Am 12. Juli gedachten wir des 150. Geburtstages von Stefan George, zu Recht umstrittener Führer und Meister einer Jüngerschar, die, antidemokratisch gesinnt und pseudoaristokratisch ausgerichtet, sich einem "geheimen Deutschland" widmete, das schlussendlich auch in unreifer Kleinkrämerei, homosexuellen Querelen und Päderastien auslief und den hohen Kulturanspruch selbst zutiefst desavouierte.
Am 12.7.18 war auf diese Doku noch kein Zugriff, weshalb sie in unserem Gedenkbeitrag nicht gebracht werden konnte.
Jetzt ist die interessante TV-Dokumentation "Stefan George - Das geheime Deutschland" auch in youtube abrufbar:
Stefan Anton George (* 12. Juli 1868 in Büdesheim, heute Stadtteil von Bingen am Rhein; † 4. Dezember 1933 in Minusio bei Locarno) war ein deutscher Lyriker. Zunächst vor allem dem Symbolismus verpflichtet, wandte er sich nach der Jahrhundertwende vom reinen Ästhetizismus der zuvor in den Blättern für die Kunst propagierten „kunst für die kunst“ ab und wurde zum Mittelpunkt des nach ihm benannten, auf eigenen ästhetischen, philosophischen und lebensreformerischen Vorstellungen beruhenden George-Kreises.
Jürgen Egyptien: "Stefan George. Dichter und Prophet"Ein charismatischer Dichter und sein Männerbund Von Jörg Später, DF, 8.7.2018
Bezwingende Ausstrahlung, Aura eines auserwählten Sehers: Vielen Literaten und Gelehrte aus drei Schülergenerationen ließen sich über dreißig Jahre lang von Stefan George faszinieren, inspirieren und dominieren. Der "Meister", wie er in seinem Kreis gerufen wurde, ist ein Phänomen und ein Rätsel - bis heute.
Ihn umgab die Aura des Priesters und Sehers. Er scharte einen Kreis ergebener Jünger um sich. Von dem charismatischen Dichter Stefan George geht bis in die Gegenwart eine magische Aura aus – und etwas Unheimliches.
Jürgen Egyptien: Stefan George. Dichter und Prophet
Jörg Seidel bespricht für uns Jürgen Egyptiens Stefan George. Dichter und Prophet: Sezession, 20.7.2018
Man war sich doch einig. Vor zehn Jahren hatte Thomas Karlauf die ultimative George-Biographie geschrieben; sie wurde wenig später von Ulrich Raulffs gelehrter Studie über Georges Erben im bundesrepublikanischen Betrieb und durch Ernst Osterkamps tiefsinnige paradigmatische Analyse einiger Gedichte – als Flaggschiffe der postsakralen George-Deutung – kongenial ergänzt, das Kapitel schien vorerst abgeschlossen.
Zwei Stimmen von früher:
Eine literarische Sensation: Das Geheimnis des Stefan George
Für Verehrer des Dichters Stefan George ist die Biographie, die
Thomas Karlauf schrieb, ein Skandal. Für alle anderen ist das Buch
Schrecken und Faszination. Ein Besuch bei seinem Verfasser.
Die Biografien von Thomas Karlauf, Kai Kauffmann und Jürgen Egyptien liegen neben anderen Arbeiten über Stefan George in unserer Bibliothek Gleichgewicht auf, ebenso Georges Gesamtwerk.
[Komm in den totgesagten park und schau]
Komm in den totgesagten park und schau:
Der schimmer ferner lächelnder gestade ·
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade.
Dort nimm das tiefe gelb · das weiche grau
Von birken und von buchs · der wind ist lau ·
Die späten rosen welkten noch nicht ganz ·
Erlese küsse sie und flicht den kranz ·
Vergiss auch diese lezten astern nicht ·
Den purpur um die ranken wilder reben
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.
Quelle:
Stefan George: Das Jahr der Seele. Gesamt-Ausgabe der Werke, Band 4, Berlin
1928, S. 12.