FRANKFURT. Ab 20. August können Wissenschaftler und Interessenten aus der ganzen Welt digital auf Horkheimers Nachlass zugreifen: Das Archivzentrum der Frankfurter Universitätsbibliothek schaltet am kommenden Mittwoch den Internet-Zugriff auf einen Großteil der insgesamt 250.000 Dokument-Seiten aus seinem Nachlass frei (http://sammlungen.ub.uni- frankfurt.de/horkheimer). Auch alle 16.000 Bände aus Horkheimers Privatbibliothek lassen sich über den virtuellen Katalog (Opac) der Uni- Bibliothek mit der Provenienzangabe „Max Horkheimer“ mühelos zusammenführen.
Aus diesem Anlass findet am Dienstag (19. August) um 18.30 Uhr eine öffentliche Festveranstaltung im Lesesaal der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Campus Bockenheim, statt. Prof. Martin Jay, einer der bedeutendsten Historiker der Kritischen Theorie in den USA, spricht zum Thema „The Hope that Earthly Horror Does not Possess the Last Word: Max Horkheimer and The Dialectical Imagination“. Im deutschsprachigen Raum ist Jay vor allem durch sein Werk „Dialektische Phantasie“ über die Geschichte der Frankfurter Schule bekannt. In die Geschichte des Horkheimer-Nachlasses und seiner Digitalisierung führen außerdem der frühere Bearbeiter, Prof. Gunzelin Schmidt Noerr (Hochschule Niederrhein) und der heutige Verantwortliche für den Nachlass, Dr. Mathias Jehn (Archivzentrum der Universitätsbibliothek), ein.
„Unter den mehrere tausend Briefen sind auch viele, die bislang noch nie veröffentlicht wurden – so Korrespondenzen mit anderen bedeutenden Vertretern der Kritischen Theorie während der Emigration“, erläutert Jehn.
Das internationale Interesse an der Frankfurter Schule und ihren Hauptprotagonisten ist seit Jahren ungebrochen, insbesondere für diese Wissenschaftler ist die Nutzung des digitalen Archivs ein enormer Gewinn.
„Die Digitalisierung, die wir mit einem Team von sechs Personen vor drei Jahren begonnen haben und nun abschließen konnten, war auch aus konservatorischen Gründen notwendig. Denn aufgrund des fortgeschrittenen Papierzerfalls, insbesondere für den Zeitraum von 1920 bis 1950, sind große Teile der Originale unmittelbar für die Benutzung gesperrt“, so der Leiter des Archivzentrums.
Online zugänglich sind mehrere tausend Seiten digitalisierter Korrespondenzen von Max Horkheimer mit Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, Jürgen Habermas, Siegfried Kracauer und anderen Vertretern der Kritischen Theorie sowie sämtliche Manuskript- und Entwurfsseiten Max Horkheimers, beginnend mit seinen frühen Schriften in der Studentenzeit in den 1920er Jahren bis hin zu den späten Vorträgen und Interviews in den 1970er Jahren. Zwei Kostproben aus den Tausenden von Dokumenten, die dem Leiter des Archivzentrums besonders in Erinnerung geblieben sind - zunächst die ersten beiden Sätzen aus den unter Mitwirkung von Gretel Adorno nach 1939 entstandenen „Philosophischen Fragmenten“, die Horkheimer und Adorno später 1947 als „Dialektik der Aufklärung“ herausgegeben haben:„Seit jeher hat Aufklärung im umfassendsten Sinn fortschreitendsten Denkens das Ziel verfolgt, von den Menschen die Furcht zu nehmen und sie als Herren einzusetzen. Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils….“. Wenn die beiden Begründer Frankfurter Schule sich Briefe schrieben, dann oft mit ironisch witzigem Unterton – hier Adorno an
Horkheimer: „Max, meinem Titel Großes Rindvieh mache ich wirklich Ehre.“ Und unterschreibt mit „alles erdenkliche Liebe, wie immer Dein G.R.“.
Der Philosoph Max Horkheimer (1895-1973) gilt zusammen mit Theodor W.
Adorno (1903-1969) als Begründer der Frankfurter Schule und ihrer Kritischen Theorie; Horkheimer war Direktor des Instituts für Sozialforschung, Professor an der Goethe-Universität und nach seiner Rückkehr aus dem US-amerikanischen Exil von 1951 bis 1953 auch Rektor der Universität. Sein herausragendes wissenschaftliches Erbe ging nach seinem Tod 1973 an die damalige Stadt- und Universitätsbibliothek.
Informationen: Dr. Mathias Jehn, Archivzentrum der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Campus Bockenheim, m.jehn@ub.uni-frankfurt.de, Tel. (069) 798-39007,
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Donnerstag, 14. August 2014
Samstag, 2. August 2014
Tagung im Deutschen Literaturarchiv Marbach 18.-19.9.2014 zu Curtius und Picht
Die Familien Curtius und Picht, historisch eng miteinander verbunden, haben über drei Generationen deutsche Bildungspolitik und Wissenschaftsgeschichte geprägt. Das Archiv der Gelehrtendynastie umfasst einen Zeitraum von über 150 Jahren und reicht von Ernst Curtius (1814-1896), der die ersten archäologischen Ausgrabungen in Olympia leitete, bis zum Reformpädagogen und Philosophen Georg Picht (1913-1982), Rektor am Birklehof und Schöpfer des Begriffs der »Bildungskatastrophe«.
Die Robert Bosch Stiftung förderte die Erschließung des komplex aufgebauten Familienarchivs, das vom Deutschen Literaturarchiv Marbach im vergangenen Jahr übernommen wurde. Im Rahmen der Tagung »Curtius und Picht. Zwei Familien, vier Generationen« werden die intellektuellen Netzwerke jetzt zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt: Es sprechen u.a. Wolfgang Asholt (Osnabrück) über »Wesen und Funktion der französischen Kultur und Literatur für Ernst Robert Curtius (1914-1932)«, Teresa Löwe-Bahners (New York) zum Thema »Greda und Georg, Heidelberg und Hinterzarten – une éducation maternelle«, Anne Kraume (Potsdam) über »Philologie und Geschichte bei Ernst Robert Curtius und Américo Castro« und Ernst-Peter Wieckenberg (München) zu Briefen von Friedrich Curtius an seine Tochter. Es moderieren Barbara Picht und Marcel Lepper.
Bei dem Bestand Curtius-Picht handelt es sich um persönliche, oft ausführliche Aufzeichnungen, Fotografien, Briefe und Materialsammlungen zu Fragen der Kultur, Politik, Gesellschaft und Literatur, die der Forschung bisher unbekannt und unzugänglich waren. Die enorme bildungs- und wissenschaftshistorische Bedeutung der Einzelfiguren aus den Familien Curtius und Picht spiegelt sich in dem reichen Bestand wider. Seinen einzigartigen Charakter gewinnt das Archiv aus der überlieferten besonderen zeitgeschichtlichen Konstellation der Familienmitglieder. In den umfangreichen Korrespondenzen sind viele bedeutende Persönlichkeiten vertreten, u.a. Hellmut Becker, Margret Boveri, Charles Du Bos, Friedrich Gundolf, Adolf von Harnack, Martin Heidegger, Hartmut von Hentig, Sabine Lepsius, Max Müller, Eugen Rosenstock-Huessy, Max Rychner, Edgar Salin, Albert Schweitzer, Rudolf Smend, Bruno Snell, Paul Valéry, Max Weber, Carl Friedrich von Weizsäcker und Viktor von Weizsäcker.
Das Archiv der Familie Picht-Curtius ergänzt die Sammlung von Nachlässen bedeutender Gelehrter im Deutschen Literaturarchiv Marbach, reiche Bezüge ergeben sich u.a. zum Nachlass von Viktor von Weizsäcker und Martin Heidegger, ebenso zu Philologennachlässen, Redaktions- und Verlagsarchiven.
Tagungsprogramm
Die Tagung wird finanziert aus Mitteln der Robert Bosch Stiftung.
Die Robert Bosch Stiftung förderte die Erschließung des komplex aufgebauten Familienarchivs, das vom Deutschen Literaturarchiv Marbach im vergangenen Jahr übernommen wurde. Im Rahmen der Tagung »Curtius und Picht. Zwei Familien, vier Generationen« werden die intellektuellen Netzwerke jetzt zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt: Es sprechen u.a. Wolfgang Asholt (Osnabrück) über »Wesen und Funktion der französischen Kultur und Literatur für Ernst Robert Curtius (1914-1932)«, Teresa Löwe-Bahners (New York) zum Thema »Greda und Georg, Heidelberg und Hinterzarten – une éducation maternelle«, Anne Kraume (Potsdam) über »Philologie und Geschichte bei Ernst Robert Curtius und Américo Castro« und Ernst-Peter Wieckenberg (München) zu Briefen von Friedrich Curtius an seine Tochter. Es moderieren Barbara Picht und Marcel Lepper.
Bei dem Bestand Curtius-Picht handelt es sich um persönliche, oft ausführliche Aufzeichnungen, Fotografien, Briefe und Materialsammlungen zu Fragen der Kultur, Politik, Gesellschaft und Literatur, die der Forschung bisher unbekannt und unzugänglich waren. Die enorme bildungs- und wissenschaftshistorische Bedeutung der Einzelfiguren aus den Familien Curtius und Picht spiegelt sich in dem reichen Bestand wider. Seinen einzigartigen Charakter gewinnt das Archiv aus der überlieferten besonderen zeitgeschichtlichen Konstellation der Familienmitglieder. In den umfangreichen Korrespondenzen sind viele bedeutende Persönlichkeiten vertreten, u.a. Hellmut Becker, Margret Boveri, Charles Du Bos, Friedrich Gundolf, Adolf von Harnack, Martin Heidegger, Hartmut von Hentig, Sabine Lepsius, Max Müller, Eugen Rosenstock-Huessy, Max Rychner, Edgar Salin, Albert Schweitzer, Rudolf Smend, Bruno Snell, Paul Valéry, Max Weber, Carl Friedrich von Weizsäcker und Viktor von Weizsäcker.
Das Archiv der Familie Picht-Curtius ergänzt die Sammlung von Nachlässen bedeutender Gelehrter im Deutschen Literaturarchiv Marbach, reiche Bezüge ergeben sich u.a. zum Nachlass von Viktor von Weizsäcker und Martin Heidegger, ebenso zu Philologennachlässen, Redaktions- und Verlagsarchiven.
Tagungsprogramm
Die Tagung wird finanziert aus Mitteln der Robert Bosch Stiftung.
Dienstag, 10. Juni 2014
Tagung: Nicolai Hartmann 12. bis 14. Juni 2014
Sein Denken und sein philosophischer Nachlass.
Nicolai Hartmanns Philosophie wird seit einiger Zeit international wiederentdeckt. Anlässlich der Erwerbung seines Nachlasses durch das Deutsche Literaturarchiv Marbach im vergangenen Jahr sollen auf der Marbacher Tagung »Nicolai Hartmann: Sein Denken und sein philosophischer Nachlass« Aspekte seiner intellektuellen Biographie und des zeitgeschichtlichen Kontextes seines Werks erörtert werden; außerdem gilt die Aufmerksamkeit seinen Beiträgen zu verschiedenen Disziplinen wie der Ontologie, Ethik und Naturphilosophie. Es sprechen u.a. Andrea Albrecht und Jørgen Sneis (Stuttgart) über »Hartmann und Cohen«, Joachim Fischer (Dresden) über die »Circel-Protokolle aus Hartmanns Nachlass« und Gerald Hartung (Wuppertal) über Hartmanns »Sichtung der Philosophiegeschichte«.
Nicolai Hartmann gilt als einer der bedeutendsten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts; er hat die deutsche Universitätsphilosophie insbesondere in den 1930er und 1940er Jahren wesentlich geprägt. Sein Nachlass besteht zum größten Teil aus den Handschriften, die als Druckvorlagen seiner Bücher, Vorträge und Aufsätze dienten. Erhalten sind unter anderem das Manuskript seiner berühmten Marburger Abhandlung Grundzüge einer Metaphysik der Erkenntnis und seine Ethik von 1925. Eine besonders aufschlussreiche Quelle sind die bisher unveröffentlichten Protokolle des Diskussionskreises um Hartmann, die sogenannten »Cirkel- Protokolle«, aus den Jahren 1920 bis 1950. Weiterhin gehört zum Nachlass eine umfangreiche Bibliothek mit Anstreichungen und Anmerkungen.
Der Nachlass von Nicolai Hartmann ergänzt die bedeutende Marbacher Sammlung zur Philosophie des 20. Jahrhunderts, zu der neben anderen die Nachlässe von Martin Heidegger, Karl Jaspers, Hannah Arendt, Karl Löwith, Arnold Gehlen, Hans-Georg Gadamer, Hans Blumenberg sowie die Vorlässe von Ernst Tugendhat und Manfred Frank gehören.
Die Tagung findet vom 12. bis 14. Juni 2014 im Tagungsbereich des Deutschen Literaturarchivs Marbach statt. Um Anmeldung wird gebeten:
forschung@dla-marbach.de
Gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung.
Nicolai Hartmanns Philosophie wird seit einiger Zeit international wiederentdeckt. Anlässlich der Erwerbung seines Nachlasses durch das Deutsche Literaturarchiv Marbach im vergangenen Jahr sollen auf der Marbacher Tagung »Nicolai Hartmann: Sein Denken und sein philosophischer Nachlass« Aspekte seiner intellektuellen Biographie und des zeitgeschichtlichen Kontextes seines Werks erörtert werden; außerdem gilt die Aufmerksamkeit seinen Beiträgen zu verschiedenen Disziplinen wie der Ontologie, Ethik und Naturphilosophie. Es sprechen u.a. Andrea Albrecht und Jørgen Sneis (Stuttgart) über »Hartmann und Cohen«, Joachim Fischer (Dresden) über die »Circel-Protokolle aus Hartmanns Nachlass« und Gerald Hartung (Wuppertal) über Hartmanns »Sichtung der Philosophiegeschichte«.
Nicolai Hartmann gilt als einer der bedeutendsten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts; er hat die deutsche Universitätsphilosophie insbesondere in den 1930er und 1940er Jahren wesentlich geprägt. Sein Nachlass besteht zum größten Teil aus den Handschriften, die als Druckvorlagen seiner Bücher, Vorträge und Aufsätze dienten. Erhalten sind unter anderem das Manuskript seiner berühmten Marburger Abhandlung Grundzüge einer Metaphysik der Erkenntnis und seine Ethik von 1925. Eine besonders aufschlussreiche Quelle sind die bisher unveröffentlichten Protokolle des Diskussionskreises um Hartmann, die sogenannten »Cirkel- Protokolle«, aus den Jahren 1920 bis 1950. Weiterhin gehört zum Nachlass eine umfangreiche Bibliothek mit Anstreichungen und Anmerkungen.
Der Nachlass von Nicolai Hartmann ergänzt die bedeutende Marbacher Sammlung zur Philosophie des 20. Jahrhunderts, zu der neben anderen die Nachlässe von Martin Heidegger, Karl Jaspers, Hannah Arendt, Karl Löwith, Arnold Gehlen, Hans-Georg Gadamer, Hans Blumenberg sowie die Vorlässe von Ernst Tugendhat und Manfred Frank gehören.
Die Tagung findet vom 12. bis 14. Juni 2014 im Tagungsbereich des Deutschen Literaturarchivs Marbach statt. Um Anmeldung wird gebeten:
forschung@dla-marbach.de
Gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung.
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