Posts mit dem Label Frankfurter Schule werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Frankfurter Schule werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 30. Juli 2018

Rolf Tiedemann gestorben

Rolf Tiedemann (* 24. September 1932 in Hamburg; † 29. Juli 2018[1]) war ein deutscher Philosoph, Philologe und Herausgeber.
Wikipedia

Zum Tod von Rolf Tiedemann
konkret, 30.7.2018

Philologie als Reeducation

Über Rolf Tiedemanns Kritik des Vergessens. Ein Nachruf auf den Soziologen, Philosophen und Adorno-Archivar.
Von Ansgar Martins, konkret 9/2018


Herausgeber Rolf Tiedemann gestorben
Feinarbeit am Text
Der Philosoph war ein herausragender Editionsphilologe. Er machte sich einen Namen mit der ersten Bibliografie über die Erstdrucke von Walter Benjamin.
Rudolf Walther, TAZ 31.7.2018


Das Werk von Adorno & Benjamin sowie etliche Arbeiten von Rolf Tiedemann sind in unserer Bibliothek Gleichgewicht aufliegend. 





Donnerstag, 19. Juli 2018

120. Geburtstag von Herbert Marcuse

Herbert Marcuse (* 19. Juli 1898 in Berlin; † 29. Juli 1979 in Starnberg) war ein deutsch-US-amerikanischer Philosoph, Politologe und Soziologe.

Wikipedia

Abbildung aus Wikipedia

















Samstag, 7. Juli 2018

45. Todestag von Max Horkheimer

Max Horkheimer (geboren am 14. Februar 1895 in Zuffenhausen (heute Stuttgart); gestorben am 7. Juli 1973 in Nürnberg) war ein deutscher Sozialphilosoph und führender Kopf der Frankfurter Schule.
Wikipedia






Sonntag, 21. Januar 2018

25. Todestag von Leo Löwenthal

Leo Löwenthal (* 3. November 1900 in Frankfurt am Main; † 21. Januar 1993 in Berkeley, Kalifornien) war ein deutscher Literatursoziologe.
Wikipedia


 



Mittwoch, 11. September 2013

Theodor W. Adornos 110. Geburtstag

Theodor W. Adorno (* 11. September 1903 in Frankfurt am Main; † 6. August 1969 in Visp, Schweiz; eigentlich Theodor Ludwig Wiesengrund) war ein deutscher Philosoph, Soziologe, Musiktheoretiker und Komponist. Seine Arbeiten als Philosoph und Soziologe stehen in der Tradition von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Karl Marx und Sigmund Freud. Mit seiner Gesellschaftskritik war er neben Max Horkheimer einer der Begründer und Hauptvertreter der als Frankfurter Schule oder Kritische Theorie bekannten Denkrichtung. Als „zweiter Meisterdenker der Frankfurter Schule“[1] repräsentierte er das Frankfurter Institut für Sozialforschung und galt wegen seiner schonungslosen Kritik am „Verblendungszusammenhang der bürgerlichen Gesellschaft“, der Auschwitz ermöglicht habe, als einer der theoretischen Väter der deutschen Studentenbewegung.

Wikipedia

Abbildung aus Wikipedia (Foto 1964, Jeremy J. Shapiro)

 
 
 

 
 
 
 
 

Freitag, 19. Juli 2013

Herbert Marcuses 115. Geburtstag

Herbert Marcuse (* 19. Juli 1898 in Berlin; † 29. Juli 1979 in Starnberg) war ein deutsch-US-amerikanischer Philosoph, Politologe und Soziologe.

Wikipedia
Abbildung aus Wikipedia (copyright holder: Marcuse family, represented by Harold Marcuse)

Siehe auch in Wikpedia:

Frankfurt School
Frankfurter Schule










 

Sonntag, 7. Juli 2013

Max Horkheimers 40. Todestag

Max Horkheimer (* 14. Februar 1895 in Zuffenhausen, heute zu Stuttgart; † 7. Juli 1973 in Nürnberg) war ein deutscher Sozialphilosoph und führender Kopf der Frankfurter Schule.

Wikipedia
Max Horkheimer-Archiv in Englisch bei marxists.org

Zitat:

Das Ende des Sprechens. – Wir beklagen, dass man nicht mehr sprechen kann. Die Menschen sind stumm, soviel sie auch reden mögen.
Heute ist die Rede schal, und die, welche nicht zuhören wollen, haben gar nicht so unrecht. Einesteils ist das Wort Lenkinstrument der armseligen Führergestalten der Massengesellschaft, ihr hypnotischer Hammer, der aus den Mäulern der Rundfunkgeräte und in der Einsamkeit der Untersuchungsgefängnisse zusammen mit den übrigen Foltermethoden Gehorsam erzwingt; andrerseits fristet es am Rande der zu Ende gehenden bürgerlichen Zivilisation ein mickriges Dasein als Bildungsgespenst. Aber auch von ihm lassen sich die verschüchterten ratlosen Nachkommen der Gebildeten bloß deshalb heimsuchen, weil sie schon die Morgenluft wittern, in der an die Stelle des Psychoanalytikers der Große Bruder tritt. Sie suchen Anweisung, weil sie selbst nicht mehr mit anderen redend einen eigenen Weg auftun können, einen eigenen Weg bahnen können. Deshalb ist es auch heute vergeblich zuzuhören. Das Sprechen ist überholt. Freilich auch das Tun, soweit es auf das Sprechen einmal bezogen war.
(Aus: Max Horkheimer: Notizen 1950 bis 1969 und Dämmerung. Notizen in Deutschland. Herausgegeben von Werner Brede. Einleitung von Alfred Schmidt. Frankfurt, S. Fischer Verlag 1974);









Montag, 14. Januar 2013

Dummheit - Stupidity



Ein BBC-Documentary (http://www.youtube.com/watch?v=IDsnCrSfzCQ), das ich vor einigen Jahren sah, machte mich nachdenklich, auch wegen der versteckten Misanthropie. Aber im Vergleich mit Überlegungen alter Denker ging der Film nicht in die Tiefe, kratzte nur an der Oberfläche, war „unterhaltend“.





Nur zwei Absätze aus dem umfangreichen Werk Friedrich Nietzsches sollen das verdeutlichen:


Die glücklichste und behaglichste Gestaltung der politisch-socialen Lage ist am wenigsten bei den Griechen zu finden; jenes Ziel schwebt unseren Zukunftsträumern vor. Schrecklich! Denn man muss es nach dem Maassstab beurtheilen: je mehr Geist, desto mehr Leid (wie die Griechen beweisen). Also auch: je mehr Dummheit, desto mehr Behagen. Der Bildungsphilister ist das behaglichste Geschöpf, welches je die Sonne gesehen hat; er wird eine gehörige Dummheit haben.

Nietzsche: Nachlass 1875 3/65.



Gram ist Erkenntniss. — Wie gern möchte man die falschen Behauptungen der Priester, es gebe einen Gott, der das Gute von uns verlangte, Wächter und Zeuge jeder Handlung, jedes Augenblickes, jedes Gedankens sei, der uns liebe, in allem Unglück unser Bestes wolle, — wie gern möchte man diese mit Wahrheiten vertauschen, welche ebenso heilsam, beruhigend und wohlthuend wären, wie jene Irrthümer! Doch solche Wahrheiten giebt es nicht; die Philosophie kann ihnen höchstens wiederum metaphysische Scheinbarkeiten (im Grunde ebenfalls Unwahrheiten) entgegensetzen. Nun ist aber die Tragödie die, dass man jene Dogmen der Religion und Metaphysik nicht glauben kann, wenn man die strenge Methode der Wahrheit im Herzen und Kopfe hat, andererseits durch die Entwickelung der Menschheit so zart, reizbar, leidend geworden ist, um Heil- und Trostmittel der höchsten Art nöthig zu haben; woraus also die Gefahr entsteht, dass der Mensch sich an der erkannten Wahrheit verblute. Diess drückt Byron in unsterblichen Versen aus:

Sorrow is knowledge: they who know the most
must mourn the deepst o’er the fatal truth,
the tree of knowledge is not that of life.
Gegen solche Sorgen hilft kein Mittel besser, als den feierlichen Leichtsinn Horazens, wenigstens für die schlimmsten Stunden und Sonnenfinsternisse der Seele, heraufzubeschwören und mit ihm zu sich selber zu sagen:
quid aeternis minorem
consiliis animum fatigas?
cur non sub alta vel platano vel hac
pinu jacentes —
Sicherlich aber ist Leichtsinn oder Schwermuth jeden Grades besser, als eine romantische Rückkehr und Fahnenflucht, eine Annäherung an das Christenthum in irgend einer Form: denn mit ihm kann man sich, nach dem gegenwärtigen Stande der Erkenntniss, schlechterdings nicht mehr einlassen, ohne sein intellectuales Gewissen heillos zu beschmutzen und vor sich und Anderen preiszugeben. Jene Schmerzen mögen peinlich genug sein: aber man kann ohne Schmerzen nicht zu einem Führer und Erzieher der Menschheit werden; und wehe Dem, welcher diess versuchen möchte und jenes reine Gewissen nicht mehr hätte!

Nietzsche, Menschliches Allzumenschlich 1/109 (KSA 2:108)


Das Glück der Dummen. Das Behagen, die Behaglichkeit, die Bequemlichkeit des Dummen, des “Bildungsphilisters“, des extrem Ein- und Angepassten, verlangt und bestätigt sich vor allem nach und durch Unterhaltung. Es ist das Wesen, das in der Massenkultur voll aufgeht als bedenkenloser Konsument, als Vielfraß, als Schnellfresser, als Oberflächlicher, der deshalb so geschätzt wird, weil er nur für ganz kurze Zeitspannen sich Befriedigung zu verschaffen vermag und daher dauernd in immer kürzeren Intervallen, wie ein Junky, seine Dosis braucht im Konsum der Konsumkultur.

Er schätzt die Zerstreuung, als ob die Sammlung und Konzentration Krankheiten wären. Das hilft ihm, keine eigentliche Position einnehmen zu müssen, wie sie für jedes Denken und Urteilen Voraussetzung ist. So vermag er trotz immensen Medienkonsums unwissend und unkritisch zu verbleiben, sich in seiner dummen Behaglichkeit pseudonaiv zu suhlen.

Der Dumme ist faulendes oder verfaultes Obst, das alles ansteckt, was ihm zu nahe kommt. Ein Gift.

In den Fünfziger- und Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts wurde das noch klarer und engagierter ausgesprochen, man denke z. B. nur an die Frankfurter Schule. Heute scheinen wir eingeholt, „embedded“, „integriert“ in der allgemeinen Versorgung.



Sonntag, 15. Juli 2012

Walter Benjamins 120. Geburtstag

Walter Bendix Schoenflies Benjamin, 15.7.1892 - 26.9.1940, war ein deutscher Philosoph, Literaturkritiker und Übersetzer der Werke von Balzac, Baudelaire und Marcel Proust.

Wikipedia


Die Waffen von morgen

Schlachten mit Chlorazetophenol, Diphenylaminchlorasin und Dichloräthylsulfid


Die obigen Bezeichnungen werden im kommenden Kriege ebenso populär sein wie »Schützengraben«, »U-Boot«, »Dicke Berta« und »Tank« im vergangenen. Für die zungenbrecherischen chemischen Vokabeln werden gefällige Abkürzungen in wenigen Tagen aufgekommen sein. Und diese, im Laufe einiger Stunden zu nie geahnter Aktualität beförderten Ausdrücke werden an Popularität den Wortschatz aller Frontberichte von 1914 bis 1918 überbieten.

Unmittelbar betreffen sie einen jeden. Der kommende Krieg wird eine geisterhafte Front haben. Eine Front, die gespenstisch bald über diese, bald über jene Metropole, in ihre Straßen und vor jede ihrer Haustüren vorgerückt wird. Dazu wird dieser Krieg, der Gaskrieg aus den Lüften, in nie gekanntem Sinne dieses Wortes, ein wahrhaft »atemraubender« Hasard sein. Denn seine schärfste strategische Eigenart liegt darin: bloßer und radikalster Angriffskrieg zu sein. Gegen die Gasangriffe aus der Luft gibt es keine zulängliche Gegenwehr. Selbst die privaten Schutzmaßregeln, die Gasmasken, versagen in den meisten Fällen. Das Tempo der kommenden kriegerischen Auseinandersetzung wird demnach durch das Bestreben diktiert werden, nicht sowohl sich zu verteidigen, als die vom Gegner verursachten Schrecken durch ein Zehnfaches von Schrecken zu überbieten. Daher ist es belanglos, wenn wohlmeinendere unter den Theoretikern uns das »humane« Tränengas in Aussicht stellen, ja, womöglich für den Gaskrieg Stimmung zu machen suchen, indem sie ihn dem Luftkrieg mit Explosivstoffen gegenüberstellen. Schärfer sehen andere, indem sie für den Gasangriff von vornherein dasjenige Motiv in den Vordergrund stellen, dessen wachsende Bedeutung bereits der vorige Krieg gelehrt hat: letzter Zweck der Aktionen des Flugzeuggeschwaders soll die Vernichtung des feindlichen Willens zum Widerstände sein. Durch einige wenige »raids« soll die Bevölkerung der feindlichen Zentren mit besinnungslosem Entsetzen derart erfüllt werden, daß jeder Appell an die Organisation der Abwehr versagt. Der Schrecken soll sich der Psychose nähern.

Ein Bild, das nichts von Wellsschen und Jules Verneschen Utopien an sich hat: In den Straßen Berlins verbreitet sich bei schönem, strahlendem Frühlingswetter ein Geruch wie von Veilchen. Das dauert einige Minuten lang. Danach wird die Luft erstickend. «Wem es nicht gelingt, aus ihrem Bereich zu entkommen, der wird in wenigen weiteren Minuten nichts mehr erkennen können, sein Gesicht, momentan, verlieren. Und glückt ihm weiterhin keine Flucht oder nimmt ihn kein Abtransport auf, so muß er ersticken. Das alles kann eines Tages eintreten, ohne daß in der Luft irgendein Flugzeug sichtbar, das Surren irgendeines Propellers vernehmbar wäre. Bei unverändert klarem Himmel und blendender Sonne. Aber unsichtbar und unhörbar, 5000 Meter hoch, steht ein Fluggeschwader, das Chlorazetophenol herabtropfen läßt, Tränengas, das »humanste« der neuen Mittel, das, wie bekannt, in den Gasangriffen des letzten Krieges bereits eine Rolle gespielt hat.

Kein zuverlässiges Mittel macht der Geschwader Wahrnehmung möglich, die in einer Höhe von 5 bis 6 Kilometern über der Erdoberfläche sich aufhalten. Zumindest öffentlich ist keins bekannt. Die gedämpfte Ouvertüre, die seit Jahren in den chemischen und technischen Laboratorien sich abspielt, dringt ja nur mit vereinzelten Mißtönen an die Ohren der Öffentlichkeit. Ab und zu erfährt man Dinge, wie die Erfindung eines empfindlichen Fernhörers, der das Surren der Propeller auf große Entfernungen hin registriert. Und einige Monate später dann wieder die Erfindung eines lautlosen Flugzeuges.

Einige Tatsachen, die der amerikanische Kriegskorrespondent William G. Shepherd in der »Liberty« über die »Anwendbarkeit« des französischen Flugparks im Kriege gibt, sind illustrativ.

Frankreich besitzt heute mindestens 2500 Flugzeuge im aktiven Friedensdienst; weitere sind in Reserve. Die Gesamttonnage der französischen Luftkräfte beträgt je nach der Flughöhe 600 bis 3000 Tonnen. Shepherd setzt London. Londons Zentrum mit dem Sitz aller lebenswichtigen Institute des britischen Imperiums bedeckt vier englische Quadratmeilen. Diese erfordern, um auf mehrere Monate hinaus unbewohnbar zu werden, 120 Tonnen Dichloräthylsulfid, Senfgas. Da zu gleicher Zeit über diesem Territorium maximal 250 Flieger – in ein und derselben Luftschicht natürlich – sich aufhalten können, jeder davon mindestens 500 Pfund mit sich führt und dieses Geschwader eine Tonne pro Minute abwirft, so steht – immer nach Shepherds Ansatz – das Herz des britischen Weltreichs nach zwei Stunden still.

An dergleichen Darstellungen ist das Bedenkliche, daß die menschliche Phantasie ihnen nachzukommen sich weigert und gerade das Ungeheure des drohenden Schicksals für die Denkfaulheit ein Vorwand wird. Deren Einrede kommt immer darauf hinaus, daß ein solcher Krieg entweder überhaupt »unmöglich« oder von verschwindend kurzer Dauer sein müßte. In Wahrheit wäre dieser Krieg nur dann im Handumdrehen beendet, wenn die jeweilige Basis der Flugzeuggeschwader den Streitenden bekannt wäre. Das ist nicht der Fall. Diese Basis nämlich braucht keineswegs auf dem Lande zu liegen. Irgendwo im Ozean können die Flugzeuge von den Mutterschiffen, die in den Gewässern des Weltmeeres unausgesetzt ihren Standort wechseln, sich erheben.

Wie sehen jene Giftgase aus, deren Gebrauch die Verabschiedung aller menschlichen Regungen voraussetzt? Bis heute kennen wir siebzehn; unter ihnen sind das Senfgas und das Lewisit die wichtigsten. Gegen beide geben Gasmasken keinen Schutz. Senfgas frißt das Fleisch und führt da, wo es nicht unmittelbar tödlich wirkt, Verbrennungen herbei, deren Heilung drei Monate beansprucht. Monatelang bleibt es an Gegenständen, die einmal mit ihm in Berührung gekommen sind, virulent. In den Regionen, die unter einem Senfgasangriff jemals gelegen haben, kann noch nach Monaten jeder Schritt auf dem Erdboden, jede Türklinke und jedes Brotmesser den Tod bringen. Senfgas macht wie viele andere giftige Gase alle Lebensmittel ungenießbar und vergiftet das Wasser. Die Strategen stellen sich die Verwendung dieses Mittels so vor: Gewisse taktisch wichtige Bezirke sind mit Wällen von Senfgas oder etwa von Diphenylaminchlorasin zu umgeben. Innerhalb dieser Wälle geht alles zugrunde, durch sie kann nichts eindringen. So lassen sich Häuser, Städte, Landschaften derart präparieren, daß monatelang weder animalisches noch pflanzliches Leben in ihnen aufkommen kann. Es erübrigt sich, zu bemerken, daß die Unterscheidung zwischen ziviler und kampftätiger Bevölkerung im Gaskriege fortfällt, damit aber eines der stärksten Fundamente des Völkerrechts. Das »Lewisit« ist ein Arsengift, dringt sofort ins Blut, tötet unwiderruflich, blitzartig alles Getroffene. Monatelang sind alle von schweren Gasangriffen betroffenen Bezirke durch Leichen verpestet. Schutz gibt es in solchen Gebieten natürlich nicht: Keller und Unterstände, die vor Explosivbomben allenfalls schützen, bringen bei Gasangriffen den sicheren Tod, weil das schwere Gas in die Tiefe sinkt.

Nun hat bekanntlich das Zentralkomitee des Völkerbundes eine »Kommission zum Studium des chemischen und bakteriologischen Krieges« eingesetzt. Dieser Kommission gehörten internationale Autoritäten an. Ihr Bericht hat nicht die gebührende Beachtung gefunden. Noch immer behaupten sich in der großen Politik Rüstungs- bzw. Abrüstungsprobleme, deren Belang vor den Tatsachen der chemischen Vorkehrungen in Nichts zerstiebt. Die Beharrlichkeit, mit der bei der Ausführung des Versailler Vertrages durch Deutschland lächerliche Militärrequisiten beanstandet wurden, hat nicht allein ihre unangenehme, sondern vor allem ihre höchst gefährliche Seite. Denn sie lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit vom einzig aktuellen Problem des internationalen Militarismus ab.








Donnerstag, 3. November 2011

Vortragsreihe des Kollegs Friedrich Nietzsche zieht eine Bilanz der Kritischen Theorie

Das Denken der Kritischen Theorie hat in der Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts mächtige Spuren hinterlassen. Intellektuelle aus vier Generationen wie Walter Benjamin, Siegfried Kracauer, Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Herbert Marcuse und Jürgen Habermas haben sich auf ganz unterschiedliche Weise mit der Frage nach der Signatur der Moderne auseinandergesetzt. Eine große Vortragsreihe des Kollegs Friedrich Nietzsche der Klassik Stiftung Weimar beleuchtet die systematischen Bedingungen, Formationen und Folgen der Kritischen Theorie nun im Rahmen einer umfassenden Bilanz.

Unter dem Titel »Der Ausnahmezustand als Regel« werden erstmals alle noch lebenden Vertreter der Kritischen Theorie (mit Ausnahme von Jürgen
Habermas) Antworten auf die Frage geben, worin das intellektuelle Erbe dieser philosophischen Schule besteht und inwiefern dieses Erbe auch weiterhin bedenkenswerte oder sogar notwendige Bedingungen der Philosophie des 21. Jahrhunderts abgibt. Axel Honneths provokante These, nach der »die geschichtsphilosophischen und soziologischen Grundannahmen der Frankfurter Schule nicht länger zu verteidigen sind«, soll dabei die Grundlage eines engagierten Diskurses bilden, der die Frage nach der Zukunft einer kritischen Theoriebildung von Gesellschaft stellen soll.

Eröffnet wird die Reihe am Montag, 07. November 2011, um 18 Uhr im Vortragssaal des Schiller-Museums durch Martin Jay (Berkeley), den bedeutendsten Vertreter und Historiker der Kritischen Theorie in den USA.
In seinem Vortrag »After the eclipse: The light of reason in the late Critical Theory« wird er sich mit dem Begriff der »Vernunft« in der Kritischen Theorie auseinandersetzen.

Veranstaltungsdaten
»Der Ausnahmezustand als Regel. Eine Bilanz der Kritischen Theorie« November 2011 bis März 2012 | Weimar

Vortrag von Martin Jay:
»After the eclipse: The light of reason in the late Critical Theory« Montag, 07. November 2011 | 18 Uhr Schiller-Museum | Vortragssaal Schillerstraße 12 | 99423 Weimar Der Eintritt ist frei.
Der Vortrag wird auf Englisch gehalten, die Diskussion findet auf Deutsch statt.

Informationen zum Programm
Klassik Stiftung Weimar
Kolleg Friedrich Nietzsche
Rüdiger Schmidt-Grépály
Humboldtstraße 36 | 99425 Weimar
Tel +49 (0) 3643 | 545-630
Fax +49 (0) 3643 | 545-639
kolleg-nietzsche@klassik-stiftung.de
www.klassik-stiftung.de/kolleg-friedrich-nietzsche