Wieder der Weltbuchtag, als ob man ihn brauchte für ein sehr vergessliches Publikum das man erinnern muss über seine Glücksbringer. Frau Heidenreich beweist ja, dass Lesevergnügen sich nicht unbedingt paart mit annehmbarer Persönlichkeit: ihre ungehobelte Grobheit dominiert, belesen hin oder her, aus ihr trieft der Geifer. Was macht so eine Person, stellvertretend für all die Tanten und Griesgrame unserer Unkulturlandschaft, also glücklich durch Lesen?
Elke Heidenreich und Co. flüstern uns ständig ein: „Lesen macht
glücklich“. Als ob das Leben nur mit vielen Büchern sinnvoll wäre. Dabei
machen Bücher uns weder reich noch anständig. Eine Polemik.
Den Büchern kommen die Leser abhanden
Verlage
und Buchhändler stehen vor schwierigen Zeiten. Sie müssen mit immer
weniger Buchkäufern rechnen. Aber die Zeiten waren fürs Buchgeschäft
schon immer schwierig. Und Verleger sind von Natur aus unverbesserliche
Optimisten.
Von Guido Kalberer. TAGESANZEIGER, Aktualisiert am 02.06.2014 Nach dem Eklat beim «Literaturclub» ist klar:
Die Sendung von SRF muss neu lanciert werden. Es braucht einen neuen
Moderator und einen Ersatz für Elke Heidenreich.
Der begrüßenswerte Artikel des Zürcher Tages-Anzeiger bietet Gelegenheit, nicht nur eine peinliche Affäre anzusehen, sondern sich Gedanken über unsere Kulturlandschaft zu machen.
Eigentlich ist es weniger eine peinliche Affäre des traditionsreichen schweizerischen Literaturklubs, sondern eine des Schweizerischen Fernsehens, das sich hinter die populistische Elke Heidenreich stellt, wegen der erwartbaren Quote, und einen Fachmann schmeißt, weil er zu kompetent ist; formal wird das damit begründet, weil er die Erwartungen als Moderator nicht erfüllt habe, obwohl er als Kritiker für diesen Posten engagiert wurde, als Doppelrollenerfüller.
Stefan Zweifel ist von Elke Heidenreich weggepustet worden.
Heidenreich leistet sich ein falsches Zitat, beharrt borniert darauf, und der Moderator-Kritiker, der das bemerkt und korrekt zurückweist, muss gehen. Das ist Schweizer Kultur.
Doch der Reihe nach:
Hier eine Videoaufzeichnung des besagten Literaturklubs vom 22.4.2014:
Literaturclub, 22.04.2014,
Stefan Zweifel, Elke Heidenreich, Rüdiger Safranski und Julian Schütt diskutieren über folgende Bücher:
«Glücklich die Glücklichen» von Yasmina Reza (Hanser)
«Transatlantik» von Colum McCann (Rowohlt)
«Killmousky» von Sybille Lewitscharoff (Suhrkamp)
«Das Blutbuchenfest» von Martin Mosebach (Hanser)
«Schwarze Hefte (1939-1941)» von Martin Heidegger
Der Literaturclub diskutiert die wichtigen Bücher im April: Den neuen Roman des grossen irischen Geschichtenerzählers Colum McCann, die Geschichten der meistgespielten Theaterautorin der Gegewanrt, Yasmina Reza, die beiden aktuellen Romane der beiden Büchner-Preiträger und streitbarsten deutschsprachigen Schriftstellern der Gegenwart, Sybille Lewitscharoff und Martin Mosebach, sowie die geheimen, bisher unveröffentlichten Tagebücher des grossen Kritikers der Moderne, Martin Heidegger.
Abschnitt Martin Heidegger: Schwarze Hefte
Der inzwischen als Moderator entlassene Stefan Zweifel, Elke Heidenreich, Rüdiger Safranski und Julian Schütt diskutieren über Martin Heideggers "Schwarze Hefte" (1939-1941).
Es ist unter anderem das durch Elke Heidenreich gegebene Zitat über den Antisemitismus Martin Heideggers enthalten (etwa bei 04:00), über das derzeit diskutiert wird (bspw. NZZ vom 24.05.2014, Seite 15). Das Zitat ist nicht im besprochenen Buch enthalten. Der Moderator der Sendung (Stefan Zweifel), der Elke Heidenreich hier widerspricht, ist inzwischen entlassen worden. Laut einer Meldung des Tagesanzeigers (25.05.2014) hat Heidenreich inzwischen selbst zugegeben, dass das Zitat nicht von Heidegger stammt.
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Eklat im „Literaturclub“ Was steht bei Heidegger?
Elke Heidenreich erfand im „Literaturclub“ des Schweizer Fernsehens ein Heidegger-Zitat, Moderator Stefan Zweifel bemerkte es. Jetzt muss er die Leitung der Sendung abgeben.
FAZ, 23.05.2014, von Jürg Altwegg, Genf
„Literaturclub“-Streit geht weiter Das Heidegger-Zitat der Elke Heidenreich
Das Schweizer Fernsehen blamiert sich im Streit um den „Literaturclub“. Trotz erheblicher Kritik an ihrem Verhalten hat sich Stephanie Wappler, die Kulturchefin des Senders, hinter Elke Heidenreich gestellt. Herr Zweifel muss gehen.
FAZ, 31.05.2014, von Jürg Altwegg, Genf
Adolf Muschg kritisiert das SRF
«Literaturclub»-Moderator bekommt Unterstützung. Anna Kappeler, Schweiz am Sonntag, 24. Mai 2014 23:31
Im Kommentar zum obigen Beitrag ein Brief von Katka Räber-Schneider an die SRF-Chefs Frau Wappler und Herr de Weck:
Katka Räber-Schneider, Basel
Kommentar, 26.5.2014 zum obigen Beitrag
Sehr geehrte Frau Wappler, sehr geehrter
Herr de Weck,
selber als Autorin und Literatur- und Filmkritikerin, aber auch als sehr
aufmerksame, begeisterte und anspruchsvolle Radiohörerin und Fernsehzuschauerin
wende ich mich an Sie, entsetzt und empört, nachdem ich die Meldung gelesen
habe, dass Stefan Zweifel die Leitung des Literaturclubs und den Literaturclub
verlässt.
Ich habe die meisten Sendungen gesehen, auch die bestimmte vom 22. April 2014,
in der Elke Heidenreich so unflätig, undifferenziert und unwissend, und doch
wie immer (und dies ist kein pauschalisierendes "Immer", sondern es
entspricht der jahrelangen Praxis) sehr selbstsicher, selbstgefällig,
rechthaberisch und arrogant ihr Urteil kundtat. Ich kann nicht verstehen, dass
die Leitung des Schweizer Fernsehens hinter dieser Frau steht. Wie ist es
möglich, dass Elke Heidenreichs loses Mundwerk, das
man vielleicht in der sonst meist so moderaten Schweiz dazu benutzen möchte, um
Bewegung in eine Diskussion zu bringen und gleichzeitig ein einfacheres
Publikum zum Lesen zu animieren, Vorrang bekommt vor der gepflegten,
intellektuell geschliffenen und geistreich anregenden Art von Stefan Zweifel?
Einerseits geht es da natürlich um die Echtheit eines brisanten Zitats, aber es
geht auch um das Gesprächs-Niveau einer solchen Sendung. Selbstverständlich
darf und soll gestritten werden, es sollen unbedingt auch unterschiedliche
Meinungen aneinander geraten dürfen und ausgetragen werden. Aber die absolute,
populistisch gefärbte Art von Elke Heidenreich diffamiert die Sendung, die doch
nicht nur die Verkaufszahlen von Büchern heben, sondern das Denken anregen
soll. Da sollen gedankliche Impulse, wie sie eben von Rüdiger Safranski,
Hildegard Keller oder Stefan Zweifel und anderen angezettelt und ausgetauscht
werden und nicht von der dilettantischen Herangehensweise des geistigen und
sprachlichen Mittelmasses von Frau Heidenreich getragen, die sich neben
falschen Zitaten auch Urteile wie "dämlich", "überflüssig"
oder "blöd" bei gestandenen Autorinnen und Autoren erlaubt, die sie
sonst gerne an einem Stammtisch von sich geben dürfte, aber nicht in einer
intellektuellen, öffentlich gesendeten Runde, der sie leider nicht mal bis zu
den Knöcheln reicht. Diese Frau hat für meine Begriffe zudem kein Taktgefühl,
ihre Ausdrucksweise finde ich nicht lustig-frech, sondern ungebildet &
eingebildet, nicht intellektuell, einfach nur dumm. Sie mag gut sein für
Nichtleser, für ein einfacheres Publikum, zu denen sie selber gehört, obwohl
sie sich selber viel höher einschätzt. Nicht alle Bücher müssen gefallen, um
das geht es gar nicht, und sie sollen selbstverständlich auch kritisiert werden
dürfen. Aber nur als persönliches Urteil der kritisierenden Person. Leider hörte ich auch schon im Radio, dass Elke Heidenreich
von mittelmässigen Medienleuten als "Literaturpäpstin" vorgestellt
wurde, was absolut lächerlich ist. Wenn früher Marcel Reich-Ranicki so betitelt
wurde, dann war es wegen seinem enormen Wissen. Daneben ist eine Elke
Heidenreich bloss eine Möchtegernkritikerin und dilettantische Vielleserin. Das
kann man ihr gerne zugestehen, aber nicht dieses Niveau als Messlatte für das
Schweizer Fernsehen nehmen und einen begabten, gebildeten, geistreichen und
gescheiten Mann wie Stefan Zweifel gehen lassen.
Ich selber habe seinerzeit noch bei Werner Weber
studiert, dessen Ethos es war, das Literaturkritik in erster Linie vermitteln
soll und man als Kritiker oder Kritikerin mit einem grösseren Wissen der
Materie die Literatur fürs Publikum (egal wie gebildet das Publikum ist) in
einer verständlichen Sprache in einen Kontext stellen soll. Ich verstehe Stefan Zweifels Beweggründe, dass er
unter diesen Voraussetzungen nicht mehr weiter seine will. Aber das Schweizer
Fernsehen darf sich doch nicht diese Blösse des Mittelmasses geben und nichts
zu diesem Skandal verlauten lassen...
Es hat mich gefreut, das Benedict Neff in der
Basler Zeitung vom 24.5.14 das ausspricht, was ich schon lange gedacht habe.
Elke Heidenreich hat keinen Respekt vor anderen Meinungen, keine Grandezza,
bloss ein freches Mundwerk, das manchen Menschen Eindruck macht, einige
vielleicht sogar Angst vor ihrer spitzen Zunge haben. Sie selber gehört zum
groben Mittelmass, obwohl sie gerne anderen dieses Urteil zuteil werden lässt.
Die srf, das Schweizer Fernsehen, darf doch nicht
so feige sein, und kein Urteil darüber verlauten lassen. Im Zweifel für den
Zweifel!
Mit freundlichen Grüssen Katka Räber-Schneider www.katka-räber-schneider.ch
Zweifel verliert Machtkampf gegen Heidenreich Benedict Neff, Basler Zeitung, Aktualisiert am 22.05.2014 24 Kommentare
Er hat recht und muss doch gehen: Stefan Zweifel wurde als Moderator des «Literaturclubs» abgesetzt. Dies nach einem Streit mit Literaturkritikerin Elke Heidenreich. Im Disput um ein Genozid-Zitat kommt auch das SRF nicht gut weg.
Adolf Muschg kritisiert Entlassung von «Literaturclub»-Moderator
Aktualisiert am 25.05.2014 19 Kommentare
Das Schweizer Fernsehen müsse die Entlassung von Stefan Zweifel überdenken, fordert der Schriftsteller Adolf Muschg. Dieses hüllt sich weiterhin in Schweigen - trotz wachsender Kritik
Giftige Mixtur: Heidenreich, Heidegger, Holocaust Benedict Neff, Basler Zeitung, Aktualisiert am 24.05.2014 26 Kommentare
Die Absetzung von Literaturclub-Moderator Stefan Zweifel wirft einen dunklen Schatten auf das Schweizer Fernsehen. Der Dilettantismus hat im Leutschenbach gesiegt. Ein Kommentar.
SRF übt sich in Selbstverteidigung Benedict Neff, Basler Zeitung, Aktualisiert am 27.05.2014 5 Kommentare
Zum erfundenen Heidegger-Zitat nimmt SRF weiter keine Stellung. Elke Heidenreich wird inzwischen auch von der Süddeutschen Zeitung kritisiert.
Sendung "Literaturclub" Eklat um Heidenreichs Heidegger-Fälschung
In der Sendung "Literaturclub" im Schweizer Fernsehen hat die Schriftstellerin Elke Heidenreich gleich doppelt falsch zitiert: Martin Heidegger und die SZ. Trotzdem muss nicht sie, sondern ihr Ko-Moderator den "Literaturclub" verlassen. Süddeutsche Zeitung, 23.5.2014
Und hier die Verteidigung der Elke Heidenreich: Wie es zum Heidegger-Zitat im «Literaturclub» kam
GastbeitragStefan Zweifel überwarf sich mit Elke Heidenreich und der «Literaturclub»-Redaktion wegen eines falschen Heidegger-Zitats. Nun nimmt die Kritikerin Stellung. Tages-Anzeiger, 27.5.2014
Kommentar von Haimo L. Handl:
Heidenreich = Heidenarm Über eine vermeintlich Reiche, die eigentlich arm ist
Nach ca. fünf Wochen fühlt
sich die Literaturunterhalterin und Autorin Elke Heidenreich, die BRIGITTE der
Literatur, Frauen und gerechten Gesellschaft von Gutmenschen und Opfern,
bemüßigt, eine Art von Erklärung zum Eklat des Literaturklubs vom 22. April abzugeben,
der Auslöser für die Entlassung des Moderators und Kritikers Stefan Zweifel war.
Ihre Verteidigung ist dürftig, nicht überzeugend und belegt nur die freche
Anmaßung, die dieser Person in der Opfergesellschaft als "kämpfender
Frau" soviel Platz und Erfolg einräumt. Sie zitiert falsch. Sie
sagt in ihrer Verteidigung, "dann sah ich hoch und sagte, ohne weiter zu
zitieren, mit meinen Worten, was ich als Fazit aus Heideggers Worten
herausgelesen hatte, nämlich: «Und das tun wir, indem wir die Juden endlich
beseitigen aus Deutschland – ?» Nein, so war es nicht. Die
Videoaufzeichnung bietet ein anderes Bild, ein anderes Hören. Aber Frau
Heidenreich hätte spätestens beim Einwurf von Stefan Zweifel Möglichkeiten
gehabt, auszuweisen, was Zitat war, was IHRE Anmerkung. Sie wies weder auf das
Zitat aus dem Dossier hin, also nicht die Originalquelle, noch darauf, wo das
Zitat endete, und ihre persönliche Anmerkung begann, was nach ihrer Meinung ja
vollkommen klar gewesen sei: "Der Satz war am Ende offen gelassen, es war
deutlich mündliche Rede, es war deutlich nicht mehr Zitat.". Nein, war es
eben nicht, auch wenn sie bockig-trotzig es wiederholt.
Frau Heidenreich hat weder
die Courage noch charakterliche Größe, einen Fehler einzugestehen. Sie hätte
ihn sofort aus der Welt schaffen können, aber wie ein Trotzkopf, ein alter
halt, stampfte sie "Doch!" und warf schließlich das Buch, ähnlich
einem ertappten Schulmädi, auf den Tisch. Die Erklärung dazu ist nicht nur
psychologisch zum Trotzverhalten interessant, sondern auch zum Denken. Hören
wie die Autorin und Kritikerin:
"Zweifel sagte neben
mir: «Also dieser Satz steht aber nicht in dem Band, über den wir jetzt reden.»
Ich sagte: «Doch.» Das wiederholte sich noch zweimal, bis ich mein Buch
zugegeben ungeduldig und unnötig heftig auf den Tisch warf – das hätte ich mir
als Geste sparen können, aber ich wollte endlich meinen Gedanken zu Ende
bringen, und Safranski konnte dann auch, s. o., darauf antworten."
Das ist verwegen und frech
zugleich. Aber, wahrscheinlich ungewollt, entblößt Frau Heidenreich eine ihrer
Denkbedingungen: um endlich ihren Gedanken zu Ende bringen zu können, musste
sie ihre Aggressionen los werden. Sie warf wütend das Buch, das Objekt der
Störung, auf den Tisch, und konnte weiterdenken. Damit das nicht so alleine
dasteht, verbindet sie das mit dem Philosophen Safranski. als ob der sonst
"dann auch" nicht hätte antworten können. Die Perfidie dieser
Strategie der Tante Brigitte ist offensichtlich. Sie funktioniert hervorragend
in der halbgebildeten Opfergesellschaft, in der BRIGITTE-Gesellschaft.
Frau Heidenreich sagt in
der Sendung, dass sie keine Lust habe, so etwas zu lesen. Das Zitat,
behauptet sie stur, stamme aus dem Buch, Band 96. Stimmt nicht. Später sagt
sie, ein Satz stamme aus der Süddeutschen Zeitung, die wiederum empört ist
über die falsche Zitierweise der unbedarften Gutmenschin. Frau Heidenreich betont:
"Das bedeutet, und so habe ich es auch aus dem Dossier heraus gelesen (und
so deutet es der Herausgeber der Schwarzen Hefte, Peter Trawny, in seinem
Nachwort an): Die Mittel der Nationalsozialisten, dieses Ziel vom deutschen
Wesen zu erreichen, nimmt Heidegger sehr wohl zur Kenntnis, auch wenn er kein
Wort über den Holocaust selbst verliert."
Sie zimmert etwas zurecht.
Peter Trawny wird das ebenfalls empört zurückweisen. Frau Heidenreich geht es
darum, den Hintergrund, die Zusammenhänge darzulegen, die sie und ihre Aussagen
als aufrechten Widerstand gegen den Nazi Heidegger ausweisen sollen, einsam und
alleine im Kampf gegen vernebelnde Intellektuelle, die immer tüfteln und
unterscheiden wollen, wie der jüngere Stefan Zweifel, wie viele andere...
Allerdings unterlässt es die Medienerprobte, den beim Publikum auch beliebten
Philosophen Safranski anzugreifen. Aber aus ihren Anwürfen geht der
Antiintellektualismus deutlich hervor.
Sie sagt weiter: "Es
ist also nicht richtig, mir zu unterstellen, ich hätte das Zitat erfunden oder
das Buch nicht richtig gelesen. Es ist meine Pflicht, jedes für die Sendung
vorgeschlagene Buch gründlich zu lesen und mir dazu meine Gedanken und meine
Notizen zu machen. Die Notizen waren «Die verborgene Deutschheit» und
«entbergen», der Rest waren meine zusammenfassenden Gedanken." Aber so
stimmt das auch nicht. Immerhin werden jetzt nicht nur Heideggers Buch erwähnt,
sondern auch "Notizen" und "entbergen", ohne allerdings zu
klären, was von wem kommt und aus welchem Kontext. Der Mehrheit wird die
Botschaft im Gedächtnis bleiben: Die Heidenreich ist pflichtergeben, sie hat
verantwortlich ihre Pflicht erfüllt. Ja, ja, die Pflichterfüllung... Sie skizziert ihre Rolle
unter anderem damit, dass es ihre Aufgabe sei, die Bücher gründlich zu lesen. Aber hat sie gründlich gelesen? Wie hätte sie
nach gründlicher Lektüre zu einem Falschzitat gelangen können? In einigen
hämischen Artikeln wurde memoriert, dass z. B. der berühmte Feuilletonchef
Fritz J. Raddatz seinen Posten räumen musste wegen eines falschen Zitats. Nicht
so Frau Heidenreich. Weil sie ein Opfer ist, eine Frau? Weil sie dem
Durchschnitt entspricht und damit Zuschauer bringt, da das große Publikum nun
mal ungebildet ist? Proletkult als Geschäft? Was sonst?
Dann teilt sie wieder aus.
Angriff ist ja die beste Verteidigung. Die Presse habe "eilig und
unreflektiert" die Anwürfe aufgegriffen. Und, natürlich, übertrieben. Dann
Klartext: "Es ging nie um dieses Zitat, es ging um Zweifels
Entlassung." Alles klar? Klar. In einem Satz davor bedauerte sie die
Eskalation, sah sich aber als Opfer, und machte klar: "weise jeden Vorwurf
unsauberer Arbeit mit gutem Gewissen von mir." Das ist wirklich deutlicher
Klartext. Klingt wie von belangten Managern und Bankern, die ihre weiße Weste
zeigen. Sie ist pflichterfüllt, verantwortlich und guten Gewissens. Ein guter
Mensch eben. Und dazu noch eine Frau. Eine erfolgreiche. Was will man mehr?
Die SRF kuscht und beugt
sich falschem Geschäftsdenken. Die Verantwortlichen, eine Frau Wappler (heißt
wirklich so, ist keine Finte, die in Österreich leicht missverstanden werden
könnte) und der geschätzte Herr de Weck schweigen sich aus. Eine
Abteilungsleiterin reagiert nicht. Das Schweizerische Fernsehen taucht ab und
ist feige geworden.
Der Vorfall belegt aber
auch eine besorgniserregenden Stand der Gender-Debatte. Frauen werden immer
noch bevorzugt als Opfer dargestellt, so dass viele, höchst erfolgreich, als
Täterinnen agieren können, denen man Frechheiten einfach nachsieht. Wenn man
aber geringe Qualität oder gar Unvermögen nicht mehr realitätsgerecht bewertet,
sondern sich von gender criteria und ideologischen Sollsätzen leiten lässt,
rutsch man in eine Gesinnungskultur, in der weder Sachen als Dinge, noch
Menschen als Subjekte gelten, sondern nur noch Objekte, wie sie der Wahrnehmung
dieser Protagonisten erscheinen. Das ist das Gegenteil einer "offenen
Gesellschaft", wie sie Sir Karl Popper wollte, ganz zu schweigen einer
offenen Gesellschaft, wie sie Aufklärer wie Adorno & Co. wollten, oder
couragierte Linke wie George Orwell.
Mit Priesterinnen wie Elke
Heidenreich fördern wir eine Angestelltenkultur, das Regime des unduldsamen
Untermaßes, das viele allzufreundlich "Mittelmaß" nennen. Was dort
als Courage erscheint, ist meist nur frech und anmaßend, nicht eigentlich kritisch.
Frau Heidenreich und ihresgleichen erfüllen das enge Programm dieser Halb- und
Ungebildeten. .