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Mittwoch, 9. August 2017

Niemand hört, als was er weiß



Niemand hört, als was er weiß; niemand vernimmt, als was er empfinden, imaginieren und denken kann. Wer keine Schulstudien hat, kommt in den Fall, alle lateinische und griechische Ausdrücke in bekannte deutsche umzusetzen; dieses geschieht ebenmäßig mit Worten aus fremden Sprachen, deren Aussprache dem Schreibenden unbekannt ist.
Goethe, Schriften zur Literatur, Hör-, Schreib- und Druckfehler (14,300)

Mittwoch, 2. August 2017

Erinnerung & Erinnerungskultur

Eine Notiz:

In seinem Essay "To civilize our gentlemen" (1965) (in: Language & Silence), beleuchtet George Steiner an einem Detail die Malaise unserer Bildung(spolitik)/(sentwicklung), die indirekt die Bedeutung der Erinnerung, auch der sogenannt kollektiven, als Lebensnerv aufzeigt:
"The point is not tirvial. As footnotes lengthen, as glossaries become more elementary (right now it might still be 'Troilus: Trojan hero in love with Cressida, daughter of Calchas, and betrayed by her,' but in a few years the Iliad itself may require identification), the poetry loses immediate impact. It moves out of any direct line of vision into a place of special learning. This fact marks a very large change in the consensus assumed between poet and public. The world of classical mythology, ..., is receding from our natural reach."
Steiner zitiert später einen Ausspruch von Kierkegaard: "It is not worth while remembering that past which cannot become a present." Das, was nicht wiederbelebt, vergegenwärtig werden kann, braucht nicht erinnert werden, oder: Erinnern, echtes Erinnern, ist Vergegenwärtigen. Schöner Hinweis auf Informationsverarbeiter, die einen, so scheint es manchmal, zu einem Speicher und Zeichenverwalter degradieren, als ob es genügte, die Zeichen zu speichern, abzurufen, zu verbinden etc.

In der Vergegenwärtigung, der Interpretation, liegt mehr. Dieses "Mehr" macht den Unterschied!

Aber die Gegenwart ist nichts in sich Ruhendes, Abgeschlossenes, Eigenes. Sie ist immer eine Kulmination aus Vergangenem und sich gegenwärtig Gebendem, das in eine Zukunft rollt, außer der Abbruch durch Tod tritt ein.

Ich erinnere mich da der Worte von Sigmund Freud, der gemeint hat:
"Endlich kommt die merkwürdige Tatsache zur Wirkung, daß die Menschen im allgemeinen ihre Gegenwart wie naiv erleben, ohne deren Inhalte würdigen zu können; sie müssen erst Distanz zu ihr gewinnen, d.h. die Gegewart muß zur Vergangenheit geworden sein, wennn man aus ihr Anhaltspunkte zur Beurteilung des Zukünftigen gewinnen soll."
(Freud: Die Zukunft einer Illusion)
Ein Hinweis, ein Argument für geschichtliches Denken: Rückschau, Erinnerung, kurz das, was aus Distanz in anderm Licht und (Über)Blick (er)faßbar wird! Man könnte Freud auch so verstehen, dass aus oder in "bloßer" Gegenwart keine Beurteilung eines Zukünftigen möglich wäre.

Samstag, 26. September 2015

Neue Rundschau 126(2015)3 erschienen

Die jüngste Ausgabe der ältesten deutschen Literaturzeitschrift, NEUE RUNDSCHAU 126(2015)3 ist erschienen und liegt in unserer Bibliothek auf!

Schwerpunktthema:

Erzählen - Wissen


Montag, 15. September 2014

Freitag, 13. Januar 2012

George Steiner im Gespräch ums Wissen

Gespräch
Eine gewisse Vorstellung vom Wissen
Juliette Cerf, Télérama, Paris; 30. Dezember 2011
In: presseurop - Das Beste aus Europas Presse in 10 Sprachen

"Literatur, Philosophie, Naturwissenschaften: Heute entwickeln sich die Hilfsmittel, mit denen wir die Welt verstehen, voneinander getrennt, wie der Intellektuelle und Humanist George Steiner bedauert. Dabei ist die Kultur das, was uns rettet, insbesondere in Europa. Auszüge."

George Steiner Wikipedia (deutsch)

George Steiner Wikipedia (englisch)

Here an interview in English with Dutch subtitles: "I summon up remembrance of things past":


Hier das auf deutsch Geführte Gespräch im Rahmen der Sendereihe "Sternstunden der Philosophie" des Schweizer Fernsehens: