenen zu stürzen, – mit Einem Worte, was man will. Daher die Kreuzzüge, die Ausschweifungen fanatischer Sekten, daher Chiliasten und Flagellanten, Ketzerverfolgungen, Autos de Fe, und was immer das lange Register menschlicher Verkehrtheiten noch sonst darbietet. Damit man nicht denke, daß nur finstere Jahrhunderte solche Beispiele liefern, füge ich ein Paar neuere hinzu. Im Jahre 1818 zogen aus dem Würtembergischen 7000 Chiliasten in die Nähe des Ararat: weil das, besonders durch Jung-Stilling angekündigte, neue Reich Gottes daselbst anbrechen sollte. Gall erzählt, daß zu seiner Zeit eine Mutter ihr Kind getödtet und gebraten habe, um mit dessen Fett die Rheumatismen ihres Mannes zu kuriren . Die tragische Seite des Irrthums und Vorurtheils liegt im Praktischen, die komische ist dem Theoretischen vorbehalten: hätte man z. B. nur erst drei Menschen fest überredet, daß die Sonne nicht die Ursache des Tageslichts sei; so dürfte man hoffen, es bald als die allgemeine Ueberzeugung gelten zu sehen. Einen widerlichen, geistlosen Scharlatan und beispiellosen Unsinnschmierer, Hegel, konnte man, in Deutschland, als den größten Philosophen aller Zeiten ausschreien, und viele Tausende haben es, zwanzig Jahre lang, steif und fest geglaubt, sogar außer Deutschland die Dänische Akademie, welche für seinen Ruhm gegen mich aufgetreten ist und ihn als einen summus philosophus hat geltend machen wollen. (Siehe hierüber die Vorrede zu meinen »Grundproblemen der Ethik«). – Dies also sind die Nachtheile, welche, wegen der Seltenheit der Urtheilskraft, an das Daseyn der Vernunft geknüpft sind. Zu ihnen kommt nun noch die Möglichkeit des Wahnsinns: Thiere werden nicht wahnsinnig; wiewohl die Fleischfresser der Wuth, die Grasfresser einer Art Raserei ausgesetzt sind.
[Schopenhauer betont also die Phänomene nicht als vergangene Eigenheiten, sondern als immer wiederkehrende in der Gegenwart. In unserer finsteren Gegenwart sind es auch nicht nur die fanatischen Moslems oder Islamisten, sondern auch Faschisten oder Neonazis, Rassisten und Suprematisten in den vorgeblich aufgeklärten westlichen Nationen, allen voran die barbarischen USA, von Asien, wo die Niederhaltung und Ausbeutung noch extrem funktioniert, oder Afrika, das sich einfach nicht entwickelt hat und im Flüchten den Ausweg sieht, anstatt endlich im Aufbau der eigenen Länder, ganz zu schweigen, die die tiefe Malaise belegen.]

Samstag, 26. August 2017

Wer Kunst sagt, spricht vom Menschen



Hans Kock Tagung am 12. Juli 2014 an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar
„Das Gespräch zwischen Hans Kock und Martin Heidegger war ein Gespräch zwischen Kunst und Denken“, sagte Dr. Alfred Denker, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Philosophisch-Theologischen Fakultät der PTHV, in seinem Vortrag. Der grundlegende Gedanke von Heideggers Besinnung auf die Kunst ist die folgende Einsicht. "Das Wesen der Kunst ist das ins Werk-setzen der Wahrheit.“ Dieser Satz Heideggers wurde, so Dr. Denker, für das Selbstverständnis von Hans Kock als Künstler entscheidend. 


Heidegger geht vom Kunstwerk aus und nicht von der ästhetischen Erfahrung. Sein Vorgehen ist phänomenologisch, erklärte Dr. Denker. „Er versucht zu den Sachen selbst, sowie sie sich von sich selbst her zeigen, zu kommen. Die Sache selbst ist das Kunstwerk.“ In der Kunst gehe uns erst eine Welt auf, so Dr. Denker. Heideggers Nachdenken über Kunst eröffnete für Hans Kock einen Verstehenshorizont für sein eigenes Schaffen.
 

Freitag, 25. August 2017

Praise of free expression considered as demonizing China

The mighty China seems to be so fragile and vulnerable that it not only censures academics at home, teachers, students, advocates, journalists, to gain and keep total control (as a kind of total war), it also haunts persons who dare to express themselves freele or criticise the paradise China. An example is the graduation address by a Chinese student. Here a short report by THE GUARDIAN as well as the video of her address.

Chinese student abused for praising 'fresh air of free speech' in US

Nationalists in China seize on remarks by Yang Shuping, accusing her of ‘demonising’ it in backlash fuelled by state-run media.
A Chinese student has faced abuse from nationalists in China after she used her graduation address at a US university to celebrate “the fresh air of free speech”.
Yang Shuping, a psychology and theatre graduate from Yunnan province, came to study at the University of Maryland five years ago, as a dramatic clampdown on civil society and academia began back home under Xi Jinping.



video

Donnerstag, 24. August 2017

Women, feminists and misogynists

Even with a misogynist predator-in-chief,
we will not be silenced













Mittwoch, 23. August 2017

White supremacy - as seen by The Nation

White supremacy

White supremacy news and analysis from The Nation

Avoiding War with Pyongyang

[Note for TomDispatch Readers: As I suggest in my introduction, this is an increasingly dystopian moment in America, which makes it the perfect moment to remind TD readers that, for a contribution of $100 or more ($125 if you live outside the United States), you can get a signed, personalized copy of John Feffer’s riveting dystopian novel, Splinterlands. (Check out our donation page for the details.) And for just a few bucks, you can get an unsigned but no less riveting copy of that book, which Barbara Ehrenreich -- in a comment that has only become more apt by the week -- calleda startling portrait of a post-apocalyptic tomorrow that is fast becoming a reality today.” Tom]
If you happen to be a dystopian novelist, as TomDispatch regular John Feffer is, then you’re in business these days.  Back in 2015, when Donald Trump's campaign for the presidency was just heating up and Feffer was writing Splinterlands, his vivid look back from the year 2050 at our shattered planet, he named the massive storm that would devastate Washington in 2022 “Hurricane Donald” -- and you can’t be more predictively on the mark or dystopian than that.  Now, in August 2017, armed bands of neo-Nazis and white supremacists are in our streets and we have a president whose deepest desire seems to be to support them (because they support him).  Meanwhile, the generals from our losing wars are manning the ramparts of an embattled administration (and being treated by the mainstream media as the “adults in the room”) and an unpredictable man-child is in the White House. In other words, the material is clearly going to be there for Feffer -- in his ordinary life a thoughtful columnist at Foreign Policy in Focus -- to devote the rest of his time to dystopian fiction.
And that’s without even mentioning America’s dystopian Asian wars of the past, present, and possibly future. They undoubtedly deserve their own grim set of novels, starting with the bloody and brutal American conquest of the Philippines.  Included would also have to be the Pacific War against Japan that ended when a new weapon of unimaginable power obliterated two Japanese cities and significant parts of their populations, leaving humanity to face the possibility of its own future obliteration (and you can’t get more dystopian than that); the Vietnam War that left millions of Vietnamese, Laotians, and Cambodians (and 58,000 Americans) dead; a quarter century of Afghan Wars (the second of them now the longest in American history); and last but hardly least, the Korean War, which began in June 1950 and halted in 1953, after millions of Koreans (and 36,000 Americans) had died.  By the estimate of the then-head of the U.S. Strategic Air Command, 20% of the North’s population died in those years under a rain of 635,000 tons of bombs and 32,557 tons of napalm (more than was used against the Japanese in World War II), while the North was burned to a crisp without atomic weapons.
In a strange sense, that conflict became America’s first permanent war since no peace treaty was ever agreed to -- though all American wars now seem to be permanent.  Of course, with Donald Trump’s recent impromptu comment that North Korean threats “will be met with fire, fury, and frankly power the likes of which this world has never seen before,” an obvious nuclear reference made on the eve of the 72nd anniversary of the atomic bombing of Nagasaki, a future Korean inferno is once again on many minds here and elsewhere, John Feffer’s included. And yet he suggests that, if only American officialdom could rid itself of its own dystopian turn of mind when it comes to North Korea, there might be a perfectly peaceable and reasonable way forward. If only indeed... Tom

Trump and the Geopolitics of Crazy
The Times They Are A-Changin’ in North Korea
By John Feffer

Read on at Tomdispatch 

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Interessanter Vergleich mit dem ARD Presseclub zum gleichen Thema!
 

Dienstag, 22. August 2017

China: Academic Journal Acquiesces to Censorship Demands

Cambridge University Press, the world’s oldest publishing house, made 300 articles from the website of the China Quarterly inaccessible inside China, at the request of Chinese authorities. John Ruwitch and Fanny Potkin report for Reuters:

Cambridge University Press U-turns on Journal Cuts

Late last week, news came that Cambridge University Press had agreed to remove 315 articles from the China Quarterly journal from its web pages for users in China, as well as some 1000 ebooks. The story thrust the world’s oldest publisher into a controversy similar to that recently facing one of its biggest tech companies, Apple. CUP’s initial decision prompted fierce criticism including a petition threatening a possible boycott. On Monday, Cambridge University announced that the articles’ removal would be reversed:

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China is very inventive and open in areas which are considered as positiv and helpful for her and her economy. But China is afraid – because of its closed structure. It is not open, even not to the market. All is under state control and tight observance. Even the internet is a closed circuit, the hunting of violaters is effective; the number of imprisoned and tortured journalists, scientist, advocates and all who dared to express criticism is very high. China's tough policy has been proven again with the passing of Liu Xiaobo and the unkown fate of his widow Liu Xia. China really is a nation with a totally corrupt and criminal government, nationally as well as regionally, whis is fed by collaborateurs of the USA and Europe and some underdog-Nations who rely on China's help. They all pay a high price, as does the Chinese society.

Montag, 21. August 2017

Nordkorea und die USA:

Nordkorea und die USA: Droht die atomare Eskalation?
Presseclub ARD vom 20.08.2017 | 57:08 Min. |

Zwischen den USA und Nordkorea wurde in den vergangenen Tagen rhetorisch aufgerüstet – und eine militärische Auseinandersetzung erschien plötzlich wieder im Bereich des Möglichen. US-Präsident Trump drohte gar mit "Feuer und Zorn", wie es die Welt noch nicht gesehen habe.

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Deutschland kurz vor der Wahl. Viele Probleme im Land. Aber die ARD bringt im Presseclub kein naheliegendes Thema zur Debatte, sondern ein fernes. Kalkül?

Viele Zuschauer äußern in ihren Kommentaren ihren Unmut und ihre befremdete Verwunderung. Die Medienvertreter wurden vielfach als unglaubwürdig eingestuft. Die Kommentare sind lesenswert.

Die Kommentare sind im GÄSTEBUCH nachzulesen.

Sonntag, 20. August 2017

Charlottesville reveals deep hatred and racism


Top Stories on the theme in Counterpunch:


The Fetishization of Violence: Reflections on Charlottesville, WWII and Activism

America Asleep

The Story of Charlottesville Was Written in Blood in the Ukraine

Fascism Here We Come: the Rise of the Reactionary Right and the Collapse of “The Left”

White Skin Privilege

Trump’s Moral Blindspot is America’s

To See or to Nazi: Trump’s Moral Blindspot is America’s

We’ve have entered the time of mock outrage. The press was shocked that armed neo-Nazis were marching through the streets of Charlottesville shouting “Blood and Soil” and “Jews will not replace us!” Republicans were aghast that many of these thugs were wearing Trump’s red “Make America Great Again” caps. Democrats were indignant that Republicans didn’t call for Trump’s head on a platter. Everyone felt very good about how bad they felt.
In this national psychodrama, Trump plays the role of the Great Revealer.

Denkverbote in Deutschland


Hat, wie Maxim Biller meint, ein Kollektiv aus 68ern und ihren 70er Nachfolgern hier seinen «totalitären, undemokratischen Idealismus» ausgetobt? Wer sich noch an die siebziger Jahre und die Zeit der kommunistischen Sekten in Deutschland erinnert, der kennt ihn noch, den gnadenlos ausgefochtenen Kampf gegen jede Abweichung von der richtigen Linie. Oberste Priorität: niemals den «Beifall von der falschen Seite» provozieren! Das gilt heute wieder verschärft: Wer etwas sagt, was auch der AfD gefallen könnte, ist schon ein Klassenfeind, egal, ob sein Argument triftig ist.

Absatz aus dem Beitrag:

Haben die Deutschen das Streiten verlernt?


Denkverbote haben eine Tradition. Nicht nur in China, das wüst zensuriert, sogar im akademischen Bereich, sondern auch in Europa, vor allem in Frankreich, Großbritannien, Spanien und Deutschland, und, natürlich kultürlich, in den ehemaligen kommunistischen, osteuropäischen Staaten, die ihre tiefen Erfahrung mit Unterdrückung und Zensur, mit Ausgrenzung und Nationalismus nicht missen und verlieren mögen.

Es wird wieder modern zu zensurieren, zu jagen, zu verteufeln. In den Siebzigerjahren schrieb der Psychologe Alexander Mitscherlich über Toleranz, mehr Toleranz. Heute plädiert ein Henrik Broder für mehr INTOLERANZ, weil wir uns Toleranz als Schwäche nicht mehr leisten dürfen. Das sind Entwicklungswege, leider nicht nur deutsche. 

Anderson - The French Spring

Perry Anderson:
THE CENTRE CAN HOLD
The French Spring


New Left Review 105, May-June 2017

Samstag, 19. August 2017

The End of the CIA’s Dirty War in Syria  

When the definitive history of the conflict in Syria is written, the role of the United States in funding, training, and arming rebel groups will by necessity comprise a major chapter.
Washington’s announcement that the CIA has cancelled its program to support ‘moderate rebels’ in Syria – estimated to have cost the US taxpayer over $1billion and which has helped perpetuate a conflict in which up to 400,000 people have died, many in the most heinous way – was made recently in the manner of a multinational corporation wrapping up a failed business venture overseas.
There was no mention made that the program had been undertaken in violation of international law. No mention either of the fact it was in support of an insurgency largely been made up of non-Syrians, who over the past six years have descended on the country driven not by the desire to establish a democracy in the country but rather to impose religious and cultural tyranny.

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Freitag, 18. August 2017

Why There’s No Reason to Worry About War With North Korea 

I think it best to assume that the sanctions against North Korea imposed by the UN with PRC and Russian support will not deter Pyongyang from pursuing its nuclear weapons program. The North Korean economy has been growing in recent years; even if it’s hit by declining coal exports it will muddle on. 

What did he [Trump] say last month? “We’ll handle North Korea. We’ll be able to handle North Korea. It will be handled. We handle everything,”

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Donnerstag, 17. August 2017

American Myth Collapses

The Collapse of the American Myth – 

an Opportunity for the Israeli Left

Israelis typically view the United States of America with awe, hope, but also arrogance as a friendly country that backs Israel through thick and thin, supports Jews and other minorities worldwide, leads the “free world” and serves as a bulwark in pursuit of freedom, justice and prosperity.
But as many realize, this idealization is a result of propaganda. Not only does the US fail to hold up to that fantasy, it is the exact opposite: a dystopic, capitalist, conservative empire, which is chauvinistic and racist, chokes its own civilians and leads the world in exporting misery, violence, exploitation and corruption.
The American dystopia currently threatens what little remains of democracy and decency within it: the public sector is on a perpetual diet and about to starve, health care is a privatized mess, public education is deteriorating, now on overdrive under Betsy DeVos, fascism is present both in the streets and in the White Housethe military and police keep expanding at the expense of the commons, inequality is the worst in the industrialized world and independent and leftist media are silenced and repressed.

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Mittwoch, 16. August 2017

Sensitive Arab Leaders

Why Most Arab Rulers Detest Free Speech 

Arab rulers across the Middle East detest free speech. The demand that Al- Jazeera close its operations is no surprise. Al-Jazeera (which means the island) offers talk shows, documentaries, and news in Arabic, the language of the region that reaches more than 350 million Arabic-speaking people from Mauritania to Yemen. Headquartered in Doha, Qatar, a native Arab land, Al-Jazeera has adopted an iconoclastic motto “opinion and the other opinion.”
For most Arab rulers, there is always only one opinion, the opinion of the government, and for them all other opinions are false, alien, and subversive. This commentary analyzes why Arab rulers are hostile to free speech, particularly the home-grown free speech, emanating from within the region, in Arabic dialects and metaphors, by Arab intellectuals, analysts, and critics.

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Dienstag, 15. August 2017

50. Todestag von René Magritte

René Magritte (* 21. November 1898 in Lessines in der wallonischen Provinz Hennegau, Belgien; † 15. August 1967 in Brüssel) war ein belgischer Maler des Surrealismus.

Monsieur Rene Magritte
Documentary (1978) about the Belgian surrealist artist.
Director: Adrian Maben

Google censorship

Google Censors Block Access to CounterPunch and Other Progressive Sites 

Now Google, at the behest of its friends in Washington, is actively censoring – essentially blocking access to – any websites which seek to warn American workers of the ongoing effort to further attack their incomes, social services, and life conditions by the U.S. central government, and which seek to warn against the impending warfare between U.S.-led Nato and other forces against countries like Iran, Russia, and China, which have in no way threatened the U.S. state or its people
Under its new so-called anti-fake-news program, Google algorithms have in the past few months moved socialist, anti-war, and progressive websites from previously prominent positions in Google searches to positions up to 50 search result pages from the first page, essentially removing them from the search results any searcher will see.    Counterpunch, World Socialsit Website, Democracy Now, American Civil liberties Union, Wikileaks are just a few of the websites which have experienced severe reductions in their returns from Google searches. 

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Montag, 14. August 2017

The folding of Britain and the US


A rather strange article from the radical magazine Counterpunch, Aug. 7, 2017

The Instability of Britain and the US:
How Do We Come Back From This?

Current political battles are so intense that they mask crucial long-term developments: Britain and America both look much more unstable today than they have done at any time since the Second World War. Some weakening of Anglo-Saxon dominance on the world stage had been expected in the wake of the Iraq war in 2003 and the financial crisis in 2008, but suddenly both powers feel as if they are starting to implode.
The pros and cons of Brexit are furiously debated in Britain, usually with the point at issue being the ultimate political and economic outcome of leaving the EU. But two important negative consequences are already with us: Britain is far more divided than it used to be and the Government is entirely preoccupied with Brexit to the exclusion of anything else. Brexit is like the tremors of an earthquake that shake apart weak and vulnerable points in British society, state and nation.

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