In meinem kurzen Artikel "Der Papst und das Töten" griff ich die Doppelmoral und Doppelbödigkeit der katholischen Kirche an. Einerseits denunziert der Papst Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen als Mörderinnen (Auftragsmord),. andererseits deckt die Kirche seit Jahrzehnten Pädophile, die sich an Kindern und Jugendlichen vergehen, gibt die Daten nicht an staatliche Stellen, schützt die Täter vor Verfolgung und entlässt nur in ganz wenigen Fällen, wo der Skandal und das Verbrechen nicht mehr zuzudecken ist, die Missbrauchstäter. Der Staat kollaboriert, indem er nicht hart dagegen vorgeht. Viele Fälle sind verjährt. Aber nicht alle.Wenn dann die Bischöfe bei offenliegender Faktenlage sich zu einer "Entschuldigung" durchringen, meint man, dass das genüge. Es genügt nicht. Der Staatsschutz ist eine inakzeptable Unterstützung von Verbrechern.
Ich erhielt einige ablehnende Rückmeldungen. Einige regten sich auf über meine "Anklage" bzw. meinen harschen, verurteilenden Ton. Andere warnten, dass ich Prozesse gewärtigen müsse, wenn ich so pauschal die Kirche angreife.
Gerade heute, am 19.10.2018, wurde wieder im ARD, Tagesschau 24, eine Dokumentation ausgestrahlt: "Die Story im Ersten: Meine Täter, die Priester." Diese Doku ist leider nicht in der Mediathek abrufbar, wie einige andere auch nicht. Aber in Youtube gibt es z.B. drei jüngere Dokumentationen, die empfehlenswert sind und etwas Licht in die Machenschaften der Kirche und einiger ihrer Vertreter bringen:
Missbrauch in der Kirche Doku Neu
https://www.youtube.com/watch?v=F2zV-h02vcQ
Missbrauch durch Priester und dann? Richter Gottes. Die geheimen Prozesse der Kirche | DAS ERSTE
https://www.youtube.com/watch?v=XBizuzUD0cI
Die Story im Ersten: Meine Täter, die Priester
https://www.youtube.com/watch?v=X9Mz04dQKdw&list=PLQrsocOZ_VCkLO18itQZ4qyNvWJFXtfZ2
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Freitag, 19. Oktober 2018
Donnerstag, 18. Oktober 2018
Der Papst und das Töten
Der Papst und das Töten
Haimo L. Handl
Kürzlich äußerte sich der Papst, das Oberhaupt der
katholischen Kirche, wieder zur Abreibung. In einer Rede zum Generalthema Töten
(„Du sollst nicht töten“) ging der Pontifex nicht etwa auf Kriege und
Terrorismus ein, auf gezieltes Töten durch Regierungsorgane, oder auf
mafiotische Racheakte, sondern auf den Schwangerschaftsabbruch. Man muss die
skandalösen Aussagen dieses Mannes, der sich in weißem Gewand als die
Verkörperung des Herrn mit der weißen Weste gibt, so richtig von allen Seiten
beleuchten, um die abgrundtiefe Widersprüchlichkeit, von der seine „Heiligkeit“
(ja, sie nennen ihn „Heiligkeit“!) redet, würdigen zu können.
Er prangert ein widersprüchliches Denken an, aufgrund dessen
viele sich das Recht herausnehmen, ungeborenes Leben zu töten. Er erwähnt
natürlich nicht das widersprüchliche Handeln Kirche, dem sicher ein
widersprüchliches Denken unterliegt, Er fokussiert auf die Frauen und die
Ausübung des Rechts der Frauen, über IHREN Köper samt dem darin befindlichen
ungeborenen Leben selbst bestimmen zu dürfen. Das widerstrebt der Kirche seit
je. Es geht auch weniger um den Lebensschutz als um Kontrolle der Frauen, des
weiblichen Geschlechts und einer Fixierung ihrer Rolle als Gebärerin.
Der Papst verglich den Schwangerschaftsabbruch mit
Auftragsmord. Nun, man kann sich denken, dass die Kirche, die größte
Organisation mit systematischem Kindsmissbrauch, die auch heute noch eine
Aufdeckung, Verfolgung und Ahndung der Sexualstraftäter, der Kriminellen in ihren
Reihen, Priester und Bischöfe, ver- oder zumindest behindert, hier eine
Kampagne führt, die ablenken soll vom Bösen, das sie seit je verfolgt.
Der Papst meinte, und seine Meinung hat ja was
Heiligmäßiges: „Man darf kein menschliches Leben beenden, auch kein kleines, um
ein Problem zu lösen. Das ist so, als ob man einen Killer anheuern würde, um
ein Problem zu lösen". Klingt interessant. Der Oberhirte legt für seine
Herde, seine Schafe, noch eins drauf. Er wendet sich gegen den Individualismus
und sieht im Annehmen behinderter Kinder, die trotz Pränataldiagnostik zur Welt
gebracht werden, einen Humanakt.
Denn alle, auch behinderte Kinder (und er verbindet das
gleich mit den Alten, Gebrechlichen, Pflegebedürftigen), seien „Geschenke
Gottes“. Wer hat nicht gern Geschenke? Also, Schlussfolgerung: Mehr behinderte
Kinder als Geschenke Gottes, um unsere tiefe Liebe und Humanität zu beweisen.
Alle, die Prenataldiagnostik nutzen, sind des Teufels, sind Unterstützer des
Aussonderungsprogramms, sind Vorbereiter der Auftragsmorde. Keine Gentests im
Mutterleib. Der Mutterleib gehört nicht der Mutter, der Frau, sondern der
Gesellschaft. Die Frau ist nur Werkzeug, Maschine. Sie darf keine Rechte haben.
Sie muss das Programm der maskulinen Kirche, der „herr-lichen“ Gesellschaft,
erfüllen, sie muss weiblich denken und handeln, und zwar weiblich im
Verständnis des Mannes (der Neid auf die moslemischen Gesellschaften, wo dieses
alte, männliche Denken noch viel „ursprünglicher“ und extremer gilt und waltet,
ist unüberhörbar).
Wäre die Kirche eindeutig in ihrer Haltung gegen das Töten,
könnte man vernünftig argumentieren, weshalb es sich beim
Schwangerschaftsabbruch um einen Spezialfall handelt. Aber die Kirche ist
widersprüchlich, seit je. Und gerade hinsichtlich des Tötens, des geborenen
Lebens, nimmt sie dieses nicht nur hin, sondern segnet es bzw. hat es selbst
bis zur schieren Perfektion in der Geschichte organisiert. Ich spreche vom
Krieg und vom kriegerischen Töten. Und das betrifft nicht nur die Frühzeit der
Kirche, die Kreuzzüge und die Religionskriege, sondern die Haltung der Kirche
zum Militär und zum organisierten Töten. Heute widerspricht sie nicht nur
nicht, sondern unterstützt es weiterhin. Das geborene Leben ist tötenswert, das
Ungeborene aber muss geschützt werden. Männer, die vorgeben im Zölibat ohne
nahe Beziehung zum weiblichen Geschlecht zu leben, legen Richtlinien für dieses
vor. Es ist, als ob die Pfaffen die Frau als Gebärmaschine kontrollieren
wollen, um dann, später, die Jungmänner in den Tod schicken zu können im
Programm der „Verteidigung“.
Und wie steht’s mit den Missbräuchen? Die sind ja kein
reales Töten, „nur“ Missbrauch. Wen kümmern die Traumata? Bevor die Buben
Jungmänner oder Männer werden, dürfen sie die Realität des Sexus, der
Homosexualität durch Missbrauchstäter erfahren. Die wenigstens stellen sich das
deutlich vor, was da vor sich geht: der geile Typ spritzt seinen Samen nicht in
die Scheide einer Frau zwecks Nachwuchs, das überlässt er dem gemeinen Volk,
er, der „Soldat der Kirche“ reibt sich am Buben und entlädt sich in den wunden
Arsch des Knaben, den er dann segnet. Später, wenn der Täter nicht mehr so
viril und agil ist, bleibt’s beim Grapschen und Tätscheln, beim intimen
Hinwenden. Der Eros der Pädagogik.
Aber ein großer Teil der Bevölkerung hört auf solche
Männerbündler, solche Täter im Talar, geht gegen die Frauen vor (in Argentinien,
von wo der jetzige Papst Fanziskus, Jorge Mario Bergoglio SJ, ein geschulter
Jesuit, der die Frauen, die die Abreibung reklamieren, als Auftragsmörderinnen
denunziert, vermochte die Kirche die Haltung der Mehrheit der Bevölkerung
derart zu beeinflussen, dass der Abtreibungsparagraf nicht aus der Verfassung
genommen werden konnte, während die Missbrauchskriminellen der Kirche Unterschlupf
finden bzw. nicht verfolgt und belangt werden) und erfüllt das
Unterdrückungsprogramm der Katholiken.
„Man darf kein menschliches Leben beenden, auch kein
kleines, um ein Problem zu lösen. Das ist so, als ob man einen Killer anheuern
würde, um ein Problem zu lösen“. Ein wahres Wort, wenn, ja wenn das Wenn nicht
wär‘. Die wahren Mörder, die gegen das geborene Leben rücksichtslos vorgehen,
bleiben nicht nur ungeschoren, sie walten auch im Segen der Kirche bzw. anderer
Religionen. Ungläubige sind für viele bloßes Menschenmaterial, das wie Material
entsorgt wird. Devianten, unwertes Leben, gab es nicht nur bei den Nazis. Die
Staaten, die Militärs unterhalten, haben Killer angeheuert. Für die Opfer ist
es einerlei, ob sie wegen rigider Parteiprogramme oder religiöser Überzeugungen
„drankommen“, im Namen Gottes, der (immer männlich!) viele Ausformungen kennt,
ob christlich oder moslemisch oder sonst was.
„Soldaten sind Mörder“, schrieb Tucholsky. Es gab Zeiten,
und bald wird es wieder welche geben, als diese allgemeine Aussage zur
gerichtlichen Verfolgung und Bestrafung führte. Der Papst unternimmt wieder
Schritte dorthin; eine verantwortungslose Herde folgt dem Oberhirten, einem
Wolf im Schafspelz.
Sonntag, 7. Oktober 2018
Der Nobelpreis als Farce
Haimo L. Handl
Der Nobelpreis als Farce
Der Nobelpreis, vom Industriellen Alfred Nobel (1833–1896)
gestiftet, war für den Stifter und Initiator eine Art Wiedergutmachung und
Gewissensberuhigung; nach seinem Testament wird er seit 1901 verliehen. Üb er
die Jahre hat er seinen Sinn und seine Aufgabe verloren und passt nicht mehr in
die veränderte Zeit. Bei den Naturwissenschaften, wo eine Bemessung
preiswürdiger Leistungen sich nachvollziehbar zeigen kann, mag es noch angehen
auszuzeichnen, im Falle des Friedenspreises, aber vor allem in der Literatur,
ist die Auszeichnung peinlich und ideologische Camouflage.
Sieht man sich an, wer den Friedensnobelpreis in den letzten
Jahren erhalten hat, erschrickt man über die vordergründigen Manöver und Auszeichnungen.
Der Preis widerspiegelt die Machtverteilung der westlichen Welt, den enormen
Einfluss früher von Großbritannien, später von den USA und die Herrschaft wenig
oder nicht reflektierter Werte des Christentums und daraus gespeister oder
determinierter Staatstheorien.
In den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts finden sich
Namen wie Willy Brandt, aber auch Politiker, die gnadenlos eine Kriegspolitik
konzipierten und unterstützten, wie Henry Kissinger, Anwar as-Sadat, Menachem
Begin, Elie Wiesel, Michail Gorbatschow oder Aung San Suu Kyi, die heute die
Massenmorde an den Rohingya deckt, Jassir Arafat, Schimon Peres, Jitzchak
Rabin, Jimmy Carter, Al Gore, Barack Obama, Europäische Union, (Obama weitete
die amerikanischen Kriege aus, führte den Drohnenkrieg ein, die EU kooperiert
mit faschistischen Regimen und unterstützt amerikanische Kriegsmaßnahmen sowie
Terrorfinanziers wie Saudi Arabien).
Es sind nicht nur gewisse Persönlichkeiten oder
Institutionen, die als preiswürdig erachtet wurden, womit von den brennenden
politischen Problemen abgelenkt wurde. Es ist das dahinterliegende Wertsystem,
das beleidigt.
Eine völlig veraltete Veranstaltung stellte der Nobelpreis
für Literatur dar. Die Konstruktion der Akademie mit absolutistischen Rechten
entstammt einem monarchischen Denken, das jeden emanzipatorischen Vorstellungen
Hohn spricht. Die hohe Korruption, die Missbrauchsfälle in der Akademie
indizieren nicht nur einen Niedergang der schwedischen Gesellschaft
hinsichtlich westlicher Werte, sondern auch eine institutionelle Verkommenheit.
Es wäre am besten, die Akademie löste sich auf und „streckte die Waffen“. Sie
stellt eine andauernde negative Provokation dar. Die Staatsführung, der
Monarch, niemand greift ein, die Statuten schützen die Privilegierten und
Pfründehalter.
Dabei geht es überhaupt nicht um die Preisträger.
Gerechtigkeit kann es nie geben, ist auch nicht ernstlich verlangt (außer von
einigen, die solche Auswahlen nicht verstehen wollen). Ab er der Anspruch,
„Weltbestes“ auszuzeichnen, ist unhaltbar und peinlich. Den Rekurs darauf
brauchte es gar nicht. Alfred Nobel hat in seiner Lebenszeit nach anderen
Wertmaßstäben geurteilt und gefordert, dass man künftig danach urteilen solle.
Aus und vorbei. Es ist an der Zeit, mit solchem Humbug aufzuhören. Die
Nobelpreisstiftung hat sich zu einer Kirche entwickelt, die Ideologie
praktiziert. Sie ist unzeitgemäß. Dass Mitglieder auf Lebenszeit praktisch
sakrosankt schalten und walten können, ist unerträglich (das ist bei den auf
Lebenszeit bestellten Höchstrichtern ähnlich). Solch eine Praxis verträgt sich
nicht mit Republikanismus oder offener Gesellschaft. Das sind Überbleibsel
einer alten, unguten Zeit.
Die Massen, auch die vermeintlich gebildeten, verlangen aber
nach Zirkus, nach Spielen. Es gibt Versuche eines alternativen Nobelpreises für
Literatur, nur am das Geschäft am Laufen zu halten. Man könnte ja daraus eine
Art Publikumspreis machen: über die social media ließen sich sicher
„gerechtere“ Preisträgerinnen finden. Eigene Spezialeinheiten einer Cyber
Police würden prüfen, wie viele Stimmen über automatisierte Systeme produziert
wurden. Man hätte neue Affären, neue Arbeitsplätze und eine weltumfassende
Ablenkung. Die extreme Orientierung auf Quantität würde das geschwächte
Wertsystem bzw. die Wertsysteme unserer Gesellschaften weiter unterminieren und
ausdünnen, was den Gesellschaftsveränderinnen nur recht wäre. Der Schein der
„demokratischen“ Entscheidungen wäre gewahrt und könnte in tausenden Kursen an
Colleges und Volkshochschulen behandelt werden. Das wäre dann ein Beitrag zur
Weltliteratur und zum Weltfrieden.
Dienstag, 23. August 2011
Die Freiheit der Interpretation
Zur Problematik des Gebrauchs und Missbrauchs von Literatur:
Die Freiheit der Interpretation
Die Freiheit der Interpretation
Stalinisten, die Puschkin lesen, neben Gorki auch Tolstoi, Nazis die ergriffen Bach, Mozart oder Beethoven lauschen, auch wenn auf ihren Bühnen nicht Fidelio gebracht wird...
Werke gehören der Allgemeinheit und sind nicht reserviert für Auserwählte. Der freie Zugang erlaubt auch jenen, die die Freiheit zerstör(t)en, die Reproduktion, die Interpretation.
Woran soll eine „Schändung“ bemessen werden? Zur falschen Zeit, an falschem Ort von falschen Menschen? Welches sind die richtigen, korrekten Zeiten, Orte und Menschen, die dieses oder jenes wiedergeben dürfen?
Missbrauch! Ist die Vergewaltigung durch die Kulturindustrie von geringerem Übel als der offensichtlichere durch Gewaltmenschen diktatorischer Regimes? Wie tief reicht der Abgrund? Und welchen Schaden fügt er dem missbrauchten Werk zu?
Kehrseite: Aufwertung durch Gesinnung, durch den historischen Kontext. Welchen Qualitätskriterien hält solches Urteilen stand?
„Der Tod fürs Vaterland“ des letzten deutschen Jakobiners Friedrich Hölderlin. Die Politisierung Hölderlins, der lange Zeit als Schwärmer, Träumer, Umnachteter gehandelt wurde, setzte in den späten Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts ein. Aber die Indienstnahme durch die Nazis war auch schon eine Politisierung. Eine, der man sich ungern erinnert. Damals die Nazis, später Peter Weiss und die Linken. Gepasst hat es immer im entsprechenden Kontext. Dann aber gilt das auch für das esoterische Lesen und Deuten. Es gibt keine allgemeingültigen, verbindlichen Deutungen. Es gibt nur plausible oder plausiblere.
Sind Gedichte des jetzt in Den Haag angeklagten Kriegsverbrechers Radovan Karadžić zu negieren? Dürfen sie nicht gelesen und vielleicht sogar als literarisch gut befunden werden? Wird der Wert von Lyrik an der Person und ihrem Verhalten gemessen? MUSS danach bemessen werden? Welche Werke müsste man dann aber aus dem Verkehr ziehen, weil ihre Autoren Kinderschänder, Frauenprügler, Säufer, Drogenabhängige, Vergewaltiger, unverantwortliche Väter, betrügerische Mafiosi, verbrecherische Asoziale, haltlose Labile, gemeine Diebe waren?
In Youtube hat jemand einen Filmausschnitt aus einem Nazifilm gestellt, in dem aus einem Hölderlingedicht (Der Tod fürs Vaterland) zitiert wird.
Friedrich Hölderlin
Der Tod fürs Vaterland
Du kömmst, o Schlacht! schon wogen die Jünglinge Hinab von ihren Hügeln, hinab ins Tal, Wo keck herauf die Würger dringen, Sicher der Kunst und des Arms, doch sichrer Denn die Gerechten schlagen, wie Zauberer, Und ihre Vaterlandsgesänge Lähmen die Kniee den Ehrelosen. O nehmt mich, nehmt mich mit in die Reihen auf, Damit ich einst nicht sterbe gemeinen Tods! Umsonst zu sterben, lieb ich nicht, doch Lieb ich, zu fallen am Opferhügel! Fürs Vaterland, zu bluten des Herzens Blut Fürs Vaterland – und bald ists geschehn! Zu euch, Ihr Teuern! komm ich, die mich leben Lehrten und sterben, zu euch hinunter! Wie oft im Lichte dürstet' ich euch zu sehn, Ihr Helden und ihr Dichter aus alter Zeit! Nun grüßt ihr freundlich den geringen Fremdling, und brüderlich ists hier unten; Und Siegesboten kommen herab: Die Schlacht Ist unser! Lebe droben, o Vaterland, Und zähle nicht die Toten! Dir ist, Liebes! nicht Einer zu viel gefallen. Hier das Video (Stukas: Holderlin Poem "Der Tod fürs Vaterland" as Nazi propaganda): Dass nichts nur EINES ist, sondern alles oder jedes mehrere Seiten oder Aspekte hat, mindestens eine "Kehrseite", ist eigentlich bekannt, wird aber oft übersehen. Zur Doppel- oder Mehrseitigkeit, ja Mehrdimensionalität, auch im Bereich der Sprache oder der Künste, findet sich bei George Steiner eine Bemerkung in seinem Buch "Real Presences": ""In words, as in particle physics, there is matter and anti-matter. There is construction and annihilation. Parents and children, men and women, when facing each other in exchange of speech, are at ultimate risk. One word can cripple a human relation, can do dirt on hope. The knives of saying cut deepest. Yet the identical instrument, lexical, syntactic, semantic, is that of revelation, of ecstasy, of the wonder of understanding that is communion. Reciprocally, speech that can articulate the ethics of Socrates, the parables of Christ, the master-building of being in Shakespeare or Hölderlin, can, by exactly the same virtue of unconstrained potentiality, blueprint and legislate the death camps and chronicle the torture chamber. The mountebank's virtuosity with words of a Hitler is anti-matter, it realizes a counter-Logos which conceptualizes and then enacts the deconstruction of the humane." (pp.58f) |
Sonntag, 8. Mai 2011
Broch und Anhänger
Heuer wird des 125. Geburtstages und des 60. Todestages von Hermann Broch gedacht. Eine Theatergruppe organisiert ein Antifestival und sagt: "Anläßlich des 125. Geburtstages (zugleich 60. Todestag) des österreichischen Dichters Hermann Broch veranstaltet bluatschwitzblackbox ein Antifestival zu seinen Ehren: Streit um Broch". Ich wundere mich. Broch wurde am 1. 11. 1886 geboren und verstarb am 30. Mai 1951. Sein Geburtstag ist nicht zugleich sein Todestag. – Wieso auch "Antifestival"? Darum: "'Antifestival' deshalb, weil es in Sachen Broch tatsächlich nichts zu feiern gibt."
Lesen -sie die Kolumne "Wort zum Sonntag" von Haimo L. Handl vom 8. Mai 2011 in kultur-online.net
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Lesen -sie die Kolumne "Wort zum Sonntag" von Haimo L. Handl vom 8. Mai 2011 in kultur-online.net
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