Posts mit dem Label Neue Rundschau werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Neue Rundschau werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 23. Juni 2017

Neue Rundschau 2017/2



Lyrikosmose4

Heft 128/2 liegt in unserer Bibliothek auf.


Welche Verse sollen neben deinen stehen? Mit dieser Frage haben sich deutsche Lyriker, und gerade die jüngeren, für die »Lyrikosmose4« auseinander gesetzt. Ausgehend von ihren eigenen Gedichten haben sie sich auf die Suche gemacht nach ihren poetischen Nachbarn. Die haben ihrerseits ihre Umgebung erkundet, auf der Suche nach den Versen, die neben ihren stehen. Entstanden ist ein Mit- und Nebeneinander von amerikanischen Beat-Lyrikern, frankophonen Afrikanern und chinesischen Dichtern, die auf einem Ohr taub sind. Einsame Wanderer, Versprengte Verse, unvermutete Wiederbegegnungen – in Lyriknetzen, die sich über bis zu sieben Stationen erstrecken.

Mit Beiträgen von Ron Padgett, Uwe Kolbe, Olga Martynova, Jan Röhnert, Carolin Callies, Michał Książek, Ron Winkler, Fiston Mwanza Mujila u. a.

Freitag, 24. März 2017

Neue Rundschau 2017/1

Das Heft 128/1 mit dem Titel Poetische Ornithologie liegt in unserer Bibliothek auf.

Die Texte der Literatur sind voll von Vögeln. Vielleicht, weil sie die Federn, mit denen man schreiben kann, bereits mit sich tragen? Vielleicht, weil sie von oben mehr sehen und weiter blicken können als die Maulwürfe und die Frösche? Oder weil das eine in der Sprache der Vögel, nämlich »Tandaradei« bei Walther von der Vogelweide, Liebe bedeuten könnte und das andere, das »Kiwitt-Kiwitt« aus dem Märchen, womöglich den Tod?
Diese Ausgabe der Neuen Rundschau beobachtet die Vögel in der Literatur, in den Naturwissenschaften und in der freien Wildbahn: als Motiv, als Symbol, als Fabelwesen, als Metapher. Und vielleicht lässt sich auch in der Syntax von Texten etwas Flugtaugliches finden, das Krallen hat und einen spitzen Schnabel.

Herausgegeben von Teresa Präauer.

Montag, 14. Dezember 2015

Neue Rundschau 126/4

Das Heft 4 aus dem Jahrgang 2015 der NEUEN RUNDSCHAU ist erschienen und liegt in unserer Bibliothek auf!

Schwerpunktthema ist: Urheberrecht, Copyright, Künstler

Dazu gibt es drei Kommentare "Moby-Dick", Lyrikradar und einige Beiträge "Carte Blanche".


Dienstag, 23. Dezember 2014

Neue Rundschau 2014/4

Die jüngste Ausgabe der deutschen Zeitschrift NEUE RUNDSCHAU, 2014/4, "Seit wann gehört uns Griechenland?", ist eingelangt und liegt in unserer Bibliothek auf.

Ein hoch interessanter Parcour klassischen Erbes, Traditionen und Kulturtransfers sowie von wechselseitigen Einflüssen und Rezeptionshaltungen.




Dienstag, 14. Oktober 2014

NEUE RUNDSCHAU 125(2014)3: Finnland

Die jüngste Ausgabe, das Heft 3 / 2014, der NEUEN RUNDSCHAU ist eingelangt und liegt in unserer Bibliothek auf.

Es ist FINNLAND, dem diesjährigen Gastland der Frankfurter Buchmesse, gewidmet.

Im Internet ist unter dem aktuellen Heft leider noch die vorige Ausgabe Nr. 2 eingetragen.


Verlagsinformation:
Die Ausgabe zum Ehrengast der Buchmesse 2014: Finnland
Die finnische Literatur beginnt mit einer Welt aus Wellen und Gischt, woraus ein Nest gebaut werden muss für das Gedicht: die Kalevala, das Nationalepos der Finnen. Das ist lange her, aber auch heute ist Finnland eine Welt aus Wellen und Gischt und zerstreuten Inseln - und ist immer noch die Welt des Gedichts. In Finnland leben einige der aufregendsten Lyriker der Gegenwart: Post aus dem Norden zum Gastlandauftritt Finnlands - 15 Lyriker, wild, zärtlich, sonnentrunken und vom Schnee umfangen.[Fremde Anmerkung: Sogar der Verlagstexter schwelgt poetisch: sonnentrunken schneeumfangen...]

* * *

Bemerkenswert scheint, dass finnlandschwedische Autorinnen und Autoren ausgewählt wurden, als ob finnische nicht greifbar gewesen wären oder nicht so wichtig sind ...

Die Rubrik "Carte Blanche" wird mit einem Aufsatz von Marlene Streeruwitz eröffnet: "Das verworfene Vorwort", der ursprünglich anders hieß, und zu dessen Veröffentlichung in der renommierten Zeitschrift die Autorin verlautbart: "Dieser Text sollte die Veröffentlichung des Tagebuchs einer Germanistikstudentin in Wien einleiten. Der Text wurde abgelehnt. Mit einem solchen Text könne man nicht 'die versiegelten Herzen der Leser' erreichen, hieß es."

Marlene Streeruwitz weiß, dass, nach dieser Introduktion, die Leserherzen der Rundschauleser, auch wenn versiegelt, geöffnet werden. Man muss dankbar sein den Umständen, dass Frau Steeruwitz bekannt und markttauglich ist, und die NEUE RUNDSCHAU ein "Gspür" für Qualität hat. Tatsächlich birgt der Text einige Überlegungen hermeneutischer Art in Verbindung mit Betrachtungen zum gesellschaftlichen Gefüge und daraus resultierenden Determinanten für das Verhalten und die Sprache der sich darin Bewegenden, also auch der Textarbeiter, die ihn nicht nur lesbar, sondern sogar überlegenswert machen. Befürchtete die berühmte Autorin, ohne Einleitung und Richtungsweisung wäre die "rechte Lektüre" nicht "korrekt" erfolgt?

Norman Ächtler spricht mit Michael Lentz, dem erfolgreichen, markttauglichen Literaturwissenschaftler, der auch weltbekannter Direktor des Deutschen Literaturinstituts in Leipzig ist, das bei seiner Gründung 1955  Institut für Literatur hieß, 1958 den Hochschulstatus und 1959, als Krönung, den Namen "Johannes R. Becher" erhielt. Seit der Osten dem Westen gehört, in Deutschland, ist das Institut nicht mehr an die Marxistischen Lehrsätze und -programme gebunden und kann endlich frei literarisch wirken, was sich in einem ungeahnten Erfolg als Literatenschmiede äußert.
Wie wichtig das ist, äußert der berühmte ML im Gespräch: "Die angehenden Autoren (er inkludiert kultürlich die Autorinnen!) bringen in der Regel nur ein diffuses Vorverständnis mit von dem, was Gedicht und Poesie sein kann, wenn sie ins Literaturinstitut eintreten. Entsprechend zentral für meine Arbeit ist denn auch die Vermittlung des basalen Grundlagenwissens." Prima, endlich jemdand, der weiß, was es braucht! Endlich einer, der auch als Literaturprofessor sich nicht scheut, sein Alltagsdeutsch zu gebrauchen, auch in Leipzig, auch am Literaturinstitut! "Basales Grundlagenwissen", also grundlegendes Grundlagenwissen! Diese feine, kokette Spitze! Diese Ironie. Er kann noch viel mehr. Geschult, gestählt (nicht gekruppt, nein!, natürlich nicht!) in vier Poetikdozenturen, durch viele Preise ausgezeichnet, hervorgehoben und getreten worden, ist diese Leuchte der deutschen Literatur ("LddL", auch "LDDL") nocht interessanter, noch zukunftsversprechender (Jahrgang 1964) als die Romanautorin und Poetikdozentin Marlene Streeruwitz (Jahrgang 1950), denn ihm sind gewisse Eigenheiten der JUNGEN bekannter als der doch schon älteren Kollegin.
Ächtler (mit Umlaut A als Ä!) fragt nachstoßend auf Lentzens Bekenntnis: "Stoßen Sie mit Ihrer Forderung nach einer reflektierten Auseinandersetzung mit den theoretischen oder literaturgeschichtlichen Grundlagen bei den jungen Autorinnen und Autoren (ah, er ist auch formal korrekter als der Professor!) nicht manchmal auch auf Widerstand?"
ML: "Ja, mein Ansatz stößt manchmal auf Widerstand. Dann bleiben die Leute den Seminaren fern. Ich billige das denen zu, die aus einem anderen Verständnis von Literatur oder literarischem Schreiben (welch feiner Unterschied! – ein eigenes Seminar könnte man dazu abführen!) heraus damit nicht in Berührung kommen wollen. [Und wenn wer andere Beweggründe hat, billigt er es nicht zu?] Das kann man nur akzeptieren. Die Leute sind mündig."
Welch ein Fortschritt an deutschen Universitäten, auch in Leipzig! Was für ein Unterschied zum Lehrbetrieb unter Becher und Nachfolgern in Zeiten des aufrechten Bauern- und Arbeiterstaates [offiziell hieß die Deutsche Demokratische Republik "Arbeiter- und Bauernstaat", ich entschuldige meine inkorrkte Nennung aus alter Gewohnheit].  Wie nobel er von der aktiven in die passive Form wechselt, wie er verallgemeinert und verallgemeinernd festhält, "Das kann man nur akzeptieren. Die Leute sind mündig." Da kann ja nichts mehr schief gehen. Die Leute sind ja mündig.
Und so erfährt man so vieles aus dem deutschen Literaturbetrieb, dass man staunt, was die beiden Gesprächspartner auf 22 und einer drittel Seite alles auszubreiten imstande sind.

Martin Meyer, den man nicht nur in der NZZ lesen, sondern auf einigen deutschen Fernsehkanälen auch sehen und hören kann, gibt die Laudatio auf Florian Illies zur Verleihung des Ludwig-Börne-Preises wieder. Dann lesen wir des Gelobten Dankesrede.
Dann dürfen wir Ilija Trojanows Laudatio für Noam Chomsky lesen, anlässlich der Verleihung des Myschkin-Preises. Die Titelinformation ist nicht ganz korrekt, denn der heurige Preis (als Hauptpreis) ging an Jetsun Pema. Dann wurden auch zwei Ehrenpreise vergeben, einer davon an Noam Chomsky, einer an den Schweizer Privatbankier Konrad Hummler. Das soll nicht den Wert der Anerkennung schmälern, sondern nur korrekt die Fakten nennen. Eine weitere Laudation liefert Michael Hofmann: "Allenfalls im Futurperfekt", auf Peter Stamm zum Friedrich-Hölderlin-Preis 2014. Und dann Peter Stamms Dankesrede.

Diese Ausgabe der Neuen Rundschau hat es in sich: Erstes Drittel Finnlandschwedisches, zweites Drittel Moby-Dick-Kommentare und drittes Drittel  Allerlei mit vielen Preis- und Dankreden und, fast vergessen, einem verworfenen Vorwort. Ein Superangebot!

Montag, 23. Juni 2014

Neue Zeitschriftenausgaben in der Gleichgewicht Bibliothek

Bibliothek Gleichgewicht, Hauptstr. 13, 2265 Drösing

Von unseren Zeitschriftenabonnements sind neu eingelangt:






LITERATUR UND KRITIK
2014 Mai Nr. 483/484
"Umfrage über Georg Trakl" Mai 2014 Nr. 483/484


und
2014 Juli Nr. 485/486


mail
Das Magazin des Tiroler Bildungsinstituts
Nr. 2/2014





PODIUM 171/172
POUR LES







Montag, 17. März 2014

Neue Rundschau 1/2014

Manifeste für eine Literatur der Zukunft

lautet der Titel des ersten Heftes des Jahrgangs 125, 2014 der NEUEN RUNDSCHAU.
In der Firmeninternetseite ist zwar noch ein alter Eintrag aus dem letzten Jahr, aber das Heft ist schon ausgeliefert und liegt in der GLEICHGEWICHT BIBLIOTHEK auf.

Der Einzelpreis hat sich von 12 auf 15 Euro erhöht, ebenso der Abonnementspreis. Aber das vorliegende Heft ist ein dickes Buch mit 398 Seiten.

Leider entspricht die Quantität nicht der Qualität. Heute im Literarische noch von Manifesten reden zu wollen oder gar neue zu formulieren, ist weniger verwegen als daneben. Und die Zukunftsüberlegungen sind denn auch mehr oder weniger dürftig, peinlich, lächerlich, überflüssig, seicht, eitel, dumm, schwätzerisch usw. usf.

Schon im Vorwort, pardon, "Editorial" des gastweisen Mitherausgebers  Jan Brandt (*1974), heißt es:
"Die dreißig Texte beschreiben fiktive Zukunftsvisionen, die in der Vergangenheit liegen, und entwerfen Szenarien, die unsere Vorstellungskraft sprengen. Sie fordern eine göttliche Sprache oder einen allumfassenden Aufruhr."

Aufgeblasene, leere Worte. Welche Vision ist real? Real ist das Visionieren, aber wie unterscheidet sich eine Vision von der anderen als fiktiv oder nicht-fiktiv?

Werden vergangene Zukunftsvisionen "beschrieben", sind sie also selbst keine eigentlichen, sondern nur Beschreibungen. Jetzt behauptet der mitteljunge Autor, dass diese fiktiven Zukunftsvisionen, die aber in der Vergangenheit liegen, Szenarien entwerfen. Meint er "entwarfen", weil sie ja in der Vergangenheit liegen, oder mein er tatsächlich im Präsens die Jetztzeit, in der die in der Vergangenheit liegende fiktive Zukunftsvisionen also Szenarien entwerfen, die, man staune, unsere Vorstellungskraft sprengen.

O je, o Jammer, o Aufruhr! Wie kann denn ohne Vorstellung kommuniziert werden? Die Vorstellungskraft, meint der Junge oder Mittelalte, werde gesprengt, durch diese Szenarien. Na, weit kann es mit dieser Zersprengung nicht sein, immerhin füllte er ein dickes Heft mit den Elaboraten der Sprenger und Aufrührer und Schwätzer des Literaturbetriebes.

Wirkt hier die Sprengkraft der edlen Selbstmordattentäter (die fälschlicherweise so genannt werden, zu allermeist sprengen diese Erleuchteten ja nicht nur sich zersprengend außer die Vorstellungskraft, sondern schnöde, dumme, oft ungläubige oder andersgläubige Mitmenschen, weshalb sie Attentäter sind, die sich im Töten mittöten, in einem wahren Gottesdienst für Allah, ihrem Gott, und Mohamed, seinem Propheten) auf das abendländische Denken, das daher wieder, wie anno dazumal, die göttliche Sprache fordert, sucht – und nicht findet, weil die Hilfsmittel, die Suchwerkzeuge, ja Szenarien entwerfen, die die Vorstellungskraft sprengen.

O Jammer, o Schmerz. O Gottesschatten! Das liefert immerhin viel Stoff für weitere Zeitschriftenausgaben, Symposien, Messethemen, Talkshows und Bücher, konventionell und virtuell!

Es folgen Sätze, die weniger die zersprengte Vorstellungskraft dokumentieren, als vielmehr die Dürftigkeit des biederen, bornierten Horizonts, der repetitiven Stereotypie in einem Aufmucken, das als Aufruhr, Revolte oder sonst was Chicem missverstanden wird. Neu ist daran gar nichts. Abklatsch von etwas, das die rabiaten Spießer, vor 100 Jahren als Dadaisten verkleidet, den anderen Spießern, gegen die sie geiferten in einem Jargon, der so nah und  verwandt war zu jenem der Faschisten, dass einem angst und bange werden könnte, wenn man diese Ergüsse wieder liest und eben noch eine Vorstellungskraft hat und keine ausgetriebene, versprengte, zersprengte.
"Weniger Realismus. Mehr Mut. Mehr Sex. Mehr Radikalität. mehr Widerstand. mehr Grenzen. Mehr Freiraum. (...)

Sie [die Texte] wollen sich und der Welt den Betrieb austreiben und wehren sich gegen 'lästige saugseelen', gegen Befehle von außen, gegen Schubladendenken, Kritikermeinungen, Algorithmen und den allgemeinen Quantifizierungswahn. Stattdessen empfehlen sie bewegungsloses Reisen und schwereloses Denken."
Nun, die offerierten Alternativen sind so naiv und dumm wie die der Heilsarmee oder Zen-Mönche auf Werbefahrten in den USA und einigen europäischen Metropolen. Obwohl sie schwereloses Denken empfehlen, richten sich viele Texte gegen das Oberflächendenken, auf dem aber, schwerelos, diese Art zelebrierten Denkens verharrt, weil es ohne Schwere nicht sinken kann in die Tiefe der Erkenntnisse der ichentleerten Seele, wohin die Novizin oder der Meister versuchen bewegungslos zu reisen. Andererseits, meinten solche Bewegungslosen es ernst, wäre viel gewonnen: Keine Schriftstellerin, kein Schriftsteller reiste mehr zu den Messen, zu den Wettbewerben, den Preisveranstaltungen, den Jubiläen, den Lesungen, den Talkshows, den Laufstegen. Sie alle unternähmen ihre Touren im Kopf bzw. Bauch, aber verinnerlicht innerlich, bewegungslos, getragen von ihrer göttlichen Sprache in einem schwebenden, schwerelosen Denken. Wenn das nicht die Zukunft ist, weiß ich nicht – Die göttliche Ruhe erlaubte Erholung, Besinnung und Purifikation vom Lärm und Schmutz der Quantifizierungsbesessenen einerseits, und den Aufrührern und Zersprengern andererseits. Es herrschte das bewegungslose Schwerelose. Das ist die Zukunft, wie sie unsere modernen Schriftstellerinnen auf fast 400 Seiten weissagen. Danke. 

Mittwoch, 11. Juli 2012

Moby-Dick in der NEUEN RUNDSCHAU

Mit der jüngsten Ausgabe 123/2, "Moby-Dick" startet die NEUE RUNDSHAU     ein vielversprechendes, hoch interessantes Monsterprojekt: die historisch-spekulative Deutung aller 135 Kapitel des Romans von Herman Melville.

Eine Forschergruppe, die sich seit 2006 dem Projekt widmet, wird in einem Zeitraum von ca. 12 Jahren laufend Kommentare liefern und das Langzeitprojekt speisen.

Im Vorwort der NEUEN RUNDSCHAU heißt es dazu:

1. Das Projekt
Seit 2006 trifft sich eine Gruppe von Kulturwissenschaftlern jährlich mit dem ehrgeizigen Ziel, jedes der 135 Kapitel von Moby-Dick samt der Paratexte, also die Exzerpte zu Beginn des Romans, Epilog, Titel usw., einem geschichtlich ebenso gründlichen wie kulturtheoretisch aufschlussreichen Kommentar zu unterziehen. Das Projekt eines "historisch-spekulativen" Gesamtkommentars fragt dabei nach den Gründen für die enorme Bedeutung von Moby-Dick für die Selbstbeschreibungen unserer Kultur und nach den Ambiguitäten und der Zerrissenheit des Symbols in Form eines weißen Wals, den es in allen sieben Weltmeeren zu jagen gilt.

2. Die Methode
Im Gegensatz zu den bereits vorliegenden philologischen Kommentaren der Werke von Herman Melville (zum Beispiel die Northwestern-Newberry Edition), folgt unser Vorhaben einer komplementären Zielsetzung, was nicht zuletzt mit der Bezeichnung "historisch-spekulativ" markiert ist.

Gemäß der methodischen Herkünfte unserer Kommentatoren aus der Philologie, Philosophie und kulturwissenschaftlichen Medienforschung bezeichnet "historisch" zum einen selbstverständlich das tägliche Handwerkszeug, also die sorgfältige, historischreflektierende Lektüre der im Roman zu erschließenden Quellen.
Zum anderen, und darin liegt das "spekulative" Moment unseres Projekts, geht es mehr noch darum, einen anderen, indirekten Quellenkorpus und auch theoretisches Neuland zu erschließen, insofern die Deutungen analytisch wie ihrerseits theoretisierend ein Wagnis eingehen, zum Beispiel durch Hinzuziehung von Materialien und Theoremen, die Melville nicht zur Verfügung stehen konnten, sei es, weil sie ihm nicht bekannt waren, sei es, weil sie erst später entstanden.

Der hier angestrebte Kommentar geht zurück auf den lateinischen commentarius und möchte daher ganz wörtlich etwas ins kulturelle Gedächtnis rufen, einen vergessenen Zusammenhang aktualisieren oder eine Verbindung herstellen, die in einer ersten Lektüre nicht sichtbar ist.

Für eine kulturwissenschaftliche Analyse, die nicht vom Zentrum, sondern vom scheinbar Sekundären, vom Rand her auf die großen Texte blickt, stellt sich das Problem der Lektüre anders. Unser Kommentar verfolgt keine einheitliche Methode oder Theorie, dennoch greifen die Beiträge bevorzugt auf Wissensarchäologie, Literaturund Kulturgeschichte sowie Theorien des Politischen zurück.

3. Die Kommentare
Die nachfolgenden Kommentare beziehen sich allesamt auf zwei Ausgaben: Für das englischsprachige Original wird die von Hershel Parker und Harrison Hayford herausgegebene Norton Critical Edition (New York, London 2. Auflage 2002) herangezogen. Für die deutsche Übersetzung zitieren wir, sofern nicht explizit eine andere Ausgabe angegeben wird, die Neu-Übersetzung von Matthias Jendis, die 2001 im Carl Hanser Verlag, München, erschienen ist.

* * *

Dass sich die NEUE RUNDSCHAU für solch ein riesiges, lang dauerndes Projekt engagiert, hebt sicher ihre Bedeutung, die sie seit langem hat, noch mehr. Hoffentlich finden auch Studierende neben allgemein literarisch Interessierten Zugang zu diesem Projekt.

Für die Problematik Primäres vs. Sekundäres, Original vs. Kommentar, ergeben sich aus diesen Arbeiten neue Erkenntnisse bzw. Deutungsmöglichkeiten. Wie steht's um das Original? Ist es überhaupt ohne sekundäre Expertise lesbar? Was, wenn wir den professionellen Deutungen mehr Augenmerk, mehr Gewicht schenken, als dem Original? Wertet das das Original für den "naiven" Leser nicht ab, steigert es nicht die Abhängigkeit vom Vermittler, Exegeten, also Hohenpriester der Deutung? Gesetzt den Fall, die Konzentration auf Philologie, Anthropologie, Soziologie, Kulturwissenschaften, Linguistik und Semiotik nimmt noch stärker zu, als bisher geschehen werden dann Originale nur noch Studien- und Analyseobjekte für Experten, deren Erkenntnisse dann das Original substituieren, wie der billige Digest für viele mit seinem Vorgekautem, Vorverdauten genügt, weil es dem time management entspricht, weil man, ökonomisch gesehen, sich Zeit und Mühe spart?

Das muss nicht so sein. Reife, d. h., aufmerksame, wissende Leser, verwenden Kommentare nicht als Ersatz, eher als Zusatz. Kritik als Komplementäres. Das Verhältnis von Primärem und Sekundärem bleibt gewahrt. Das nicht zu verwischen, ist heute eine schwierigere Aufgabe, als früher. Aber sie ist lösbar. Und so wird der Roman durch tonnenweise Kommentare nicht überflüssig oder obsolet, sondern erhält neue Beleuchtungen, Belichtungen, Deutungen, die die Lektüre schlussendlich bereichern. Zumindest für jene, die den Weg gehen, die Reise unternehmen.


Verlagsanzeige Fischer Verlage zu "Moby-Dick" - Neue Rundschau

Ein Kommentar zu „Moby Dick“ Das Tier sind wir
Zwölf Jünger des Wals: Eine Gruppe von Kulturwissenschaftlern arbeitet an einem neuartigen großen „Moby-Dick“-Kommentar. Er erscheint nun sukzessive in der „Neuen Rundschau“. Markus Krajewski erläutert im Gespräch das Projekt.
FAZ, 10.07.2012 ·

Vorwort aus der NEUEN RUNDSCHAU 123/2 "Moby-Dick" (pdf)

Moby-Dick
Wikipedia

Hermann Melville
Wikipedia: deutsch / englisch

The Life and Works of Herman Melville



Japan in der NEUEN RUNDSCHAU

Die Ausgabe 123/1 (2012/1) der deutschen Literaturzeitschrift NEUE RUNDSCHAU im Umfang von 267 Seiten widmet dem Heftthema JAPAN 165 Seiten, in denen 11 Autoren 12 Texte vorlegen, 11 davon aus Japan.

Bei den japanischen Autoren handelt es sich um Kazushige Abe (1968), Keiichiro Hirano (1975), Kotaro Isaka (1971), Hiromi Kawakami (1958), Natsuo Kirino (1951), Yuri Nagashima (1973), Kenzaburo Oe (1935), Toshiki Okada (1973), Ryosuke Saegusa (1978) und Tomoka Shibasaki (1973).
Es handelt sich mit zwei Ausnahmen also um jüngere Literaten.

Ryosuke Saegusa eröffnet mit seinem Beitrag "Wo steht die japanische Literatur nach Fukushima?" den Themenreigen. Es heißt darin:

Ich denke, dass sich die japanische Literatur seit dem 11. März und der Erfahrung der Probleme mit der Atomkraft nicht grundlegend verändert hat. Allerdings ist deutlich erkennbar geworden, dass sie versucht, eine Sprache zu finden, die Krisen erspürt und versucht, diesen zu entsprechen.
Der Tsunami verursachte den Unfall in einem Atomkraftwerk, wodurch den Menschen ihre Angst vor der Kernenergie bewusst wurde. Aber deren Gefahr existierte zweifellos schon vor dem Unfall. Warum nun über die Gefahr, die Atomkraftwerke in sich bergen, nicht gesprochen wurde und niemand etwas dagegen unternahm, ist nicht einfach ein Fehler, den irgendjemand begangen hat, sondern ein viel größeres, systemimmanentes Problem. Dieses System bis in seine Tiefen zu ergründen ist eine der Aufgaben der Literatur.

Liest man das, und erinnert sich der schlacksigen Aussagen des Oxforder Physikers Wade Allison, der am 26.3.2011 in der BBC meinte, man sollte aufhören von der Radiation wegzulaufen, der die Angst als eigentliche Gefahr sah, und überhaupt verneinte, dass es in Fukushima eine Atomkatastrophe gab, da der Unfall überhaupt keine Todesfolgen nach sich zog und auch keine Strahlenschäden zu befürchten seien, wird einem das Ausmaß des Nichtverstehens, des arroganten Missverstehens bzw. Besserwissens erst bewusst. 


Viewpoint: We should stop running away from radiation
By Wade Allison University of Oxford
More than 10,000 people have died in the Japanese tsunami and the survivors are cold and hungry. But the media concentrate on nuclear radiation from which no-one has died - and is unlikely to.
BBC News World, 26.3.2011

"Die Angst war schlimmer als die Strahlung"
Der britische Physiker Wade Allison spricht dem Reaktorunglück von Fukushima den Katastrophen-Status ab. Damit könne man nicht den Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie rechtfertigen.
Von Heinz Horeis; Welt online, 12.6.2012


Oxford University Discussions by Drs Yasuhiro Ina and Wade Allison: Message to Japan
Video on Youtube

Radiation and Reason - Straight and Open Thinking about Choosing Nuclear
Video on Youtube

Dr Chris Busby at the Royal Society: Scientific Dishonesty
Video on Youtube
Following up his 2007 book "Wolves of Water" Chris Busby calls for the development in Society of legal mechanisms to investigate issues of scientific dishonesty like those in Denmark. Such issues, he argues, can be seen in the same category as perjury in criminal court cases for which serious sanctions exist. The essay has been published in Iraq-Silent Death edited by Chris Scherrer (University Sains Malaysia 2011) and is also to be found, (together with several examples of possible scientific dishonesty) presented on the website of the Low Level Radiation Campaign www.llrc.org The matter is one of democracy and goes to the core of expert evidence on Policy to governments. It is argued that scientists (like those who talk down the Fukushima catastrophe) or those like Prof Wade Allison who advise people to move into radioactive areas because doses of up to 100mSv a month are harmless, should be investigated in a court or law and if found guilty of knowingly giving bad advice (rather than being stupid or careless) suffer penalties.

Physicians for Social Responsibility Press Conference 4/26/11
Video on Youtube


Freitag, 22. Juni 2012

Moby Dick - Heftthema der NEUEN RUNDSCHAU 2012/2

Neue Rundschau 2012/2
Moby Dick
Herausgeber: Hans Jürgen Balmes + Jörg Bong + Alexander Roesler + Oliver Vogel

Herman Melvilles Roman Moby-Dick aus dem Jahre 1851 war zu Lebzeiten seines Autors kein großer Erfolg. Heute jedoch gilt er als Zeugnis der kulturellen Selbstbeobachtung des 19. Jahrhunderts, die auch an unsere Gegenwart noch entscheidende Fragen stellt: Fragen der Geopolitik und Globalisierung, der Versicherung und Technik, der kulturellen Identität und ihrer transnationalen Auflösung, des Kolonialismus und Imperialismus; Fragen nach den Gegensätzen von Staat und Wirtschaft, Land und Meer, Universalismus und Partikularismus, Macht und Norm, Geld und Moral.

Eine Gruppe von Kulturwissenschaftlern um u.a. Markus Krajewski, Friedrich Balke, Bernhard Siegert, Joseph Vogl und Niels Werber trifft sich seit einigen Jahren, um jedes der 135 Kapitel zu kommentieren. Diese Kommentare werden ab nun in der Neuen Rundschau erscheinen und erschließen den gewaltigen Kosmos Moby Dick. Ein so spannendes wie gigantisches Unternehmen, dessen Anfang in dieser Ausgabe gelegt wird.
(Verlagsankündigung)

* * *

Diesem langfristigen Kommentaruntrnehmen ist begeistert zuzustimmen. Eine Zeitschrift, die sich etwas traut! Ich wünschte, wir von DRIESCH hätten die Mittel für Ähnliches.


Mittwoch, 9. November 2011

Neue Rundschau online



Die renommierte deutsche Literatur- bzw. Kulturzeitschrift NEUE RUNDSCHAU ist jetzt über eine Datenbank für alle Ausgaben im Abonnement abrufbar.
Der Nutzungsvertrag ist sehr ausführlich, das Abspeichern ist auch im Abonnement auf wenige Beiträge pro Quartal beschränkt.

In der TAZ 9.11.2011, wird darüber berichtet:
122 JAHRGÄNGE Alle Ausgaben der Literaturzeitschrift "Neue Rundschau" sind online zugänglich

Direkte Informationen beim Verlag:
Neue Rundschau Archiv

Über die Zeitschrift in Wikipedia