Im Druckorgan der BhW [Bildung hat Wert], DER niederösterreichischen Bildungsinitiative, lese ich in der jüngsten Ausgabe ein Interview mit der Chefredakteurin des "Österreichischen Wörterbuchs", Christiane Pabst. Die Langfassung kann man in der Internetseite von BhW nachlesen:
Chefredakteurin des Österreichischen Wörterbuchs im BhW Interview
Obwohl sie vollmundig behauptet, dass Sprache NIE ärmer werde, lese ich ein paar Absätze weiter hinsichtlich der Sprachförderung Jugendlicher, dass man über Musik den Zugang erleichtern und fördern könne. "Wenn man das ein bisschen forciert, dann kämen die Jugendlichen wieder vermehrt zur Sprache." [Trotz Grammatikfehler versteht man die Implikation, dass sie weg sind.] "Ich glaube, diese Spracharmut hängt damit zusammen, dass die Verlage Kurzformen nicht mehr gerne drucken." [Also doch Spracharmut, aber nur eine partielle, bedingte, weil die geschäftstüchtigen Verlage nicht ausreichend Kurzgeschichten publizieren.So einfach ist die komplexe Welt!]
Leider ist die kurze Kolumne auf der letzten Seite von Mella Waldstein, "Landeinwärts: Genderei" online nicht abrufbar. Ich empfehle einen Blick ins Heft.
Zuerst dachte ich, es handele sich bei dem holprig verfassten Text ["Wie reihe ich, dass ich nicht diskriminiere?] um eine Satire. Aber nein, der Frau geht's um die Sache. Zur Einleitung bekennt sie, sie habe unlängst den Satz geschrieben, "Ich bin beinahe ein Profi", dann habe aber die Gender-Glocke geschrillt und sie habe nachgedacht , ob es korrekt nicht "Profin" oder "Profa" heißen müsse, um schlussendlich zur endgültigen, korrekten Formulierung zu finden "Ich bin eine Profin".
Jetzt fügt sie eine entwaffnende, zugleich demaskierende, peinliche ideologische Erklärung hinzu, die den negativen, nicht reflektierten Aspekt vordergründiger "Genderei" ausdrückt.
"... vielleicht haben Sie bemerkt, dass ich nun das Wort "beinahe" weggelassen habe, denn das ist anerzogene weibliche Bescheidenheit, die in der Geschlechtergerechtigkeit nichts verloren hat.".
Was, wenn jemand aber so reif und reflektiert ist, dass sie andere als vorgeblich anerzogene Gründe findet, sich selbst als "beinahe" Profin auszuweisen? Eine Aussage zum Sachverhalt wird, schwupp-di-wupp, in eine ideologisch bedingte Bescheidenheitsformel konvertiert, die ein Ausweis der Geschlechterunterdrückung und Ungerechetigkeit ist. Also ist sie nun Profin, vor allem, weil sie nicht falsch bescheiden ist. Aber das hätte die liebe Frau auch in verdächtiger Altsprache ausdrücken können, und jede hätte sie verstanden: "Ich bin ein Profi." Offensichtlich ist sie es nicht.
Übrigens findet sich in der Internetseite auch ein Interview mit Konrad Paul Liessmann zu seinem jüngsten Buch "Bildung als Provokation". Ganz unbekannt kann den Redakteurinnen und Zuarbeiterinnen dieser gut organisierten Bildungseinrichtung also die Existenz andersartiger oder gar fremdartiger Bildungsgedanken nicht sein, auch wenn ihre genderorientierte Sprache und der modische, überaus hohe Anteil an Anglizismen eher für eine stark an- und eingepasste Gleichförmigkeit vermeintlicher Modernität steht.
BhW präsentiert Bestsellerautor Liessmann
Haimo L. Handl
Posts mit dem Label Konrad Paul Liessmann werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Konrad Paul Liessmann werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Donnerstag, 15. März 2018
Mittwoch, 1. November 2017
Bildungskatastrophe
Der Terminus '"Bildungskatastrophe" wurde bereits 1964 vom Philosophen und Pädagogen Georg Picht geprägt und hat die frühen Bildungsreformen in Deutschland mitbestimmt. Sein Begriff unterscheidet sich aber wesentlich von den heutigen Forderungen, die sich primär auf Kompetenzen konzentrieren und Wissen als Bildungsgut vernachlässigen bzw. als obsolet außer Acht lassen.
Heute lesen wir fast keine kritische Infragestellung der sogenannten Bildungsreformdebatte, die zu einem Kreuzzug profitorientierter Kompetenzvermittler verkommen ist. Eine dieser seltenen Ausnahmen stellt der Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann dar, der einerseits vom "Verschwinden des Wissens" spricht (NZZ, 15.9.2014), andererseits in einem kürzlichen Artikel (NZZ, 16.10.2017) seinen Bildungsbegriff präzisiert: Bildung bedeutet Begabung zum Menschsein.
Der Fokus auf Kompetenzen kommt einer Konzentration auf Methodik und Methodeneinsatz gleich unter gleichzeitiger Vernachlässigung des Gegenstandes, der mittels der Kompetenzen, der Methoden, erforscht und bedacht, gedacht oder überdacht werden soll. Methodik als Inhaltsersatz für eine sinnentleerte Gesellschaft, die objektivierbares Wissen, INHALTE, Qualitäten nicht mehr beachtet,. ja sie aus dem Wahrnehmungsfeld tilgen will. Liessmann, der dieses Unterfangen, diese Manmöver als Beitrag zur Unbildung hinstellt, hat völlig recht. Die systematische Unbildung zerstört nicht nur Bildung in ihrer früheren Qualität und Form, sie unterminiert die kulturellen Grundlagen und ebnet der neuen Barbarei den Weg.
Siehe auch die Auswahl von Haimo L. Handls Kolumen
"Das Wort zum Sonntag:
Schülerkompetenz
Ausbildung ist Bildungaus
Kurzlesen
Die neue Unmündigkeit
Bildung als Education
Wissen wissen
Lehrer schuldig
Bildungsbehinderung
Heute lesen wir fast keine kritische Infragestellung der sogenannten Bildungsreformdebatte, die zu einem Kreuzzug profitorientierter Kompetenzvermittler verkommen ist. Eine dieser seltenen Ausnahmen stellt der Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann dar, der einerseits vom "Verschwinden des Wissens" spricht (NZZ, 15.9.2014), andererseits in einem kürzlichen Artikel (NZZ, 16.10.2017) seinen Bildungsbegriff präzisiert: Bildung bedeutet Begabung zum Menschsein.
Der Fokus auf Kompetenzen kommt einer Konzentration auf Methodik und Methodeneinsatz gleich unter gleichzeitiger Vernachlässigung des Gegenstandes, der mittels der Kompetenzen, der Methoden, erforscht und bedacht, gedacht oder überdacht werden soll. Methodik als Inhaltsersatz für eine sinnentleerte Gesellschaft, die objektivierbares Wissen, INHALTE, Qualitäten nicht mehr beachtet,. ja sie aus dem Wahrnehmungsfeld tilgen will. Liessmann, der dieses Unterfangen, diese Manmöver als Beitrag zur Unbildung hinstellt, hat völlig recht. Die systematische Unbildung zerstört nicht nur Bildung in ihrer früheren Qualität und Form, sie unterminiert die kulturellen Grundlagen und ebnet der neuen Barbarei den Weg.
Siehe auch die Auswahl von Haimo L. Handls Kolumen
"Das Wort zum Sonntag:
Schülerkompetenz
Ausbildung ist Bildungaus
Kurzlesen
Die neue Unmündigkeit
Bildung als Education
Wissen wissen
Lehrer schuldig
Bildungsbehinderung
Montag, 15. September 2014
Das Verschwinden des Wissens
Gastkommentar zur Bildung
Das Verschwinden des Wissens
Konrad Paul Liessmann, Philosphieprofessor
NZZ, 15.9.2014
Das Verschwinden des Wissens
Konrad Paul Liessmann, Philosphieprofessor
NZZ, 15.9.2014
Abonnieren
Posts (Atom)