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Donnerstag, 26. Juli 2018

Afrika steht sich selbst im Weg

Der afrikanische Exodus ist wie ein Faustschlag ins Gesicht der Regierenden

Die meisten afrikanischen Staatschefs kümmert es kaum, dass ein grosser Teil ihrer jungen Bürger wegwill. Aber die Überweisungen der Emigranten sind kein Ersatz für wirtschaftliche Entwicklung. Nebst der Ökonomie braucht es allerdings auch soziale und kulturelle Veränderungen.
 

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Jahn-Bibliothek: Eintauchen in die Welt Afrikas

Mainzer Uni beherbergt eine der größten und ältesten Sammlungen afrikanischer Literatur weltweit

Eine der größten und ältesten Sammlungen afrikanischer Literatur weltweit ist auf dem Campus der Universität Mainz zu Hause. Im Verfügungsbau SB II gegenüber dem Botanischen Garten ist die Jahn-Bibliothek für afrikanische Literaturen untergebracht. In ihren Bücherregalen finden sich Werke afrikanischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller in über 80 Sprachen.

Darunter sind international erfolgreiche Klassiker, aber auch in Deutschland kaum bekannte Werke, Kinderliteratur und Comics, Hörbücher und Literaturverfilmungen. Sekundärliteratur und wissenschaftliche Zeitschriften ergänzen die bemerkenswerte Sammlung, die vor über 60 Jahren von Janheinz Jahn, Übersetzer, Publizistik und Literaturvermittler aus Frankfurt, begründet wurde.

Von Acholi und Bambara bis Yorùbá und Zulu reichen die Sprachen, in denen die Bücher der Jahn-Bibliothek für afrikanische Literaturen geschrieben sind. Die meisten Titel sind aber in den ehemaligen Kolonialsprachen, vor allem auf Englisch und Französisch, verfasst, und viele davon findet man in der Bibliothek sogar in deutscher Übersetzung, was es auch Afrikainteressierten ohne Sprachkenntnis ermöglicht, einen Blick in den literarischen Kosmos dieses Kontinents zu werfen. Als Janheinz Jahn Anfang der 1950er Jahre mit dem Sammeln afrikanischer Literatur begann, galt sein Interesse außerdem den Werken schwarzer Schriftsteller in anderen Teilen der Welt, also afroamerikanischer, karibischer und afro- lateinamerikanischer Literatur. Dieser Zweig wird heute nur noch gelegentlich ergänzt, das Hauptaugenmerk der Bibliothekare liegt auf originär afrikanischer Literatur sowie Sekundärliteratur. 20.000 Titel zählt der Bestand mittlerweile.

„Die Jahn-Bibliothek ist weit mehr als eine Bibliothek im engeren Sinne, mehr als nur eine Sammlung von Büchern, die man ausleihen kann“, erläutert Dr. Anja Oed, seit 2002 wissenschaftliche Leiterin der Einrichtung. „Wir sind hier an einem Ort lebendiger Literaturgeschichte.“ Viele Bücher dokumentieren auf sehr eindringliche Weise die persönliche Anteilnahme der Autoren an der afrikanischen Geschichte. Sie reflektieren die Kolonialzeit, den Kampf für Unabhängigkeit und den Aufbau moderner Nationalstaaten, aber auch aktuelle nationale politische Entwicklungen und Krisen werden thematisiert. Neben frühen internationalen Klassikern wie dem Roman „Things Fall Apart“ des nigerianischen Schriftstellers Chinua Achebe stehen zeitgenössische Titel einer neuen, jungen Autoren- Generation, die längst keine Nischenliteratur mehr sind, sondern globale Bestseller, wie die Werke der ebenfalls nigerianischen Autorinnen Chimamanda Ngozi Adichie, Sefi Atta und Yejide Kilanko – die Liste der Namen ließe sich fast endlos fortsetzen. Aus wissenschaftlicher Perspektive sind unbekanntere Texte, die sich mit ihrem Schreibstil und ihren Themen vor allem an lokale Leser richten, wie etwa Liebesgeschichten oder Detektivromane, allerdings genauso spannend zu untersuchen.

Als Forschungseinrichtung ist die Jahn-Bibliothek dem Institut für Ethnologie und Afrikastudien der Johannes Gutenberg-Universität (JGU) zugeordnet, als Bibliothek gehört sie zur Bereichsbibliothek Ethnologie und Afrikastudien der Universitätsbibliothek. Neben den rund 1.000 Studierenden des Instituts und dessen wissenschaftlichen Mitarbeitern und Forschungsgästen, die die Bibliothek regelmäßig nutzen, können auch Mitglieder anderer Fachbereiche sowie weitere interessierte Leser auf die Schätze der Bibliothek zugreifen.

Trends, die sich international auf dem Buchmarkt und in der Literatur abzeichnen, kann man auch in Afrika beobachten. Dazu gehören Literaturverfilmungen und Hörbücher ebenso wie Comics und Kinderliteratur.
„In vielen afrikanischen Ländern gibt es Initiativen, die versuchen, Kinder fürs Lesen zu begeistern“, erklärt Anja Oed diese Entwicklung, die sich ebenfalls in der Mainzer Sammlung widerspiegelt. Auch Hörbuch- Ausgaben afrikanischer Literatur gibt es mittlerweile auf Deutsch, wie die Edition „Afrika erzählt“ mit Werken einiger der wichtigsten afrikanischen Autoren, aber auch die ursprünglich auf Swahili verfassten Detektivromane um Bwana Msa, den Sherlock Holmes von Sansibar des tansanischen Autors Muhammed Said Abdulla.

20.000 Titel, eine unvergleichliche Sprachenvielfalt mit über 80 Sprachen, ein alter Buchbestand und Raritäten, wie Ausgaben mit handschriftlichen Widmungen von Autoren, und Werke, die teilweise sonst nirgends mehr erhältlich sind – die Jahn-Bibliothek wartet mit Superlativen auf, die sie weltweit fast einzigartig macht.

Auf der Basis von Janheinz Jahns privater Sammlung „neo-afrikanischer“ Literatur ist nach dessen Tod 1973 durch die kontinuierliche Erweiterung am Institut für Ethnologie und Afrikastudien eine international bekannte Forschungseinrichtung entstanden, die von Mainz aus einen tiefen Einblick in afrikanisches Leben gestattet. „Die Schriftstellerinnen und Schriftsteller zeigen uns aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln, was ihnen wichtig ist, woran sie erinnern und was sie verändern möchten, welche gesellschaftlichen und welche persönlichen Probleme sie beschäftigen und was sie sich wünschen, für sich selbst und für die Gesellschaft“, fasst Bibliotheksleiterin Anja Oed die Essenz der Werke zusammen.

Weitere Informationen:

Dr. Anja Oed
Jahn-Bibliothek für afrikanische Literaturen Institut für Ethnologie und Afrikastudien Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-25933
E-Mail: aoed@uni-mainz.de
http://www.ifeas.uni-mainz.de/338.php

Weitere Links:
http://www.jahn-bibliothek.ifeas.uni-mainz.de/238_DEU_HTML.php
http://www.jahn-bibliothek.ifeas.uni-mainz.de/index.php
http://www.ifeas.uni-mainz.de/

Mittwoch, 11. Juli 2012

Diaspora und Nation im Spiegel literarischer Texte

Von Indien über Ostafrika in die westliche Diaspora

Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts stehen Autorinnen und Autoren, die heute vorwiegend in Nordamerika und in Großbritannien leben und einer Gruppierung angehören, die Simatei als "East African Asian Diaspora" bezeichnet. Deren Lebens- und Familiengeschichten sind in zweifacher Hinsicht durch Migrationserfahrungen geprägt. Die Vorfahren stammen aus Südasien, insbesondere aus Indien. Seit Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1920er Jahre hinein wurden indische Arbeitskräfte von der britischen Kolonialverwaltung im Rahmen des sog. „Indenture-Systems“ nach Ostafrika gebracht und vor allem für den Aufbau der Eisenbahnen eingesetzt; später wanderten freie Händler und Geschäftsleute aus Südasien in Ostafrika ein.

Die Nachkommen dieser asiatischen Migranten wuchsen in Ostafrika auf, sahen sich jedoch nach dem Ende des Kolonialismus als Minderheit diskriminiert. Denn die politisch unabhängigen Nationalstaaten definierten sich durch eine indigene afrikanische Identität, und in diesem postkolonialen Selbstverständnis hatten die Einwanderer aus Asien und ihre Nachkommen keinen Platz. In den 1970er Jahren wurden sie sogar systematisch aus Uganda vertrieben. Viele von ihnen – unter ihnen Schriftsteller und Intellektuelle – fanden in den USA, Kanada und Großbritannien eine neue Heimat.

Literarische Texte als Medium einer neuen, postnationalistischen Identität

An diesem Punkt setzt das Forschungsvorhaben von Prof. Dr. Peter T. Simatei an. Er lässt sich dabei von der Beobachtung leiten, dass die Autoren der "East African Asian Diaspora" ein sehr reflektiertes Verhältnis zu ihrer ostafrikanischen Herkunft haben. In ihren Texten – sei es in fiktionaler Literatur, in Autobiographien oder in Reiseberichten – wird das Streben nach einer ostafrikanischen Identität erkennbar, die das Konzept eines auf 'reine' afrikanische Wurzeln gegründeten Nationalstaats überwindet. Das neue Identitätskonzept ist nicht in sich geschlossen, sondern für Impulse von außen offen und auf kreative Veränderungen angelegt. Es versetzt die Autoren in die Lage, ausgehend von ihren Erfahrungen in der westlichen Diaspora unterschiedliche Zugehörigkeiten miteinander zu verknüpfen. So können sie eine vitale Identifikation mit ihrer ostafrikanischen Herkunft entwickeln, ohne an die historisch überlebte Vorstellung eines homogenen Nationalstaats anknüpfen zu müssen.

Simatei ist deshalb überzeugt, dass derartige Entwürfe einer ostafrikanischen Identität eine kulturelle Brücke bilden können, welche die Diaspora im 'Westen' mit den afrikanischen Herkunftsländern verbindet.

Literarischen Texten wächst auf diese Weise das Potenzial zu, für die Länder Ostafrikas ein zukunftsweisendes Verständnis ihrer nationalen Identität zu erschließen. Um diesen Forschungsansatz weiterzuentwickeln, steht Simatei im engen Kontakt mit zwei interdisziplinären Forschungszentren der Universität Bayreuth: dem Institut für Afrikastudien (IAS) und dem Bayreuth Institute for American Studies (BIFAS).

Insbesondere arbeitet er mit Prof. Dr. Susan Arndt zusammen, Professorin für englische Literaturen und anglophone Literaturen an der Universität Bayreuth und Senior Fellow der Bayreuth International Graduate School of African Studies.

Erinnerungen an eine preisgekrönte Bayreuther Dissertation

Mit seinem Forschungsprojekt führt der kenianische Humboldt-Stipendiat Überlegungen weiter, die bereits in seiner Bayreuther Dissertation angelegt waren. Unter dem Titel "The Novel and the Politics of Nation Building in East Africa" ging es darin um das Verhältnis der Literatur zur postkolonialen Nationenbildung in Ostafrika. Die Arbeit wurde von Prof.
Dr. Eckhard Breitinger an der Universität Bayreuth betreut. Für seine herausragende wissenschaftliche Leistung erhielt Simatei im Jahr 2000 den Preis der Stadt Bayreuth, nachdem er ein Jahr zuvor mit dem DAAD-Preis für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender ausgezeichnet worden war.

Kontaktadresse für weitere Informationen:

Prof. Dr. Peter Tirop Simatei
c/o Englische Literaturwissenschaft und Anglophone Literaturen
Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät Universität Bayreuth D-95440 Bayreuth
Telefon: +49 (0)921 / 55-3551
E-Mail: tpsimatei@hotmail.com

Pressemitteilung Universität Bayreuth, 11.07.2012

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Literatur als soziales und politisches Hilfsmittel. Was sich literarisch gibt, ist eigentlich politisch korrekte Politik. Literatur wird, wie Kunst generell, einem spezifischen Utilitätsdenken unterworfen und soll ihre Güte darin erweisen, dass sie der erwünschten Identitätsbildung hilft usw.

Was, wenn Schriftsteller sich nicht so einspannen lassen? Werden sie wie Abweichler im Regime der Realkommunisten und Stalinisten oder Nazis abgewertet, wenn nicht gemieden oder verfolgt? Muss sich Literatur auf diese Weise legitimieren? Was, wenn Emigranten wenig lesen oder zu Lektüren finden, die überhaupt nichts beitragen zu "Politics of Nation Building in East Africa"?

Woher stammt eigentlich diese Annahme der Wirksamkeit von Literatur? Stellen die nationalen Historien nicht im Gegenteil eindrück dar, wie wenig Kultur, insbesondere Literatur, vermag? Wie wenig es auf (bloßes) Wissen ankommt, als vielmehr auf verinnerlichte positive Werte und Persönlichkeit, das heißt, Charakter?