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Samstag, 24. September 2011

Vom positiven Wahnsinn

Nur 318 000 Einwohner hat Island, doch der Schriftstellerverband zählt 400 Mitglieder, von denen 70 von ihrem Schreiben leben können. Auf 1000 Isländer kommen jedes Jahr im Schnitt 5 Neuerscheinungen. Zum Vergleich: Die deutsche Buchproduktion müsste mehr als viermal so hoch sein, um eine ähnliche Relation zu erreichen.

Zitat aus:

Lauter Büchernarren
Islands Auftritt an Frankfurts Buchmesse
Joachim Güntner, NZZ, 24. September 2011

Mittwoch, 21. September 2011

Handke schon wieder nicht preiswürdig fürs Establishment

Eklat um Ehrung von Peter Handke Falscher Kandidat

Kaum eine Preisvergabe ist riskanter als die an Peter Handke. Das musste nun auch der Literarische Verein der ostwestfälischen Stadt Minden erfahren, der den österreichischen Schriftsteller mit dem Candide-Preis ehren wollte. Doch der Alleinsponsor ließ die Prämierung platzen - wegen der vermeintlichen Nähe des Laureaten zum früheren Serbenführer Slobodan Milosevic.

Christopher Schmidt, Süddeutsche Zeitung, 21.09.2011

Vgl. auch: Die Düsseldorf-Affäre, Kolumne "Wort zum Sonntag" vom 4.6.2006 von Haimo L. Handl

Vgl. auch die Review:

Peter Handke’s wilful controversies
Ben Hutchinson, The Times Literary Supplement, 23 August 2011
Review of: Malte Herwig: MEISTER DER DÄMMERUNG. Peter Handke: Eine Biographie. 364pp. Munich: DVA. €22.99. 978 3 421 04449 5

Sonntag, 18. September 2011

Nachkriegsgeneration - kaputte Generation

Generation Kaputt

Der Filmregisseur Oskar Roehler, Kind der Gruppe 47, zerstört mit seinem Roman "Herkunft" den Mythos von der ach so anspruchsvollen deutschen Nachkriegsliteratur (mit Hieben auf die Gruppe 47)

Tilman Krause, DIE WELT, 17.09.2011

Mittwoch, 13. April 2011

Engagierte Literatur

Aversionen gegen engagierte Literatur erstarkt mit deren (vermeintlicher) Renaissance.

So schreibt Andreas Rosenfelder in der Welt vom 12.04.2011 "Diese Pfeife raucht noch":

"Eigentlich war der Ausstieg aus der engagierten Literatur ja längst beschlossene Sache. Nach der Wiedervereinigung hatte man in Deutschland die meisten Moralkraftwerke vom Netz genommen. Die Technologie galt als hoffnungslos veraltet, da waren sich die einschlägigen Gutachter einig, und die Folgeschäden für die geistige Umwelt wollte niemand mehr verantworten. "  *)

Der Vergleich zur Umweltbelastung spricht Bände! Die Verbindung von Moral & Engagement mit gefährlichen Reaktoren, die bei Unfällen strahlenverseuchen, färbt Engagement als höchst gefährlich ein. Dieses Gefahrengut muss entsorgt werden.

"Schnell einigten sich die Experten darauf, das Textmaterial im berüchtigten Endlager in der schwäbischen Kleinstadt Marbach zu entsorgen, wo es seine mahnenden Botschaften wohl noch in Hunderten von Jahren abstrahlen wird, abgeschirmt nur durch Stahltüren und einen Sarkophag aus Beton."

Archive, Forschungsstätten oder Museen als moderne Sarkophage für einige Experten...

"In jüngster Zeit allerdings mehren sich die Anzeichen für einen Ausstieg aus dem Ausstieg. Nach den Umbrüchen in der arabischen Welt und den Katastrophen in Japan stieg die weltweite Nachfrage nach engagierter Literatur sprunghaft an, besonders in Deutschland, wo sogar militante Gegner von einst keine Alternative zu dieser Form der literarischen Energiegewinnung mehr sehen. Selbst die zwischenzeitlich ins Abseits gedrängte Lobbyvereinigung PEN sitzt wieder mit am runden Tisch."

Wiederum schafft der Autor den satirischen Überschlag, wie man ihn in der Anstalt so schätzt! Na, was wird da auf uns zukommen?

*) Bitte beachten: Zitate sind durch Anführungszeichen markiert.