Montag, 19. November 2018
Kurz & Soros & der braune Mob
Samstag, 4. April 2015
Vilma Mönckebergs 30. Todestag
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Nachruf im SPIEGEL, 15.4.1985:
Vilma Mönckeberg-Kollmar
Vilma Mönckeberg-Kollmar, 92. Professoren wurden bei ihr schwach, der spätere Reichspräsident Hindenburg lauschte andächtig, selbst hartgesottene Manager vermochte sie zu fesseln. Die gebürtige Wienerin, in erster Ehe mit einem Sohn des Hamburger Bürgermeisters Mönckeberg verheiratet, faszinierte ihr Publikum nicht mit Opernarien, sondern mit Grimms Märchen. Wenn Frau Mönckeberg-Kollmar "Rotkäppchen" erzählte, war das ein kleines Gesamtkunstwerk: Mit großen Gesten, rollenden Augen und eindringlicher Stimme zwang die "einmalige Erzählerin" ("Die Welt") die Zuhörer, sich den Bildern ihrer Geschichten zu überlassen. "Märchen darf man nicht nur mit den Ohren, man muß sie mit dem ganzen Körper hören. Ich dirigiere gewissermaßen - und meine Bewegungen bringen dann auch mein Publikum in Schwung. Märchen haben für mich etwas Tänzerisches." Wenig märchenhaft begann ihre Karriere. Sie studierte Phonetik, bekam 1919 an der neu gegründeten Uni Hamburg ein Lektorat für Sprecherziehung und gab Vortragsabende mit Volksmärchen aus aller Welt. In der Nazizeit verlor sie ihren Lehrauftrag. Nach dem Krieg leitete sie die deutsche Sektion der "Weltorganisation der Mütter aller Nationen", und schon 1957 beschwerte sie sich bei Adenauer darüber, daß er keine Frau ins Kabinett aufgenommen habe. Im Alter kämpfte sie nur noch für das saubere Märchen, gegen dessen Verkitschung. Schlimmste Beleidigung war für die alte Dame, Märchentante genannt zu werden, denn Märchen waren für sie "zu zehn Prozent Kindergeschichten und zu 90 Prozent Menschheitsgeschichte". Vilma Mönckeberg-Kollmar starb vorletzten Donnerstag in Hamburg-Blankenese.
DER SPIEGEL 16/1985
Es gibt eine Schallplatte, eine LP der Deutschen Grammophon Geellschaft mit dem Titel "Vilma Mönckeberg-Kollmar Erzählt", auf der die Rezitatorin Vilma Mönckeberg-Kollmar zu hören ist. Die Auswahl umfasst auf der A-Seite 3 europäische Märchen und auf der B-Seite 3 exotische. Auf dem Plattenumschlag ist auch in Hinweis zu lesen, den man später nicht mehr fand: "Um die Farbigkeit des Vortrags richtig zu erleben, wird empfohlen, die Platte leise abzuspielen."
Im Netz sind leider keine Tondokumente zu finden. Wenn wer Aufnahmen hat, möge er uns kontaktieren, wir würden gerne eine Kopie erhalten.
Donnerstag, 12. März 2015
650 Jahre Wiener Universität
Donnerstag, 17. Juli 2014
Heinz Zemanek gestorben
Der berühmte österreichische Informatiker Heinz Zemanek ist 94jährig in Wien am 16. Juli 2014 verstorben.Heinz Zemanek (* 1. Jänner 1920 in Wien; † 16. Juli 2014 ebenda) war ein österreichischer Computerpionier.
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Abbildung (2007) aus Wikipedia
Mittwoch, 2. Juli 2014
Christoph Willibald Glucks 300. Geburtstag
Christoph Willibald Ritter von Gluck (* 2. Juli 1714 in Erasbach bei Berching, Oberpfalz; † 15. November 1787 in Wien) war ein deutscher Komponist der Vorklassik. Er gilt als einer der bedeutendsten Opernkomponisten der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
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Abbildung aus Wikipedia
Internationale Gluck-Gesellschaft
Samstag, 26. April 2014
Ludwig Wittgensteins 125. Geburtstag
Er lieferte bedeutende Beiträge zur Philosophie der Logik, der Sprache und des Bewusstseins. Seine beiden Hauptwerke Logisch-philosophische Abhandlung (Tractatus Logico-Philosophicus 1921) und Philosophische Untersuchungen (1953, postum) wurden zu wichtigen Bezugspunkten zweier philosophischer Schulen, des Logischen Positivismus und der Analytischen Sprachphilosophie.
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Freitag, 13. Dezember 2013
Friedrich Hebbels 150. Todestag
Christian Friedrich Hebbel (* 18. März 1813 in Wesselburen, Dithmarschen; † 13. Dezember 1863 in Wien) war ein deutscher Dramatiker und Lyriker. Sein Pseudonym in der Jugend war Dr. J. F. Franz.Wikipedia
Abbildung aus Wikipedia (Gemälde 1851)
Literaturabend GLEICHGEWICHT
Samstag, 7. September 2013
Wendelin Schmidt-Denglers 5. Todestag
Wendelin Schmidt-Dengler (* 20. Mai 1942 in Zagreb; † 7. September 2008 in Wien) war ein österreichischer Literatur- und Sprachwissenschaftler. Schmidt-Dengler war Vorstand des Instituts für Germanistik der Universität Wien, Leiter des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek und Ehrenvorsitzender der Heimito von Doderer-Gesellschaft.Wikipedia
Abbildung aus Wikipedia (Tsui, 2007)
Vortrag von Wendelin Schmidt-Dengler im Rahmen der Ringvorlesung "Österreich nach dem Ende des Kalten Krieges" (Sommersemester 2007), Universität Wien im Rahmen der Ringvorlesung "Österreich nach dem Ende des Kalten Krieges" (Sommersemester 2007), Universität Wien
Video auf der Streaming-Service-Seite der Universität Wien
Freitag, 10. Mai 2013
Doreen Daume gestorben
Doreen Daume, am 20. Juli 1957 in Dortmund geboren, verstarb in Wien
am 2. Mai 2013; sie hatte sich als Übersetzerin aus dem Polnischen einen
Namen gemacht. Nach Wien war sie in den Achtzigerjahren wegen eines
Musikstudiums gekommen. Sie studierte dann Polnisch und Englisch an der
Universität Wien und begann seit 1999 polnische Literatur zu übersetzen,
Lyrik und Prosa.Ihre Arbeiten umfassen Werke von Czesław Miłosz, Wlodzimierz Kowalewski, Mariusz Grzebalski, Janusz Rudnicki, Piotr Sommer, Wlodzimierz Kowalewski, Marek Krajewski, Ewa Lipska, Andrzej Kopacki, Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki, Bruno Schulz. Die Übersetzung «Die Zimtläden» von Bruno Schulz erregte bewundernde Aufmerksamkeit und wurde besonders gelobt. Daume erhielt etliche Übersetzerstipendien und Preise, unter anderem den Österreichischen Staatspreis für Literaturübersetzung (2008).
Doreen Daume war eine sprachsensible Person, die es sich nicht leicht machte. Sie tauchte ein in die Sprachen, ihre deutsche Muttersprache und ins Polnische, das sie erlernt hatte. Ihre Übertragungen öffnen weite Felder und Sichten.
Es war 2002, als sie mir zum Geburtstag das Buch «Graffiti» von Mariusz Grzebalski schenkte, das sie übersetzt hatte (Edition Korrespondenzen, Wien). Gleich das erste Gedicht, «Tod», wirkt wie ein Paukenschlag. Heute, nach dem frühen Tod von Doreen Daume, ist es dieses Gedicht, das ich beklommen wiederlese, als ob es durch «die Umstände» eine zusätzliche Bedeutung erlangte, die ich vorher nicht so direkt ins Auge gefasst hatte: «Einmal wird er auch hierher kommen, in dieses Haus», beginnt es, und schließt mit dem lapidaren Satz «Und nichts mehr wird sein.»
Doreen Daume ist nicht mehr. Aber ihre Übersetzungen sind. Sie dauern und leben weiter.
Mariusz Grzebalski
Tod
Einmal wird er auch hierher kommen, in dieses Haus,
wo die Wände frisch geweißt sind,
und wo hinter der schläfrigen Tür
die junge Frau mit ihrem harten Körper
das Kleid zerknittert.
Wo ihre Berührung und ihre zärtlichen Gesten sind.
Und wo der Engel des Lachens an der Wand
noch so schwach ist. Wo
das unerträgliche Insekt der Frauenlippen
in einem fort die Flügel hebt.
Einmal wird er erscheinen, mit leerem Gesicht,
mit einem Band schwarzer Lippen
um den Kopf. Ich werde
in den Schnee hinauslaufen, ein schweigender Baum
mit sich überstürzenden Beinen.
Und nichts mehr wird sein.
Śmierć
Kiedyś przyjdzie i tutaj, do tego domu,
gdzie ściany świeżo bielone,
a za sennymi drzwiami
młoda kobieta twardym ciałem
rozgniata suknie.
Gdzie jej dotyk i czułe gesty.
I anioł śmiechu na ścianie
jeszcze wątły. Gdzie
nieznośny owad ust kobiecych
podnosi wciąż skrzydła.
Kiedyś się zjawi, z twarzą pustą,
z otokiem czarnych ust
dookoła głowy. Ja
na śnieg wybiegnę, milczące drzewo
na rwących się nogach.
I nic już nie będzie.
Aus: Mariusz Grzebalski: Graffiti. Gedichte. Aus dem Polnischen von Doreen Daume. Mit einem Nachwort von Alfred Kolleritsch. Edition Korrespondenzen, Wien 2001, ISBN 3-902113-80-1
Mit Dank für die Abdruckerlaubnis des Verlags Edition Korrespondenzen für das Gedicht in Originalversion und Übersetzung.
Abbildung aus Wikipedia (Foto Marek Wilczynski, 2009)
Haimo L. Handl
Freitag, 8. Februar 2013
Martin Bubers 135. Geburtstag
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Abbildung aus Wikipedia
Martin Buber-Gesellschaft
Montag, 17. Dezember 2012
Ludwig van Beethovens 242. Geburtstag
Ludwig van Beethoven (getauft 17. Dezember 1770 in Bonn, Kurköln; † 26. März 1827 in Wien, Österreich) war ein deutscher Komponist. Er gilt als der Komponist, der die Musik der Wiener Klassik zu ihrer höchsten Entwicklung geführt und der Romantik den Weg bereitet hat.Wikipedia
Beethoven und Goethe trafen sich nur einmal. die Begegnung wird als symbolträchtig immer wieder kolportiert, z. B. hier: Das Treffen in Teplitz, DIE ZEIT, 5.7.2012 Nr. 28
Schatten und Sternenlicht über Musik-Trümmern. Adorno zu Beethovens Spätwerk am Beispiel op. 111; Walter Tydecks 2008
Beethoven, Adorno, and the Dialectics of Freedom
James Gordon Finlayson
Live Recording: Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main 01.12.2011 Großer Saal
Ludwig von Beethoven, Sonata Nr. 32 c-Moll op.111
I. Maestoso -- Allegro con brio ed appassionato
II. Adagio molto semplice e cantabile
Zu Beethoven und Musik als Sprache s. Hofmannsthal, „Beethoven“, in „Reden und Aufsätze“, Leipzig 1921, S. 6: „aus unzerbrochenem, im Aufruhr noch frommem (!) Gemüt ward er der Schöpfer einer Sprache. In dieser Sprache ist er ganz: mehr als Klang und Ton, mehr auch als Symphonie, mehr als Hymnus, mehr als Gebet: es ist ein nicht Auszusagendes: eines Menschen Gebärde ist darin, der dasteht vor Gott. Hier war ein Wort, aber nicht das entweihte der Sprache, hier war das lebendige Wort und die lebendige Tat, und sie waren eins.“ Dies Zitat, in dem einige der tiefsten Einsichten (Rekonstruktion der Sprache, Geste des Standhaltenden – vgl. dies Heft, Ausdruck des Themas der IX. –) unter einem Schwall von Kulturphrasen verschüttet liegt, ist mit größter Vorsicht zu bringen. – Beethovens Werk insgesamt als Rekonstruktionsversuch. [Fragment 326]Adorno: Beethoven, Frankfurt, Suhrkamp 1993
Dienstag, 17. Januar 2012
Todestag von Adam Heinrich Müller
Adam Heinrich Müller, seit 1826 oder 1827 Ritter von Nitterdorf (30. Juni 1779 in Berlin - 17. Januar 1829 in Wien) war ein deutscher Philosoph, Diplomat, Publizist und Staatstheoretiker. Er gehörte dem Wiener Romantikerkreis an.Wikipedia
Ein früher Wendehals, ein, würde man heute sagen, "smarter" Typ:
Adam Müller - Rechte Stütze (SPIEGEL 1967)
Der Konvertit Müller bot schon früh das glitschige Bild des professionellen Opportunisten, Romantikers und beinharten, reaktionären Staatsbüttel, der für Zensur, Todesstrafe und Verfolgung eintrat, der wenig las, aber einiges publizierte, intrigierte, spionierte und es sich dabei gut gehen ließ.
Mit Heinrich von Kleist gab er die Zeitschrift PHÖBUS heraus (1808); nachdem dieses Unterfangen unprofesionell angegangen worden war, keine namhaften Autoren mitmachten, mussten die beiden Herausgeber selbst Eigenmittel zuschießen und zestritten sich; nach 12 Nummern war aus.
Schon früh, als er Hauslehrer der Familie Haza-Radlitz in Posen war, verknallte er sich in die Gattin Sophie und entschwand mit ihr nach Dresden. Kleist, der aufrechte Kämpfer für Ehre und Vaterland, war auch geil auf die Sophie und deshalb eifersüchtig auf den Konkurrenten und versuchte ihn in die Elbe zu stürzen, ließ aber davon ab und gab sich zufrieden mit der Verkupplung mit Müllers Exgelieberter Henriette Vogel.So waren die Grundlagen gelegt für Kleists Dichterschicksal; aus den persönlichen Wirrnissen konnte er gekonnt tiefsinnig abendländische Meisterwerke schaffen, während sein früherer Kumpane es vorzog, oberflächlich-pragmatisch erfolgreich zu werden.
Müllers Ende ist bühnenreif: Es ließe sich wie eine E. A. Poe-Persiflage darstellen. Leider fehlt eine deratiger dramatischer Beitrag in der Weltliteratur.
Dienstag, 10. Januar 2012
Völkerkundemuseum Zürich zeigt Wiener Ausstellung der Kulturrevolution

Die Kultur der Kulturrevolution. Personenkult und politisches Design im China von Mao Zedong
Die «Grosse Proletarische Kulturrevolution» Chinas (1966-1976) steht für eine wechselvolle Periode chinesischer Zeitgeschichte, die bis heute unterschiedlich rezipiert und bewertet wird. In der Ausstellung werden Objekte und Dokumente dieser Zeit aufbereitet und in ihrer Bedeutung für die von Symbolen und Parolen des Mao-Kultes und der politischen Propaganda durchdrungene Alltagskultur entschlüsselt. Die Exponate dokumentieren jedoch nicht nur «Traum und Terror» der Kulturrevolution, sondern auch das Übergreifen des maoistischen Gedankenguts auf die 1968er Bewegungen im Westen und die nostalgisch bis kritische Mao-Revitalisierung in der Souvenir- und Künstlerlandschaft des heutigen China.Übernahmeausstellung in Kooperation mit dem Museum für Völkerkunde Wien
Datum/Zeit Donnerstag, 26. Januar 2012, 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr
MitEröffnung der Ausstellung.
Ort Völkerkundemuseum, Pelikanstr. 40, 8001 Zürich
Raum: Hörsaal, PEA
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Interessanterweise hat die Übernahme des Eufemismus "Kulturrevolution" für eine Revolution der UNKULTUR im Westen problem- und lückenlos stattgefunden. Niemand bricht sich die Zunge, wenn er heute noch, im 21. Jahrhundert, die Terrordekade von Mao Zedon "Kulturrevolution" nennt. Anders als bei der Nazizeit und existiert hier weder Sensibilität noch Sprachempfinden. Es wird "mitgemacht".
Einige Videos, die NICHT im Ausstellungsprogramm sind, sondern von Youtube:
Nachtrag:
Erstmals wird die KULTURrevolution in einem Qualitätsmassenmedium mit UNKULTUR assoziiert:
Unkultur der Kulturrevolution
Personenkult und Polit-Design im China Mao Zedongs – eine Ausstellung im Völkerkundemuseum Zürich
Philipp Meier, Neue Zürcher Zeitung, 27.1.2012
Dienstag, 13. Dezember 2011
Weltberühmt
Das ist nur in Wien möglich: nicht nur in Wien berühmt sein, nein, weltberühmt sein, aber außerhalb dennoch nichts sein. Wie geht das? Vielleicht, weil für Wiener Wien die Welt ist.
Dienstag, 27. September 2011
Büchereiausflug
Heute fuhr und wanderte ich in die Wiener Hauptbücherei am Urban Loritz-Platz. Ein Gebäude, das besser aussieht, als es den Nutzern dienlich wäre; die Architektur bietet keine Voraussetzungen für einen ernsthaften Bibliotheksbetrieb. Darunter zähle ich unter anderem, dass man ungestört lesen kann. Also kein Lärm. Dass die Besucher die Regeln einhalten und nicht laut quasseln, rufen, kreischen etc.
Aber die Bücherei ist ein Sozialzentrum, in welchem junge und ältere Mütter mit ihren Kindern sich aufhalten. Kinder machen Lärm. Fein. Aber weshalb in der Bücherei? In Wien ist das Gebäude „offen“, das heißt, man hört alles überall. Wenn dann das ungehobelte Benehmen der Ungebildeten hinzukommt, ist man nicht mehr in einer Bibliothek, sondern in einer Lärmstätte.
Manchmal scheint mir, sie wollen der nahen Lugner City Konkurrenz machen: Hauptsache, die Jungen kommen. Die Bücherei holt sie ab, wo sie sind. Sie sind laut.
Eigentlich wollte ich nicht darüber was sagen. Aber es kam halt hoch. Es gibt auch lustige Erlebnisse, auch wenn sie eigen oder laut sind. Als ich bei einem Zeitschriftenregal etwas suche, beginnt ein Mann, über seinen Laptop gebeugt, zu reden. Zuerst vermute ich, er telefoniert. Nein. Er redet mit sich. Aber so laut, dass er alle andern in der Umgebung miteinbezieht. Sehr sozial. Plötzlich klappt er seinen Laptop zu, steht auf und redet noch lauter. Jetzt wird es fast ein Schimpfen. Das ist für mich schwer zu beurteilen, weil er als offensichtlicher Orientale in einer mir fremden Sprache spricht. Die kann leicht schimpfend klingen, während sie nur intensiv ist. Er ist in einem Dialog mit sich. Lauter Abgang. Eine Studierende, die ihn verdutzt, aber ruhig und ohne eine Bemerkung zu äußern, angesehen hatte, blickt ihm, wie ich, nach. Jetzt prustet sie mit einem Lachen los. „Ja, das gibt’s hier und noch vieles mehr.“ Prima, echt lebendig.
Ich suche das WC auf. Einige Frauen im Vorraum. Eine putzt sich umständlich die Zähne. Ihre großen Taschen liegen am Boden. Als sie fertig ist und noch umständlicher ihren Mund spült, beginnt sie zu reden. Mit sich. Das gibt’s doch nicht! Schon wieder. Dort ein Mann, hier eine Frau. Wer als nächstes? Während sie ihre Zahnbürste verstaut, redet sie in einem Schwall von Selbstgespräch weiter, ohne uns andere zu beachten. Wir sind Luft für sie, inexistent. Ich vermute aber, sie rechnet sehr wohl mit unserer Gegenwart, sonst würde sie nicht so laut reden. Zu sich könnte sie doch auch leiser reden? Vielleicht täusche ich mich. In harten Zeiten muss frau anhörend lauter werden.
Ich gehe zum Fotokopierer. Vis-a-vis sitzt eine junge, blonde, bebrillte Frau mit dunklen Strumpfhosen. Es ist heiß. Draußen und drinnen. Sie hat die Beine übereinander geschlagen. Sie liest konzentriert. Ihr gegenüber sitzt ein junges Mädchen, die jetzt aufsteht, seine Sachen zusammenklaubt und abgeht. Ein Junge setzt sich in den Sessel und blickt konzentriert auf die ihm gegenübersitzende Strumpfhosendame, die liest. Er beginnt zu lesen, aber, wie ich sehe, während ich das Buch zum Kopieren umlege, äugt er gierig auf ihren Schenkelansatz. Schöne Lektüre.
Zwei Jugendliche kommen den Gang entlang und reden überlaut. Englisch oder Amerikanisch. Auch sie sind so sozial, dass sie niemanden von ihrem Mitteilungsbedürfnis ausschließen. Einfach nett hier.
Als ich meine Kopien habe, verlasse ich die Bildungsstätte und trete auf den Vorplatz. Dort ist es, bis auf den Straßenverkehr, leiser als in der Bücherburg. Im Moment zumindest grölt kein Besoffener, kotzt kein Junky, wimmert kein geschlagenes Kind, kreischt keine Nervöse. Fast unwirklich für eine Großstadt.
Freitag, 16. September 2011
Wiener Strassenkünstlerfestival

http://www.youtube.com/watch?v=kepHt2CR-mk&feature=player_embedded
Ich war heute dort. So wie das Festival von Avignon ist es natürlich noch nicht, trotzdem hat mir sehr gut gefallen. Abgesehen davon, dass die Ursula Stenzl die Straßenkünstler verjagt hat, und der erste Bezirk mit Langweile belegt, komme ich drauf, wie sehr mir die die Straßenkünstler fehlten. Als ich nach Wien gekommen bin, vor 20 Jahren, bin ich oft durch den ersten Bezirk spazieren gegangen nur ihretwegen. Hab ich mich hingesetzt und war begeistert vom Großstadtflair in lauwarmen Sommernächten.
Zurück zum Thema: Ich möchte das Fest gerne Leuten empfehlen, die Kinder haben. Es gibt jede Menge zum Bestaunen für die 5 bis 10 Jährigen!


