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Donnerstag, 7. Januar 2016

Ethos des Lesens

Ausstellung zum Berliner Peter-Szondi-Institut
Was heisst eigentlich lesen?

Eine Ausstellung von Studenten, die die Geschichte ihres eigenen Instituts erforschen: Im Zentrum stehen die Jahre 1965–71, als Peter Szondi in Berlin die Komparatistik neu aufbaute. 

Mittwoch, 28. Januar 2015

Sinn und Form 1/2015 erschienen

In der jüngsten Ausgabe der "Beiträge zur Literatur", die in unserer Bibliothek aufliegt, sind einige besonders interessante Beiträge:
Jürgen Crosse: Melancholie und Trauer. Zur Philosophie der Stimmungen im Werk Ciorans

Wsewolod Petrow: Erinnerungen an Michail Kusmin und Anna Achmatowa. Mit einer Nachbemerkung von Oleg Jurjew

Wolfgang Schuller: Melvin Lasky uind die Kultur im Kalten Kriegf. Eine Spuk- und Skandalgeschichte

Gunnar Decker: Hoffnmung ist Gefahr. Die DDR-Intellektuellen und die sechziger Jahre.

Dienstag, 2. Dezember 2014

Humboldt-Universität Mobbing, trotzkistisch

Ein Berliner Historiker wird diffamiert. Doch worum geht es in dem Disput? Um fachliche Mängel, etwa? Nein, es geht um eine wissenschaftliche Rufschädigung, wegen seiner streitbaren Forschung.
Jürgen Kaube, FAZ 01.12.2014

Weltsozialisten jagen Jörg Baberowski und Herfried Münkler. Die Humboldt-Universität reagiert.

Siehe asuch unsere Beiträge zur Trotzki-Affäre aufgrund der Biografie von Robert Service (links oben im Suchfeld "Trotzki" eingeben).

Montag, 17. November 2014

Deutsche Buchvernichtung: Humboldt Uni lässt Bücher vergammeln

Bücher der Humboldt-Uni Schimmelreiter

Die Berliner Humboldt-Universität lässt 50.000 wertvolle Bücher vergammeln. Schuld ist ein Loch in der Decke. Die Bände sollen jetzt vernichtet werden. Eine bibliophile Tragödie.

Regina Mönch, FAZ 16.11.2014

Freitag, 13. Juni 2014

Walter-Höllerer-Vorlesung von Daniel Kehlmann

Daniel Kehlmann hält Walter-Höllerer-Vorlesung 2014 an der TU Berlin / Einladung
Danny Torrance fürchtet sich. Über einige imaginäre Wesen" lautet der Titel des Vortrags, den der bekannte Autor Daniel Kehlmann im Rahmen der 7. Walter-Höllerer-Vorlesung 2014 an der TU Berlin halten wird. Dabei beschäftigt er sich mit der Geschichte und Aura imaginärer Wesen in der

Literatur: von Jeremias Gotthelfs Schwarzer Spinne" über Tolkiens Elben und Stephen Kings Zombies bis hin zu den Hexen in Shakespeares Macbeth".

Was tut ein Schriftsteller, wenn er Wesen erfindet, die es nicht gibt, auf welche Traditionen stützt er sich, und mit welchen psychologischen Mechanismen spielt er? Daniel Kehlmann unternimmt in seinem Vortrag einen Streifzug durch die hohe und die angeblich triviale Literatur.

Eine Einführung in den Vortrag wird Prof. Dr. Florian Höllerer, Leiter des Literarischen Colloquiums Berlin (LCB), geben.

Veranstaltet wird die Höllerer-Vorlesung von der Gesellschaft von Freunden der TU Berlin e.V. Bitte weisen Sie in Ihrem Medium auf die öffentliche Veranstaltung hin. Der Eintritt ist frei. Journalistinnen und Journalisten sind herzlich eingeladen:

Zeit: am 8.7.2014, 18.00 Uhr c.t.
Ort: Berlin,   TU-Hauptgebäude, Audimax (H105), Straße des 17. Juni 135, 10623

Interessierte werden gebeten, sich bis zum 27. Juni 2014 zu der Veranstaltung per E-Mail anzumelden unter sekretariat@freunde.tu-berlin.de

Daniel Kehlmann
Mit seinem Roman Die Vermessung der Welt", der in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurde, ist Daniel Kehlmann weltberühmt geworden. Inzwischen liegen über zwölf Bücher sowie auch Theaterstücke vor, für die er mit etlichen der renommiertesten Literaturpreise wie dem Thomas-Mann-Preis" ausgezeichnet wurde. Daniel Kehlmann ist aber nicht nur ein vielgelesener Schriftsteller, sondern auch ein begehrter Vortragender. Mehrere Universitäten luden ihn zu Poetik-Dozenturen ein, darunter die Humboldt- Universität zu Berlin und die New York University. Theaterleuten ist seine Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele 2009 im Ohr, in der er sich kritisch mit dem heutigen deutschsprachigen Regietheater auseinandersetzte. Zurzeit läuft sein Theaterstück Der Mentor" im Theater und der Komödie am Kurfürstendamm in Berlin.

Zur Höllerer-Vorlesung
Die Höllerer-Vorlesung ist Walter Höllerer (1922 2003) gewidmet, dem bedeutenden Lyriker und TU-Germanistik-Professor, Mitglied der Gruppe 47, der den Vorsatz der neuen TU Berlin nach dem Krieg die Verbindung und Durchdringung von Technik und Humanismus mit Inhalten füllte. Walter Höllerer erhielt 1959 die Professur für Neuere Deutsche Literatur an der TU Berlin, die er bis zu seiner Emeritierung 1988 inne hatte.

Die Gesellschaft von Freunden der TU Berlin e.V. hat in Erinnerung an den bekannten Germanisten die Vorlesungsreihe ins Leben gerufen und lädt einmal im Jahr renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Autoren als Redner ein.

Montag, 30. September 2013

Franz Oppenheimers 70. Todestag

Franz Oppenheimer (* 30. März 1864 in Berlin; † 30. September 1943 in Los Angeles) war ein deutscher Arzt, Soziologe, Nationalökonom und Zionist.
Wikipedia

Sonntag, 18. August 2013

Mittwoch, 27. Februar 2013

80. Jahrestag des Berliner Reichstagsbrandes

Mit Reichstagsbrand wird der Brand des Reichstagsgebäudes in Berlin in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 bezeichnet. Der Brand beruhte auf Brandstiftung. Am Tatort festgenommen wurde Marinus van der Lubbe. Allerdings konnten die Umstände und vor allem die Täterschaft nicht einwandfrei geklärt werden; sie sind auch heute noch Gegenstand einer Kontroverse.

Wikipedia

Abbildung aus Wikipedia (Bundesarchiv)




Sonntag, 15. Juli 2012

Walter Benjamins 120. Geburtstag

Walter Bendix Schoenflies Benjamin, 15.7.1892 - 26.9.1940, war ein deutscher Philosoph, Literaturkritiker und Übersetzer der Werke von Balzac, Baudelaire und Marcel Proust.

Wikipedia


Die Waffen von morgen

Schlachten mit Chlorazetophenol, Diphenylaminchlorasin und Dichloräthylsulfid


Die obigen Bezeichnungen werden im kommenden Kriege ebenso populär sein wie »Schützengraben«, »U-Boot«, »Dicke Berta« und »Tank« im vergangenen. Für die zungenbrecherischen chemischen Vokabeln werden gefällige Abkürzungen in wenigen Tagen aufgekommen sein. Und diese, im Laufe einiger Stunden zu nie geahnter Aktualität beförderten Ausdrücke werden an Popularität den Wortschatz aller Frontberichte von 1914 bis 1918 überbieten.

Unmittelbar betreffen sie einen jeden. Der kommende Krieg wird eine geisterhafte Front haben. Eine Front, die gespenstisch bald über diese, bald über jene Metropole, in ihre Straßen und vor jede ihrer Haustüren vorgerückt wird. Dazu wird dieser Krieg, der Gaskrieg aus den Lüften, in nie gekanntem Sinne dieses Wortes, ein wahrhaft »atemraubender« Hasard sein. Denn seine schärfste strategische Eigenart liegt darin: bloßer und radikalster Angriffskrieg zu sein. Gegen die Gasangriffe aus der Luft gibt es keine zulängliche Gegenwehr. Selbst die privaten Schutzmaßregeln, die Gasmasken, versagen in den meisten Fällen. Das Tempo der kommenden kriegerischen Auseinandersetzung wird demnach durch das Bestreben diktiert werden, nicht sowohl sich zu verteidigen, als die vom Gegner verursachten Schrecken durch ein Zehnfaches von Schrecken zu überbieten. Daher ist es belanglos, wenn wohlmeinendere unter den Theoretikern uns das »humane« Tränengas in Aussicht stellen, ja, womöglich für den Gaskrieg Stimmung zu machen suchen, indem sie ihn dem Luftkrieg mit Explosivstoffen gegenüberstellen. Schärfer sehen andere, indem sie für den Gasangriff von vornherein dasjenige Motiv in den Vordergrund stellen, dessen wachsende Bedeutung bereits der vorige Krieg gelehrt hat: letzter Zweck der Aktionen des Flugzeuggeschwaders soll die Vernichtung des feindlichen Willens zum Widerstände sein. Durch einige wenige »raids« soll die Bevölkerung der feindlichen Zentren mit besinnungslosem Entsetzen derart erfüllt werden, daß jeder Appell an die Organisation der Abwehr versagt. Der Schrecken soll sich der Psychose nähern.

Ein Bild, das nichts von Wellsschen und Jules Verneschen Utopien an sich hat: In den Straßen Berlins verbreitet sich bei schönem, strahlendem Frühlingswetter ein Geruch wie von Veilchen. Das dauert einige Minuten lang. Danach wird die Luft erstickend. «Wem es nicht gelingt, aus ihrem Bereich zu entkommen, der wird in wenigen weiteren Minuten nichts mehr erkennen können, sein Gesicht, momentan, verlieren. Und glückt ihm weiterhin keine Flucht oder nimmt ihn kein Abtransport auf, so muß er ersticken. Das alles kann eines Tages eintreten, ohne daß in der Luft irgendein Flugzeug sichtbar, das Surren irgendeines Propellers vernehmbar wäre. Bei unverändert klarem Himmel und blendender Sonne. Aber unsichtbar und unhörbar, 5000 Meter hoch, steht ein Fluggeschwader, das Chlorazetophenol herabtropfen läßt, Tränengas, das »humanste« der neuen Mittel, das, wie bekannt, in den Gasangriffen des letzten Krieges bereits eine Rolle gespielt hat.

Kein zuverlässiges Mittel macht der Geschwader Wahrnehmung möglich, die in einer Höhe von 5 bis 6 Kilometern über der Erdoberfläche sich aufhalten. Zumindest öffentlich ist keins bekannt. Die gedämpfte Ouvertüre, die seit Jahren in den chemischen und technischen Laboratorien sich abspielt, dringt ja nur mit vereinzelten Mißtönen an die Ohren der Öffentlichkeit. Ab und zu erfährt man Dinge, wie die Erfindung eines empfindlichen Fernhörers, der das Surren der Propeller auf große Entfernungen hin registriert. Und einige Monate später dann wieder die Erfindung eines lautlosen Flugzeuges.

Einige Tatsachen, die der amerikanische Kriegskorrespondent William G. Shepherd in der »Liberty« über die »Anwendbarkeit« des französischen Flugparks im Kriege gibt, sind illustrativ.

Frankreich besitzt heute mindestens 2500 Flugzeuge im aktiven Friedensdienst; weitere sind in Reserve. Die Gesamttonnage der französischen Luftkräfte beträgt je nach der Flughöhe 600 bis 3000 Tonnen. Shepherd setzt London. Londons Zentrum mit dem Sitz aller lebenswichtigen Institute des britischen Imperiums bedeckt vier englische Quadratmeilen. Diese erfordern, um auf mehrere Monate hinaus unbewohnbar zu werden, 120 Tonnen Dichloräthylsulfid, Senfgas. Da zu gleicher Zeit über diesem Territorium maximal 250 Flieger – in ein und derselben Luftschicht natürlich – sich aufhalten können, jeder davon mindestens 500 Pfund mit sich führt und dieses Geschwader eine Tonne pro Minute abwirft, so steht – immer nach Shepherds Ansatz – das Herz des britischen Weltreichs nach zwei Stunden still.

An dergleichen Darstellungen ist das Bedenkliche, daß die menschliche Phantasie ihnen nachzukommen sich weigert und gerade das Ungeheure des drohenden Schicksals für die Denkfaulheit ein Vorwand wird. Deren Einrede kommt immer darauf hinaus, daß ein solcher Krieg entweder überhaupt »unmöglich« oder von verschwindend kurzer Dauer sein müßte. In Wahrheit wäre dieser Krieg nur dann im Handumdrehen beendet, wenn die jeweilige Basis der Flugzeuggeschwader den Streitenden bekannt wäre. Das ist nicht der Fall. Diese Basis nämlich braucht keineswegs auf dem Lande zu liegen. Irgendwo im Ozean können die Flugzeuge von den Mutterschiffen, die in den Gewässern des Weltmeeres unausgesetzt ihren Standort wechseln, sich erheben.

Wie sehen jene Giftgase aus, deren Gebrauch die Verabschiedung aller menschlichen Regungen voraussetzt? Bis heute kennen wir siebzehn; unter ihnen sind das Senfgas und das Lewisit die wichtigsten. Gegen beide geben Gasmasken keinen Schutz. Senfgas frißt das Fleisch und führt da, wo es nicht unmittelbar tödlich wirkt, Verbrennungen herbei, deren Heilung drei Monate beansprucht. Monatelang bleibt es an Gegenständen, die einmal mit ihm in Berührung gekommen sind, virulent. In den Regionen, die unter einem Senfgasangriff jemals gelegen haben, kann noch nach Monaten jeder Schritt auf dem Erdboden, jede Türklinke und jedes Brotmesser den Tod bringen. Senfgas macht wie viele andere giftige Gase alle Lebensmittel ungenießbar und vergiftet das Wasser. Die Strategen stellen sich die Verwendung dieses Mittels so vor: Gewisse taktisch wichtige Bezirke sind mit Wällen von Senfgas oder etwa von Diphenylaminchlorasin zu umgeben. Innerhalb dieser Wälle geht alles zugrunde, durch sie kann nichts eindringen. So lassen sich Häuser, Städte, Landschaften derart präparieren, daß monatelang weder animalisches noch pflanzliches Leben in ihnen aufkommen kann. Es erübrigt sich, zu bemerken, daß die Unterscheidung zwischen ziviler und kampftätiger Bevölkerung im Gaskriege fortfällt, damit aber eines der stärksten Fundamente des Völkerrechts. Das »Lewisit« ist ein Arsengift, dringt sofort ins Blut, tötet unwiderruflich, blitzartig alles Getroffene. Monatelang sind alle von schweren Gasangriffen betroffenen Bezirke durch Leichen verpestet. Schutz gibt es in solchen Gebieten natürlich nicht: Keller und Unterstände, die vor Explosivbomben allenfalls schützen, bringen bei Gasangriffen den sicheren Tod, weil das schwere Gas in die Tiefe sinkt.

Nun hat bekanntlich das Zentralkomitee des Völkerbundes eine »Kommission zum Studium des chemischen und bakteriologischen Krieges« eingesetzt. Dieser Kommission gehörten internationale Autoritäten an. Ihr Bericht hat nicht die gebührende Beachtung gefunden. Noch immer behaupten sich in der großen Politik Rüstungs- bzw. Abrüstungsprobleme, deren Belang vor den Tatsachen der chemischen Vorkehrungen in Nichts zerstiebt. Die Beharrlichkeit, mit der bei der Ausführung des Versailler Vertrages durch Deutschland lächerliche Militärrequisiten beanstandet wurden, hat nicht allein ihre unangenehme, sondern vor allem ihre höchst gefährliche Seite. Denn sie lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit vom einzig aktuellen Problem des internationalen Militarismus ab.








Freitag, 22. Juni 2012

Wilhelm von Humboldts 245. Geburtstag

Friedrich Wilhelm Christian Carl Ferdinand von Humboldt, kurz: Wilhelm von Humboldt, (* 22. Juni 1767 in Potsdam; † 8. April 1835 in Tegel) war ein deutscher Gelehrter, Staatsmann und Mitgründer der Universität Berlin (heute: Humboldt-Universität zu Berlin).
Wikipedia



Ein Brief aus der Sammlung "Briefe an eine Freundin" (entnommen Projekt Gutenberg-DE)


Burgörner, 1822.

Ich will Ihnen, beste Charlotte, heute einen Wunsch, eine Bitte aussprechen, durch deren Erfüllung Sie mir große Freude machen werden, die ich gewiß recht dankbar empfange. Ihre Lebensgeschichte, besonders auch die Entwicklung und seltene Ausbildung Ihres inneren Lebens, möchte ich gern im Zusammenhange übersehen und genau kennen. Dieser Wunsch ist schon durch Ihre früheren Briefe in mir erregt und entstanden und durch die jetzigen vermehrt. Schwer kann es ihnen nicht werden, Sie haben sich eine große Fertigkeit im Schreiben erworben. Sie schreiben leicht, gewandt, geläufig, natürlich und ausgezeichnet gut. Die Sprache steht Ihnen ganz ungewöhnlich zu Gebote. Ich sage Ihnen da keine Schmeichelei, es ist die Wahrheit, die ich mit Überzeugung ausspreche und die sich in jedem Ihrer Briefe darlegt.

Wollen Sie in meine Wünsche eingehen, so tun Sie es auf folgende Weise: Fangen Sie mit Ihrem Geburtstag und Jahr an, in chronologischer Folge und in der größten Ausführlichkeit. Schreiben Sie aus dem Gedächtnis, auf was Sie sich besinnen, nicht aus der Phantasie. Gehen Sie zurück in Ihre Kindheit und Jugend, zurück auf Ihre Eltern und Großeltern, auf Ihre Vorfahren, wenn Sie davon Nachricht haben. Lieb wäre es mir, wenn Sie in dritter Person redeten. Geben Sie den Orten und Menschen, wenn sie dahin kommen, auch mir, andere Namen, nur den Namen Charlotte behalten Sie. Ich habe das mit Goethe gemein, daß ich eine besondere Vorliebe für Ihren Namen habe. Aber reden Sie über sich vor allem wie über eine Dritte, loben und tadeln Sie sich, wo Sie ein anderer loben und tadeln würde.

Was ich besorge, ist, daß Sie von schmerzlichen Erinnerungen ergriffen werden, da ich ja schon weiß, daß Sie viel gelitten haben. Allein vorerst sind Sie davon noch fern. Kindheit und Jugend sind meist heiter und froh, und waren es gewiß auch bei Ihnen, und die Schilderung beider werde ich von Ihnen mit Freude empfangen. Sie schreiben nur für mich, und kein anderes Auge als das meinige ruht auf dem, was Sie für mich schreiben. Ich sehe Ihrem Entschluß und Ihrer Antwort mit Verlangen entgegen. Leben Sie herzlich wohl!

Ihr
H.

[Fußnote] Ich sehe Ihrem Entschluß und Ihrer Antwort mit Verlangen entgegen: Darauf hat Charlotte in einem Brief geantwortet, der als einer der wenigen von ihr erhaltenen hier Aufnahme finden möge. »Der Wunsch, den Sie, hochverehrtester Freund, mir in Ihrem letzten Brief aussprechen, ist ein neuer Beweis Ihrer höchst gütigen Teilnahme, den ich sehr dankbar empfinde und erkenne, und zugleich tief die Verpflichtung fühle, Ihren Forderungen zu entsprechen. Zugleich aber gestehe ich, daß ich auch erschreckt bin, indem Schwierigkeiten und Bedenklichkeiten mir entgegentreten. Zuerst erlauben Sie mir die Einwendung: Wo soll ich den Mut finden, Ihnen, der Sie Welt, Leben, Begebenheiten und Menschen in den größten Erscheinungen sahen, mein Leben in seinen Verhängnissen vorzuführen, die, wenn sie gleich für mich von großer Wichtigkeit waren, Ihrem Blick sehr unbedeutend erscheinen müssen. Dann ist auch vieles durch die Zeit verblichen, anderes mehr noch weit in die Vergangenheit zurückgetreten, wodurch ein solches Unternehmen sehr erschwert wird. Die freundlich-schmeichelnden Belobungen meines Schreibens erkenne ich dankbar, sehe aber zugleich, daß sie mich ermutigen sollen. Ich antworte auf der Stelle, wie Sie das wollen, um ganz ehrlich den ersten Eindruck auszusprechen. Gewähren Sie mir, teuerster, gütigster Freund, daß ich die Sache erst von allen Seiten ruhig erwäge. Ob ich die mir angeborene Schüchternheit, die mich beschämt zurückweist, beherrschen werde? Ich wünsche es und will es hoffen, da mein Leben, auch in den verwickeltsten Lagen und Verhältnissen, wie in dem Innern von Ihnen gekannt, erkannt und verstanden sein möchte, und nur so, wie es bisher geschehen, in der einfachsten Wahrheit. ~ Daß ich noch einmal, und nur noch einmal auf Ihre viel zu gütige Belobung meines Schreibens zurückkomme, verzeihen Sie mir gewiß. Es ist große, unendliche Güte, das weiß ich, und kein Spott, ob es vielleicht den Schein des Spottes haben könnte; denn wessen Feder hat einen ähnlichen Zauber wie die Ihrige! Ich habe nie Anspruch an Schönschreiben gemacht; ich habe mich sogar vor dem Bestreben danach gehütet: denn ich meine, es führt dem Charakter manche Gefahren herbei. Früher als die meisten Frauen habe ich viel geschrieben, teils weil es so sein mußte, teils aus Neigung. Zuerst achtete ich streng darauf, daß ich mich schriftlich wie mündlich ausdrückte; dies ist Forderung meines Charakters, der das Unwahre und Falsche wegweist; dann hütete ich mich vor Übertreibungen, die mir immer zuwider waren. So blieb wohl der Ausdruck meiner Empfindungen einfach und natürlich, um so mehr, da mir alles Gesuchte und Schwülstige sehr mißfällt. Da ich zugleich früher, als es meist der Fall ist, Geschäftssachen besorgen mußte, machte dies Klarheit der Darstellung durchaus nötig. Auf diese Art gewann ich vielleicht mehr Übung und Gewandtheit im Schreiben, als ich ohne diese Notwendigkeit erlangt hätte; ich gewann zugleich diese Art der Beschäftigung zu meiner eigenen Ausbildung lieb und schrieb viel für mich selbst. Wie hätte ich ahnen können, daß diese Übung mir einst später den Weg bahnen würde, mich dem teuern Gegenstande vieljähriger liebevoller Verehrung wieder zu nahen! In dem, was ich hier sage, erkennen Sie schon meine Bereitwilligkeit, Ihnen zu gehorchen, und ich darf die Bitte wiederholen: Gewähren Sie mir einige Tage der Überlegung. Nachher will ich Ihnen offen und gerade die Resultate derselben mitteilen.

»Eines aber erlauben Sie mir gleich einzuwenden: in dritter Person zu Ihnen zu reden; was ich allein für Sie schreibe, würde mir einen hindernden Zwang auflegen. Meine Verhängnisse wie meine Bildung, beides ging aus meinem Innern hervor und wirkte dahin zurück. Tausend Frauen würden, hätten sie erlebt, was ich erlebte, ganz andere Schicksale daraus gestaltet haben. Diese über uns gebietende Individualität verschmilzt mit dem ewig waltenden Geschicke, wie es scheint. Wir können nur handeln, wie wir handeln; vieles, was andere tun, auch wenn wir es nicht tadeln, weist, als unvereinbar mit uns selbst, unser Inneres weg. Über solche Begebenheiten läßt sich nur im innigsten Vertrauen und in der einfachsten, ich möchte fast sagen einfältigsten Wahrheit reden. Dem schwergeprüften, gereiften Gemüt ist der Schein ganz gleichgültig; es bewahrt das tränenschwer Erlebte, gleich einem Heiligtum, verschlossen im Busen. Allein dem Allwissenden und der ewigen Liebe schließt es sich gläubig auf. Auch dem so innig und unendlich geliebten Jugendfreund kann und Will es eben so offen daliegen, und nur ihm allein! Wozu dann eine fremde, eine gesuchte, einengende Form? Ich darf dies einwenden, weil es natürlich ist, und ich nur für Sie schreibe. Ich bin oft aufgefordert, meine Lebensbegebenheiten selbst zu schreiben, oder jemand zu autorisieren und dazu das Material zu geben, aber ich habe es immer verschmäht. Man gelangt nach ungewöhnlichen Schicksalen dahin, sie nur in ihren heilbringenden Folgen zu betrachten, sie mit Ehrfurcht als höhere Fügungen anzusehen, ja selbst dankbar darauf hinzublicken. Wie wenig ist am Ende der Bahn daran gelegen, was wir erlebten, wie wichtig, wie unendlich viel, was daraus hervorging! Sollte ich Ihrer Teilnahme gewürdigt, Ihres segenreichen Einflusses teilhaftig werden, so durfte auch nichts anders sein, als es war. Demohngeachtet ist es natürlich, daß mich das Zurückrufen einer leidenvollen Vergangenheit sehr ergreift, und deshalb kann ich nicht gleich eine bestimmte Antwort geben. Sie wissen schon aus meinen früheren Briefen, daß ich ungewöhnlich und ungemein viel erlebte. Manche Bilder erbleichen und schwanken; ich möchte sie nicht wieder heraufholen, ja, ich darf das nicht; es würde mich zerstören, wollte ich zu lange verweilen in düstern, grauenvollen Gegenden. Sie scheinen sich selbst diese Einwendungen gemacht zu haben und wissen besser, als ich es sagen kann, daß, wer viel erlebt hat und großen Schmerz kennt, ihn schweigend ehrt, nicht davon redet noch reden kann, indes der, der den Schmerz weder kennt noch versteht, unendlich davon erzählt. Ich erwarte mit Zuversicht die Antwort und darf sie erwarten, denn Sie zürnen gewiß nicht über meine zaghaften Einwendungen und haben Nachsicht mit meiner Schwäche, indem Sie zugleich erkennen, daß es mein Wunsch und Wille ist, Ihnen zu gehorchen. Vielleicht übersende ich Ihnen schon früher, als Sie es erwarten, einige Bogen als Probe.« [Ende Fußnote]

Donnerstag, 21. Juni 2012

Mircea Cărtărescu erhält 4. Intern. Literaturpreis

Haus der Kulturen der Welt
Preisträger 2012: Mircea Cărtărescu : Der Körper

Literaturpreis für Mircea Cartarescu
DW, 4.6.2012

Mircea Cărtărescu - Der Alchemist von Bukarest
Katrin Hillgruber, Tagesspiegel, 6.6.2012

Wikipedia: Mircea Cărtărescu

Internationaler Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt
Wikipedia

Haus der Kulturen der Welt
Wikipedia


Elektrisierendes Kunstwerk - Cartarescus Roman "Der Körper" :


Mircea Cartarescu at European Language Label Awards 2011 (16.03.2012)
European Language Label Awards - Bucharest - the 16th of March 2012. Mini-conference of the Romanian writer - and professor - Mircea Cartarescu. The subject is "few considerations on the translation process":