Freitag, 30. September 2011

Handls Bücherbeute - Book Haul

H. L. Handl hat ein neues Video, seinen ersten Book Haul, die Büchereinkaufsbeute, in den Driesch Videokanal gestellt; vielleicht finden Sie ihn so lustig wie er.

Schauen Sie mal rein:
http://www.youtube.com/user/Drieschverlag#p/a/u/1/B_jmIZUzbo8

Dienstag, 27. September 2011

Büchereiausflug

Heute fuhr und wanderte ich in die Wiener Hauptbücherei am Urban Loritz-Platz. Ein Gebäude, das besser aussieht, als es den Nutzern dienlich wäre; die Architektur bietet keine Voraussetzungen für einen ernsthaften Bibliotheksbetrieb. Darunter zähle ich unter anderem, dass man ungestört lesen kann. Also kein Lärm. Dass die Besucher die Regeln einhalten und nicht laut quasseln, rufen, kreischen etc.

Aber die Bücherei ist ein Sozialzentrum, in welchem junge und ältere Mütter mit ihren Kindern sich aufhalten. Kinder machen Lärm. Fein. Aber weshalb in der Bücherei? In Wien ist das Gebäude „offen“, das heißt, man hört alles überall. Wenn dann das ungehobelte Benehmen der Ungebildeten hinzukommt, ist man nicht mehr in einer Bibliothek, sondern in einer Lärmstätte.

Manchmal scheint mir, sie wollen der nahen Lugner City Konkurrenz machen: Hauptsache, die Jungen kommen. Die Bücherei holt sie ab, wo sie sind. Sie sind laut.

Eigentlich wollte ich nicht darüber was sagen. Aber es kam halt hoch. Es gibt auch lustige Erlebnisse, auch wenn sie eigen oder laut sind. Als ich bei einem Zeitschriftenregal etwas suche, beginnt ein Mann, über seinen Laptop gebeugt, zu reden. Zuerst vermute ich, er telefoniert. Nein. Er redet mit sich. Aber so laut, dass er alle andern in der Umgebung miteinbezieht. Sehr sozial. Plötzlich klappt er seinen Laptop zu, steht auf und redet noch lauter. Jetzt wird es fast ein Schimpfen. Das ist für mich schwer zu beurteilen, weil er als offensichtlicher Orientale in einer mir fremden Sprache spricht. Die kann leicht schimpfend klingen, während sie nur intensiv ist. Er ist in einem Dialog mit sich. Lauter Abgang. Eine Studierende, die ihn verdutzt, aber ruhig und ohne eine Bemerkung zu äußern, angesehen hatte, blickt ihm, wie ich, nach. Jetzt prustet sie mit einem Lachen los. „Ja, das gibt’s hier und noch vieles mehr.“ Prima, echt lebendig.

Ich suche das WC auf. Einige Frauen im Vorraum. Eine putzt sich umständlich die Zähne. Ihre großen Taschen liegen am Boden. Als sie fertig ist und noch umständlicher ihren Mund spült, beginnt sie zu reden. Mit sich. Das gibt’s doch nicht! Schon wieder. Dort ein Mann, hier eine Frau. Wer als nächstes? Während sie ihre Zahnbürste verstaut, redet sie in einem Schwall von Selbstgespräch weiter, ohne uns andere zu beachten. Wir sind Luft für sie, inexistent. Ich vermute aber, sie rechnet sehr wohl mit unserer Gegenwart, sonst würde sie nicht so laut reden. Zu sich könnte sie doch auch leiser reden? Vielleicht täusche ich mich. In harten Zeiten muss frau anhörend lauter werden.

Ich gehe zum Fotokopierer. Vis-a-vis sitzt eine junge, blonde, bebrillte Frau mit dunklen Strumpfhosen. Es ist heiß. Draußen und drinnen. Sie hat die Beine übereinander geschlagen. Sie liest konzentriert. Ihr gegenüber sitzt ein junges Mädchen, die jetzt aufsteht, seine Sachen zusammenklaubt und abgeht. Ein Junge setzt sich in den Sessel und blickt konzentriert auf die ihm gegenübersitzende Strumpfhosendame, die liest. Er beginnt zu lesen, aber, wie ich sehe, während ich das Buch zum Kopieren umlege, äugt er gierig auf ihren Schenkelansatz. Schöne Lektüre.

Zwei Jugendliche kommen den Gang entlang und reden überlaut. Englisch oder Amerikanisch. Auch sie sind so sozial, dass sie niemanden von ihrem Mitteilungsbedürfnis ausschließen. Einfach nett hier.

Als ich meine Kopien habe, verlasse ich die Bildungsstätte und trete auf den Vorplatz. Dort ist es, bis auf den Straßenverkehr, leiser als in der Bücherburg. Im Moment zumindest grölt kein Besoffener, kotzt kein Junky, wimmert kein geschlagenes Kind, kreischt keine Nervöse. Fast unwirklich für eine Großstadt.

Montag, 26. September 2011

Das Gesicht des Bösen



Mit The Smurfs hat Sony ein schönes, buntes, nicht so spannendes, vorhersehbares, überlanges Werbevideo gedreht. Während des Screenings habe ich mich gewundert, dass Schleichwerbung gar nicht so dahin schleicht, sondern manchmal in Minutenlänge hingezogen wird; das Drehbuch scheint für das Produkt geschrieben zu sein. Pure product placement!
So werden die beliebten Schlümpfe widerliche Werbeikonen. Süße blaue Charaktere werden von den Schatten von Babylon entstellt. Gut, der Junior war begeistert. Auf die frage wie viele punkte vergeben sie für das Film von 1 bis 10, haben sie geantwortet 1024 und 100546. Wenigstens er und sein Freund haben sich amüsiert (2:1) , während ich zähneknirschend eingeknickt bin. Die Begeisterung hielt an, bis wir in einer bekanten "Burger Bar" das neue Spielzeug Nummero 4 erwarben für die nächsten 3D-Abenteuer.

Samstag, 24. September 2011

Vom positiven Wahnsinn

Nur 318 000 Einwohner hat Island, doch der Schriftstellerverband zählt 400 Mitglieder, von denen 70 von ihrem Schreiben leben können. Auf 1000 Isländer kommen jedes Jahr im Schnitt 5 Neuerscheinungen. Zum Vergleich: Die deutsche Buchproduktion müsste mehr als viermal so hoch sein, um eine ähnliche Relation zu erreichen.

Zitat aus:

Lauter Büchernarren
Islands Auftritt an Frankfurts Buchmesse
Joachim Güntner, NZZ, 24. September 2011

Donnerstag, 22. September 2011

Was ist die effizienteste Kommunikationssprache?

Ein Team von Sprachwissenschaftlern der Universität Lyon hat sich mit Fragen der Effizienz von Informationsübermittlung in verschiedenen Sprachen beschäftigt. Auch wenn alle menschlichen Sprachen grundsätzlich als gleichwertig angesehen werden – da sie dieselben Ideen vermitteln können –, ist die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten beachtlich. Drei Forscher des Labors für Sprachendynamik der Universität Lyon und des CNRS haben die Charakteristika von sieben verschiedenen Sprachen analysiert: Französisch, Deutsch, Spanisch, Englisch, Italienisch, Japanisch und Chinesisch (Mandarin), wobei das Vietnamesische als Referenzsprache diente.

Die Forscher haben 60 Muttersprachler gebeten, 20 kurze Texte– von jeweils nicht mehr als fünf Sätzen – in jeder dieser sieben Sprachen zu lesen, mit 6 bis 10 Muttersprachlern pro Sprache. Sie konnten eine allgemeine Tendenz feststellen: Je schneller eine Sprache gesprochen wird, umso weniger Informationen verschlüsselt eine Silbe. Die Studie zeigt ebenfalls auf, dass derselbe Inhalt eine oft sehr unterschiedliche Zeit benötigt, um ausgesprochen zu werden. Die Informationsdichte weist in den verschiedenen Sprachen einen gewissen Harmonisierungsgrad auf: Die Sprachen, die schnell gesprochen werden, wie z.B. das Spanische, enthalten in der Regel weniger Informationen pro Silbe und haben daher eine geringere Informationsdichte.

Im Gegensatz dazu wird eine Sprache wie das Chinesische, die komplexer ist und mehr Informationen pro Silbe verschlüsselt, langsamer gesprochen – eine Korrelation wurde des Weiteren zwischen der Informationsdichte pro Silbe und der Komplexität der Sprachstruktur festgestellt.

Jedoch bleibt die Sprach-Effizienz (die Informationsdichte pro Silbe multipliziert durch die Anzahl der Silben pro Sekunde) letztlich relativ ähnlich – der gemessene Unterschied zwischen dem Spanischen und dem Chinesischen z.B. erhöht sich nur um einige Prozent. Auch wenn das Englische die beste Leistung zu erbringen scheint – obwohl die Daten hier keine endgültige Schlussfolgerung zulassen –, so erzielen alle Sprachen, die dieser Studie unterzogen wurden, einen ähnlichen Effizienzgrad: Nur das Japanische produziert einen eindeutig geringeren Wert, trotz einer sehr hohen Silbenanzahl pro Sekunde.

Kontakt: François Pellegrino - Leiter des Labors für Sprachendynamik -
E-Mail: francois.pellegrino@univ-lyon2.fr

Quellen:
- Die Studie "A Cross-Language Perspective on Speech Information Rate"
finden Sie hier (auf Englisch).

Verlagsführung und Verlagskulturen

Buchwissenschaftler tagen in Mainz

Institut für Buchwissenschaft der JGU ist Gastgeber der Jahrestagung 2011 der Internationalen Buchwissenschaftlichen Gesellschaft (IBG)

Verlagskultur(en) – von Dynastien und ‚Heuschrecken‘“ findet am 11. und 12. Oktober 2011 auf dem Uni-Campus statt und beschäftigt sich mit dem Thema Verlagskulturen und Verlags-Governance aus unterschiedlichen Perspektiven: von der der Verlagsgeschichte über die von Zeitzeugen bis zu der von Investoren und Wirtschaftswissenschaftlern. Abschluss und Höhepunkt wird ein Vortrag des bekannten Verlegers und ausgewiesenen Verlagswelt-Kritikers André Schiffrin mit dem Titel „Saving the word. New structures and new options" bilden.

Verlagsunternehmen werden häufig in besonderer Weise durch Personen und Personenkonstellationen geprägt. Vielfach bestimmen Verleger und ihre Familienangehörigen die Ausrichtung von Verlagen, beeinflussen deren Bild in der Öffentlichkeit und agieren oftmals auch operativ. Nicht selten treten dabei – z.B. beim Generationenübergang – öffentlich wahrnehmbare oder gar ausgetragene innerfamiliäre Konflikte auf, was diese Konstellationen in den Blickpunkt öffentlicher Interessen rücken lässt.

Themen der Mainzer Tagung sind zunächst die mit Familienbesitz bzw. Familienkontrolle verbundenen Chancen und Risiken für Verlage. Es werden, im Hinblick auf Gegenwart und jüngere Geschichte seit 1945, aber auch offensichtliche und weniger offensichtliche Alternativen zum prägenden Einfluss von Familien auf das Handeln von Verlagsunternehmen in den Blick genommen, wie beispielsweis die Übernahme von Verlagen durch Investoren oder Modelle der kollektiven Verlagsführung. Wissenschaftlich-analytische Zugriffe und Fallbeispiele von Betroffenen und Gestaltenden aus der Buchbranche ergänzen sich bei dieser Tagung auf besondere Weise.

Zur Tagung werden ca. 50 Teilnehmer, u.a. aus den USA und aus Korea, in Mainz erwartet, die durch die Terminwahl die Möglichkeit haben, die Tagung mit dem Besuch der Frankfurter Buchmesse zu verbinden. Die Veranstaltung findet am Dienstag, 11. Oktober in der Alten Mensa, Atrium maximum und am Mittwoch, 12. Oktober im NatFak-Gebäude, Senatssaal (7. Stock) statt. Zum Hauptvortrag des französisch-amerikanischen Verlegers André Schiffrin am Mittwoch um 11:30 Uhr (NatFak-Gebäude, Senatssaal, 7. Stock) ist die Öffentlichkeit herzlich eingeladen.

Weitere Informationen:
Univ.-Prof. Dr. Christoph Bläsi
Institut für Buchwissenschaft
Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) D 55099 Mainz Tel. +49 6131 39-36289 Fax +49 6131 39-25487
E-Mail: christoph.blaesi@uni-mainz.de

Tagungsprogramm

Buchpreise - Nach der Longlist die Shortlist

Als ich einen Kollegen fragte, ober er die neue Buchpreis-Shortlist schon kenne, fragte er erstaunt zurück, ob schon wieder neue Verkaufspreise gelten. Für ihn war die Shortlist eine neue Übersichtsliste der geregelten, verbindlichen Buchverkaufspreise. Aber nein, antwortete ich, ich meine die Preisauszeichnungen an Autorinnen und Autoren durch den deutschen Buchhandel. Aha. (Das wäre einen eigenen Artikel wert, über die Zusammenhänge von Buchpreisen und Buchpreisen zu reflektieren. Vielleicht beschäftigt sich einmal ein Leipziger Literaturprofessor, anstatt im Zug oder Flugzeug zu dösen oder mit der Assistentin zu flirten, mit dieser Frage...)

Lesen Sie das informative Stimmungsbild aus dem meinungsbildenden SPIEGEL:

Günter, hol schon mal die Pfeife
Sebastian Hammelehle, DER SPIEGEL, 14.09.2011

Nachtrag vom 23.9.2011:
FEUDALISMUS
Privatisierung & Gutsherrenart
Christian Schlüter, Berliner Zeitung

Nonkonformismus

Im Merkur, nicht dem Lebensmittelmarkt, den bei uns viele kennen, sondern in der Deutschen Zeitschrift für europäisches Denken, widmet sich die Doppelnummer als Abschiedsausgabe der beiden Herausgeber und Redakteure Kurt Scheel und Karl Heinz Bohrer einem kniffligen Thema:

Sag die Wahrheit! Warum jeder ein Nonkonformist sein will, aber nur wenige es sind.


Im Inhaltsverzeichnis kann man einige Beiträge zu Gratislesen oder Runterladen finden.

In der TAZ vom 19.9.2011 ist ein von Jan Feddersen geführtes Interview mit Kurt Scheel zu finden, worin man schon eine Kostprobe von seinem Nonkonformismus erfährt:

Kurt Scheel über Europa und das Rauchen

"Denken muss sein wie ein Foxterrier"
Kurt Scheel war dreißig Jahre Redakteur und Herausgeber des "Merkur". Nun hört er auf - mit einem Heft über "Nonkonformismus".